Absage würde die Branche hart treffen

Osterwiese in Bremen auf der Kippe?

Gut eine Million Menschen besuchen jedes Jahr die Osterwiese. Noch ist die kleine Schwester des Freimarktes nicht abgesagt. Die Schausteller kämpfen mit aller Macht dagegen. Aus gutem Grund.
16.03.2020, 06:11
Lesedauer: 2 Min
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Von Simon Wilke und Marc Hagedorn

Nach der Absage des Hamburger Doms kämpfen die Schausteller in Bremen mit aller Macht um die Durchführung der Osterwiese. „Wir haben in Gesprächen mit dem Innen- und Wirtschaftsressort darum gebeten, dass die Osterwiese eine Sonderstellung einnehmen darf und nicht abgesagt wird“, sagt Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Bremer Schaustellerverbandes.

Stand heute sind in Bremen wegen des Corona-Virus alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern bis zum 26. März gestrichen. Ob diese Frist verlängert wird, berät der Senat an diesem Montag, 16. März, oder Dienstag, 17. März. Die Osterwiese ist für die Zeit vom 3. bis 19. April terminiert. Jedes Jahr kommen zur kleinen Schwester des Freimarktes rund eine Million Menschen auf die Bürgerweide. „Die Osterwiese ist eine Freiluftveranstaltung“, sagt Robrahn, „da sollte man zu überdachten Veranstaltungen unterscheiden.“

Eine Absage der Osterwiese hätte schwerwiegende Folgen für die Branche. „Ein Ausfall wäre für uns sehr, sehr schmerzhaft. 95 Prozent der Bremer Schausteller fahren mit einer sehr dünnen Kapitaldecke zur Osterwiese“, sagt Robrahn, „da geht es sozusagen um den letzten 100-Euro-Schein. Wir stehen permanent unter Druck zu investieren, auch über die Wintermonate. Deshalb planen wir die Osterwiese fest in unseren Kalkulationen ein.“

Über 200 Betriebe, darunter 35 Fahrgeschäfte, 80 Imbisse und fast ein Dutzend Ausschankbetriebe, sind auf der Osterwiese vertreten. „Die Mitarbeiter, die aus den osteuropäischen Ländern eigentlich jetzt anreisen müssten, vertrösten wir derzeit“, sagt Robrahn, „wir haben ja nur saisonale Verdienstmöglichkeiten.“

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Während der Zeit der Osterwiese findet traditionell auch ein verkaufsoffener Sonntag statt. Für dieses Jahr ist der 5. April angemeldet. „Aber ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Osterwiese stattfindet“, sagt Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der City-Initiative, „wenn man den Hamburger Dom absagt, kann 100 Kilometer weiter südwestlich keine andere Gefahrenlage herrschen.“ Wirtschaftlich ist der verkaufsoffene Sonntag für die Händler und Geschäfte nicht ganz so entscheidend, „der Sonntag ist eher das Sahnehäubchen“, sagt Halves.

Viel mehr Sorge bereitet ihm, dass das Coronavirus dabei ist, das gesellschaftliche Leben in Bremen komplett lahmzulegen. „Die Menschen kaufen im Moment deutlich weniger ein“, sagt Halves, „dabei sollte jetzt eigentlich das Frühjahrsgeschäft mit den neuen Kollektionen laufen.“ Den verkaufsoffenen Sonntag, der wegfiele, wenn die Osterwiese gestrichen wird, könnte sich Halves ersatzweise gut im Rahmen der Maritimen Woche im Herbst vorstellen. „Das ist auch ein tolles Fest“.

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