Bremen-Ligisten FC Bremerhaven, OSC Bremerhaven und TSV Wulsdorf Eine eigene Welt in Bremerhaven

Bremen. Nur rund 60 Kilometer sind es von der Bremer Innenstadt bis nach Bremerhaven, und natürlich dürfen die Klubs aus der Seestadt mitmachen in der Bremen-Liga. In der kommenden Saison werden drei dabei sein.
14.08.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Nur rund 60 Kilometer sind es von der Bremer Innenstadt bis nach Bremerhaven, und natürlich dürfen die Klubs aus der Seestadt mitmachen in der Bremen-Liga. In der kommenden Saison werden drei dabei sein: FC Bremerhaven, OSC Bremerhaven und TSV Wulsdorf. Trotz der Nähe zum Bremer Fußball lässt sich aber feststellen: Die Vereine aus Bremerhaven leben schon ein bisschen in ihrer eigenen Welt.

FC Bremerhaven:Wer etwa gedacht hatte, der FC Oberneuland ließe sich in Bezug auf Geschichten und Skandale nicht mehr toppen, sollte mal einen Blick auf den FC Bremerhaven werfen. Der ist nämlich eine echte Konkurrenz zum Bremer Enfant terrible unter den Fußballklubs. Noch im Frühjahr schien der FCB nämlich vor dem Aus zu stehen. Weil das Finanzamt noch jede Menge Forderungen an den Verein stellte, hatte der FCB kurzzeitig die Gemeinnützigkeit verloren. Ohne Gemeinnützigkeit aber ist der Weg zum Ausschluss aus dem Landessportbund nicht weit, und dann geht auch im Bremer Fußballverband nichts mehr.

Doch wie so oft in letzter Zeit: Bernd Günther rettete seinen Verein in letzter Minute- um einige Wochen später für interessante Personalien zu sorgen: Zunächst wurde Kai Künning als neuer Coach verpflichtet und wenig später der Ex-Spieler Stefan Kriesen. Dieses "duale System" sei notwendig, da viele Spieler im Schichtdienst arbeiten und deshalb morgens und abends trainiert werden müsste. Dies war Künning aber offenbar nicht bekannt: Er trat zurück, noch bevor er begonnen hatte.

Nun, mit Kriesen als allein verantwortlichem Coach, soll der FCB wieder für sportliche Schlagzeilen sorgen. Selbstbewusst nennt der neue Trainer seine Mannschaft als Mitfavoriten auf die Meisterschaft. Tatsächlich wurde der FC Bremerhaven verstärkt und musste keine Leistungsträger ziehen lassen. Zudem war ihm in der Vorsaison trotz des Abzugs von neun Punkten- Folge einer anderen alten Geschichte - ein respektabler siebter Platz gelungen. Es bleibt also spannend beim FCB. Aber das hätte man sich ja auch denken können.

OSC Bremerhaven:Etwas weniger spannend sollte es dagegen beim OSC Bremerhaven laufen. Noch vor einem Jahr standen Trainer Sascha Pinter und Manager Gerrit Michaelis für den neuen Weg des OSC. Der sollte ihn zur Nummer eins in Bremen machen und bestenfalls in die Regionalliga führen. Heute steht keiner der beiden mehr in Diensten der Olympischen. Ein Neuanfang war nötig, und er bescherte Künning sein nächstes Traineramt: Nachdem er beim FCB abgesagt hatte, ging er zum OSC Bremerhaven. "Ich war ja gerade frei", sagt der neue Trainer lachend.

Er will sich zunächst natürlich nicht an den Zielen der Vergangenheit orientieren, spricht stattdessen von einer "Übergangssaison". Schließlich verlor der OSC neben seinem langjährigen Trainer Pinter mit Shaun Minns und den Wild-Brüdern richtige Leistungsträger. Neu im Kader sind überwiegend junge Spieler aus der Jugend des JFV Bremerhaven. "Sie haben es im ersten Herrenjahr erfahrungsgemäß schwer", so Künning. Zwischen Platz eins und sechs sollte die neuformierte Mannschaft trotzdem landen, findet der Trainer.

Die Meisterschaft hat er allerdings nicht wirklich im Visier: "Die geht an den FCO, aber ein Saisonziel zwischen Platz zwei und sechs hört sich ja doof an." Irgendwann, das betont Kai Künning indes auch, will man sich aber erinnern an die ambitionierten Vorgaben der Vorjahre: "Wir werden diese Ziele mittelfristig nicht aus den Augen lassen." Irgendwann taucht der OSC Bremerhaven dann vielleicht tatsächlich in der Regionalliga auf.

