Neue Corona-Verordnung

Bremen schränkt Sport-Großveranstaltungen ein

Großveranstaltungen im Sport sind ab diesem Donnerstag in Bremen untersagt, die Behörde schränkt die Anzahl an Personen auf maximal 100 ein. Vereins- und Wettkampfsport können jedoch weiter ausgeübt werden.
07.10.2020, 21:38
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Frank Büter und Jörg Niemeyer
Bremen schränkt Sport-Großveranstaltungen ein

Im Vorjahr gewann der FC Oberneuland mit Tom Trebin (links) das Masters-Finale mit 2:1 gegen den TuS Schwachhausen (mit Leon Osehi, rechts). 2020 wird es in der ÖVB-Arena kein Turnier geben.

Frank Thomas Koch

Der Bremer Fußball-Verband hatte offensichtlich eine Vorahnung: Ein paar Stunden, bevor die Bremer Gesundheitsbehörde mitteilte, dass bestehende Sondergenehmigungen zur Durchführung von Großveranstaltungen sofort ausgesetzt werden, hatte der BFV seine nächste Großveranstaltung bereits abgesagt. Das Lotto-Masters-Turnier um den Sparkasse-Bremen-Cup, geplant für den 19. oder 20. Dezember, fällt aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie aus. In jedem Jahr strömen zum Hallenfußballturnier rund 3000 Zuschauer in die ÖVB-Arena – eine Unmöglichkeit in diesem Jahr.

Nachmittags teilte die Gesundheitsbehörde dann mit, dass aufgrund der gestiegenen Infektionszahlen in Bremen auf nunmehr 57,6 pro 100.000 Einwohner die Corona-Maßnahmen ab diesem Donnerstag, 0 Uhr, verschärft werden. Das bedeutet unter anderem, dass Veranstaltungen in geschlossenen Räumen oder unter freiem Himmel nur mit höchstens 100 teilnehmenden Personen erlaubt sind. Damit stand auch fest, dass die Tanzsportveranstaltung des Grün-Gold-Clubs mit 400 Paaren am kommenden Wochenende in der ÖVB-Arena nicht mehr durchgeführt werden kann.

Lesen Sie auch

Kurz nach 16 Uhr erreichte Grün-Gold-Präsident Jens Steinmann am Mittwoch die Nachricht, dass die Arena mit sofortiger Wirkung für Großveranstaltungen gesperrt sei. Der Verein hatte wenige Tage zuvor erst eine Sondergenehmigung erhalten, wonach pro Turnierzeitfenster bis zu 350 Aktive, Funktionäre und Zuschauer hätten anwesend sein dürfen. Das ist nun hinfällig. Ebenso wie die umfangreiche Vorarbeit des Klubs, der keine Mühe gescheut hatte, ein detailliertes Hygienekonzept zu erarbeiten, um den aus der gesamten Republik kommenden Tänzern einen Wettkampf zu ermöglichen.

„Wir sind traurig, aber nicht frustriert“, sagte GGC-Chef Steinmann. „Für uns war das organisatorisch auch ein Probelauf für die Deutsche Meisterschaft der Formationen im Dezember. Darauf arbeiten wir jetzt mit voller Kraft hin.“ Finanziell hat die Absage der Veranstaltung für den Tanzsportverein keine negativen Auswirkungen. „Da es eine Verordnung des Senats ist, bleiben wir nicht auf den Kosten sitzen“, sagte Steinmann. „Und das Geld für die Eintrittskarten wird dort zurückerstattet, wo sie gekauft wurden.“

Neue Verordnung gilt auch für den Sport

Der Sprecher von Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bestätigte dem WESER-KURIER, dass die neue Verordnung auch für den Sport gelte, der in ihrem Paragrafen 22a nicht ausdrücklich genannt wird. „Diese Obergrenze gilt nicht allein für Zuschauer, sondern beinhaltet alle involvierten Personen wie Spieler, Funktionäre oder Schiedsrichter“, teilte Bernd Schneider nach Rücksprache mit seinen Sprecherkollegen aus dem Innen- und dem Gesundheitsressort mit. Die neue Verfügung gelte so lange, bis die Inzidenzrate wieder für mindestens sieben Tage unter dem Grenzwert von 50 liegt.

Der Präsident des Bremer Fußball-Verbands, Björn Fecker, sagte dem WESER-KURIER, dass der BFV die Infektionszahlen der letzten Tage mit großer Sorge betrachte. Zwar waren an den einzelnen Wochenenden schon mehrere Spiele aufgrund von Quarantäneentscheidungen der Gesundheitsämter abgesetzt worden, aber „eine grundsätzliche Auswirkung auf den Spielbetrieb hat die Überschreitung des Wertes momentan noch nicht“, sagte Fecker. Zugleich appellierte er an alle Freunde des Amateurfußballs, sich an die Hygieneregeln zu halten. „Eine erneute Aussetzung des Spiel- und Trainingsbetriebs möchte niemand erleben müssen“, so Fecker.

Lesen Sie auch

Die Geschäftsführerin des Landessportbunds Bremen (LSB) ist froh, dass der Sportbetrieb nicht geschlossen wird. „Die Situation ist aber ernst“, sagte Karoline Müller. Wie Fecker, rief auch sie alle Sportler auf, die Hygienemaßnahmen streng einzuhalten, die geselligen Aspekte des Vereinslebens hinten an zu stellen und konsequent weiter Kontaktlisten zu führen. Müller versprach, dass der LSB die Vereine schnellstmöglich wieder umfassend informieren werde. „Für alle Veranstalter von Großveranstaltungen tut es mir aber sehr leid“, sagte Müller.

Punktspiel ohne Zuschauer

Ebenfalls schon vor Verschärfung der Maßnahmen hatten die Drittliga-Volleyballerinnen des TV Eiche Horn mitgeteilt, dass sie ihr Punktspiel am Sonntag gegen Osnabrück auf jeden Fall ohne Zuschauer bestreiten werden. Ähnliche Überlegungen gibt es beim Tischtennis-Bundesligisten SV Werder, der am Sonntag Rekordmeister Düsseldorf empfängt. „Eine endgültige Entscheidung werden wir aber frühestens Donnerstagmittag bekannt geben“, sagte Teammanager Sascha Greber, der am Mittwoch nach der Entscheidung der Behörde sofort mit Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald konferiert hatte.

Auch die Verantwortlichen des Fußball-Regionalligisten FC Oberneuland trafen sich abends noch zu einer Videokonferenz. Der Klub empfängt am Sonntag den Mitaufsteiger SV Atlas Delmenhorst – eigentlich ein Höhepunkt für bremische Fußballfans. „Wir werden ohne Zuschauer spielen“, verkündete FCO-Vizepräsident Uwe Piehl, „unter den Bedingungen macht es keinen Sinn, und wir wollen auch kein Risiko eingehen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+