Massenschlägerei im Viertel Polizei sucht noch immer nach Hinweisen

Bei der Auseinandersetzung zwischen gewaltbereiten Bremer Ultras und Kneipengästen am Sonnabendabend sind mehrere Menschen verletzt worden. Was genau passierte, ist noch nicht vollständig geklärt.
17.12.2017, 19:53
Lesedauer: 3 Min
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Polizei sucht noch immer nach Hinweisen
Von Katharina Frohne

Auf dem Gehweg vor der „Schänke“ liegen Glasscherben, drei der vier Fenster wurden provisorisch mit Spanplatten abgedichtet. Im Hauseingang lehnt ein Mann und raucht. Er wohnt über der Kneipe und hat am Sonntagmorgen beim Aufräumen geholfen, erzählt er. Totales Chaos habe drinnen geherrscht, Tische und Barhocker hätten herumgelegen, der Boden sei mit Scherben übersät gewesen.

Am Sonnabendabend war es nach der Bundesliga-Partie zwischen Werder und Mainz 05 zu einer Schlägerei zwischen gewaltbereiten Bremer Ultras und Gästen einer Kneipe gekommen. Fünf Personen wurden dabei leicht verletzt. Ein mit der Handykamera aufgenommenes Video, das seither auf Twitter kursiert, lässt erahnen, mit welcher Gewalt die Beteiligten aufeinander losgingen: Dutzende Menschen laufen die Straße entlang, werfen mit Stühlen, Klappschildern und Flaschen; Schreie sind zu hören.

Was genau passierte, ist noch nicht vollständig geklärt. In einer Mitteilung der Polizei vom Sonntagabend heißt es, eine von Einsatzkräften begleitete Gruppe von 100 bis 120 Werderfans verschiedener Ultragruppierungen sei durch die Straße Vor dem Steintor in Richtung Sielwall unterwegs gewesen, als sie sich plötzlich vermummten und zu laufen begannen.

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Anschließend hätten sie Flaschen, Dosen und Steine gegen die Fensterscheiben geschleudert, die dadurch zu Bruch gingen. Die Gäste der Kneipe hätten daraufhin das Lokal verlassen und ihrerseits angegriffen. Tischbeine, Stühle und andere Gegenstände seien als Waffen gebraucht worden.

Provokationen vonseiten der Kneipenbesucher habe es nach bisherigem Kenntnisstand nicht gegeben, teilt die Polizei mit. Sie vermutet, die Fußballfans seien davon ausgegangen, dass sich rechte Hooligans in der Bar aufhielten. Ob das tatsächlich der Fall war, lasse sich zu diesem Zeitpunkt weder ausschließen noch bestätigen.

Die Polizei war nach eigener Aussage nach wenigen Minuten vor Ort und konnte die Lage schnell beruhigen. Elf Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen. Für die Ermittlungen wegen schweren Landfriedensbruchs soll nun eine Ermittlungsgruppe eingerichtet werden.

Weiteres gewalttätiges Aufeinandertreffen verhindert

Die Einsatztaktik für kommende Spiele solle nach den Geschehnissen angepasst werden, sagte Rainer Zottmann von der Polizei Bremen am Sonntag. „Wir lassen nicht zu, dass Gewalttäter in der Öffentlichkeit rücksichtslos aufeinander losgehen.“ Den Tätern scheine egal zu sein, dass Unbeteiligte verletzt werden könnten.

Auf der Straße habe regelrecht Panik geherrscht, sagt Maryam Ahmadi. Sie beobachtete die Ausschreitungen aus dem gegenüberliegenden Imbiss „Habibi Burger“. Die Menschen hätten versucht, sich in den umliegenden Lokalen in Sicherheit zu bringen, immer mehr hätten sich in den Laden gedrängt.

„Es war so voll, dass die Scheibe vor der Theke kaputtgegangen ist“, sagt Ahmadi und zeigt auf einen Sprung in der Absperrung. Auch die Tür sei beschädigt worden. Einige der Stühle, die vor dem Laden stehen, hätten am Morgen zwei Haltestellen entfernt gelegen.

Noch immer auf der Suche nach Hinweisen

Ein weiteres gewalttätiges Aufeinandertreffen hatte die Polizei nach eigenen Angaben bereits am frühen Sonnabendnachmittag verhindert: 37 Mainzer, die im Bus unterwegs nach Bremen waren, hatten angegeben, Teilnehmer eines Junggesellenabschieds zu sein und nichts mit Fußball zu tun zu haben. Als sie an einer Raststätte ihre zivile Kleidung in sportliche tauschten, kamen dem Busfahrer Bedenken und er alarmierte die Polizei.

Die leitete den Bus noch in Niedersachsen in ein Industriegebiet um. Zeitgleich überprüfte die Polizei in Brinkum-Stuhr eine Gruppe Ultras aus der Bremer Szene. Dabei bestätigte sich der Verdacht auf eine vereinbarte Schlägerei. Die Mainzer Ultras mussten nach der Überprüfung ihre Heimreise antreten. Die Bremer blieben bis zum Spielende in Polizeigewahrsam.

Die Polizei ist noch immer auf der Suche nach Hinweisen zu den Geschehnissen am Sonnabendabend. Wer Beobachtungen, Fotos oder Videos gemacht hat, wird gebeten, sich unter (0421) 3623 888 an den Kriminaldauerdienst zu wenden.

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