TSV Wulsdorf:Beim TSV Wulsdorf ist man von derartigen Visionen weit entfernt. Man hat sich etabliert in der Bremen-Liga, und das ist ein Erfolg. Angesichts des Wulsdorfer Kaders lässt sich zudem recht gut die eigene Welt ausmachen, in der die Bremerhavener Vereine leben. Dort bleibt man vorzugsweise unter sich. Gleich fünf Spieler verlor der TSV an die LTS Bremerhaven, und die Neuen kamen ausnahmslos aus den benachbarten Klubs der Seestadt.

Trotz der Fluktuation möchte man besser abschneiden als in der vergangenen Saison. "Einen einstelligen Tabellenplatz", nennt Trainer Jörg Giesemann als Saisonziel. Das würde bedeuten, der TSV Wulsdorf müsste irgendwo zwischen Platz sieben und neun landen. Die anderen einstelligen Tabellenplätze sind ja bereits belegt. Womöglich auch durch die Konkurrenten aus der eigenen Stadt.

OSC Bremerhaven

Zugänge: Viktor Felker, Flamur Ramadani, Philipp Schmick, Florian Beck, Ole Aldag (alle JFV Bremerhaven U19), Oliver Grabbert (TSV Wulsdorf), Mario Gagelmann (TV Esensham), Jörg von Levern (TV Langen), Matti Levesque (RW Köhlen), Hannes Krüger (FTG Bremerhaven)

Abgänge: Jonas Kaczenski (Altona 93 Hamburg), Remigius Wild (Bremer SV), Shaun Minns (FC Oberneuland), Matthias Milz (RW Cuxhaven), Yannick Becker (FC Hagen/Uthlede), Miguel Iniesta, Mert Yaman, Samet Polatgil, Ali Moussa (alle unbekannt)

Restaufgebot: Jan Michael Kutzner, Dario Neves Nunes, Thomas Wischhusen, Mirko Franke, Gökhan Yücel, Timo Struppe, Patrick Schuder, Michael Zbonikowski, Onur Salman, Delmar da Rocha Nunes, Dennis Pleus

Trainer: Kai Künning (neu)

Co-Trainer: Gunnar Schmidt

Saisonziel: beste Bremerhavener Mannschaft bleiben

Meisterschaftstipp: FC Oberneuland

TSV Wulsdorf

Zugänge: Sisan Nisan, Behar Nebihi, Marco Theulieres, Marcel da Garca Lopes, René Zeitz (alle Leher TS), Kevin Kratochwel (SG Stinstedt), Nelson Fronseca (SC Sparta), Fabio da Fonseca Bola (TuSpo Surheide)

Abgänge: Marcel Tietjen (TuSpo Surheide), Marc Tietjen (LTS), Oliver Grabbert (OSC Bremerhaven) Mark Schmon-sees, Daniel Bahr (beide FC Bremerhaven), Christian Giese, Bastian Specketer (beide FT Geestemünde)

Restaufgebot: Murat Karayel, Benjamin Rubow, Christian Victoria, Torke Klempe, Hysen Shala, Björn Kohlstedt, Patrick Francisco, Sebastian Söhl, Eduardo Semiao Lopez, Angelo Pauls, Johannes Urbinski, Christopher Döscher, Nils Petzke

Trainer: Jörg Giesemann (wie bisher)

Co-Trainer: Lutz Ringshauser, Siggi Keuneke

Saisonziel: einstelliger Tabellenplatz

Meisterschaftstipp: FC Oberneuland

FC Bremerhaven

Zugänge: Axel Sander, Jannis Krejcberg, Marco Kiesner, Marwin Behrens (alle Rot-Weiß-Köhlen), Ali Moussa, Leandro Eduardo Amador (beide OSC Bremerhaven) Muharrem Gülec (SC Schiffdorferdamm) Marco Gärtner (Blumenthaler SV,) Mark Schmonsees, Daniel Baar (beide BV Wulsdorf)

Abgänge: keine Stammspieler

Restaufgebot: Matthias Balke, Dennis Ewert, Tarek Chaaban, Mustafa Akaydin, Ahmet Karaca, Muharrem Nicevic, Eugenio Pezolla, Savas Cokluk, Kevin Engelbert, Sedar Denkgelen, Kenan Kocan, Jannis und Sebastian Kurkiewicz, Robert Liebe

Trainer: Stefan Kriesen (neu)

Co-Trainer: Carsten Lüders

Saisonziel: Platz 1 bis 4

Meisterschaftstipp: FC Oberneuland, Bremer SV, SV Werder Bremen III, FC Bremerhaven

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