Zustandsbericht Stress um Sanierung von Bremer Sporthallen

Der Zustandsbericht für Bremens Sporthallen wirft einige Fragen auf, die jetzt schnell gelöst werden müssen. Der Sanierungsstau liegt bei rund 98 Millionen Euro.
22.03.2019, 21:58
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Stress um Sanierung von Bremer Sporthallen
Von Mathias Sonnenberg

Die grundsätzliche Haltung des Landessportbund (LSB) geben Andreas Vroom und Heike Behrend fast identisch wider. „Es ist hervorragend, dass wir endlich bekommen haben, worauf wir vier Jahre warten mussten“, sagt Behrend, beim LSB verantwortlich für Sportentwicklung und Infrastruktur. Und Vroom als LSB-Boss ergänzt: „Wir sind positiv überrascht von der Transparenz von Immobilien Bremen.“

Es geht natürlich um den Bestandsbericht für Bremens Sport- und Turnhallen, den Immobilien Bremen (IB) kürzlich vorgelegt hat (wir berichteten). Der Sanierungsstau für die 172 Sporthallen, die IB verwaltet und betreut, liegt demnach bei rund 98 Millionen Euro. So weit, so okay für den LSB. Vroom weiß: Jetzt geht es an die Detailarbeit. „Immobilien Bremen hat für jede Halle eine eigene detaillierte Übersicht angelegt“, sagt er. Die Sporthallen wurden mit Schulnoten von 1 (Sanierung in 20 Jahren notwendig) bis 5 (sofortige Sanierung notwendig) bewertet.

Noch viele Diskussionen

Wer auf die Blätter schaut, erkennt eine sehr dezidierte Vorgehensweise, mit der IB nach und nach jede einzelne Turnhalle benotet hat. Und genau da liegt jetzt das Problem: Decken sich diese Einschätzungen mit denen der Hallennutzer? Hinzu kommt, dass sogenannte Schönheitsreparaturen nicht aufgeführt sind und es somit an den Schulen liegt, diese vorzunehmen. Vroom sagt deshalb auch vorsichtig: „Ich weiß noch nicht, wie realitätsnah die Bewertungen von Immobilien Bremen tatsächlich sind.“ Er ahnt: Da rollen noch viele, viele Diskussionen auf den LSB zu.

Das weiß auch Vorstands-Kollegin Behrend. „Viele Nutzer werden die Beurteilungen der Zustände in den einzelnen Hallen sicherlich anders sehen als IB. Wir versuchen jetzt, eine vernünftige Ebene zu finden, auf der wir uns dann unterhalten können.“ Das könne beispielsweise auch eine gemeinsame Begehung sein, meint Behrend. Weil das für alle der 172 Hallen logischerweise nicht infrage kommt, hat sie jetzt einen neuen Plan entwickelt. „Ich werde zügig einen Arbeitskreis für Sport- und Infrastruktur gründen, damit wir mit mehreren Fachleuten die einzelnen Hallen-Bewertungen durchgehen und danach vernünftige Fragen stellen können“, sagt Behrend.

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Beim LSB werden sich zudem zwei Angestellte aus dem Sporthallen-Management mit den Bewertungen von Immobilien Bremen beschäftigen und dann direkten Kontakt mit den Hallennutzern suchen. „Das könnte recht zügig gehen“, sagt Vroom, der hofft, schon in drei Wochen die ersten Stellungnahmen von Sportvereinen eingeholt zu haben. Dann gelte es, diese Statements Immobilien Bremen zurück zu spiegeln und zu schauen, wo die Beurteilungen auseinander liegen. Viel Arbeit, die jetzt auf alle Beteiligten zukommt. Die Bremer Oppositionsparteien haben den ­Bestandsbericht kritisch aufgenommen. Für Kristina Vogt, Fraktionsvorsitzende der ­Linken, verschweige er die wahren Probleme.

"Wir brauchen umgehend Sofortmaßnahmen"

„Kaputte Toiletten, defekte Duschen und ein unbespielbarer Hallenboden fallen den Nutzern doch als erstes auf“, sagt sie. Wenn aber genau solche Reparaturen in dem Bericht gar nicht auftauchen würden, verschleiere man den wahren Zustand der Hallen. „Der Senat macht es sich viel zu leicht, wenn er diese ­Reparaturen aus der Berechnung raus rechnet.“ Und überhaupt müsse man nicht nur sanieren, sondern neue Hallen bauen. „Wir erwarten in den nächsten zehn Jahren 18 Prozent mehr Schülerinnen und Schülern. Für diese werden jetzt zwar neue und erweiterte Schulgebäude geplant, aber keine zusätzlichen Hallen.“ Schon jetzt würden täglich Hallenkapazitäten fehlen.

Marco Lübke, sportpolitischer Sprecher der CDU, ist vom Sanierungsbedarf nicht überrascht. „Wer mit offenen Augen im Sportbereich unterwegs ist, sieht, wie es um die Hallen bestellt ist. Die Situation ist für den Vereins- und Schulsport katastrophal“, sagte er auf Anfrage. Er erwarte vom Senat, dass umgehend ein Konzept mit einer Prioritätenliste für die geplanten Sanierungen und ein Zeitplan für die Umsetzung vorgelegt werde.

Das sieht auch Peter Zenner so, sportpolitischer Sprecher der FDP. „Wir brauchen umgehend Sofortmaßnahmen unter Beteiligung von Schulen und Vereinen und vor allem ein ­Finanzierungskonzept mit deutlich erhöhten Eckwerten für den Bereich Sport“, erklärte er. Sein Fazit: „Schulsport und Vereinssport ­dürfen nicht weiter leiden und zunehmend gefährdet werden.“

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Auch Ingelore Rosenkötter von der SPD stößt sich an den im Zustandsbericht nicht aufgeführten Schönheitsreparaturen. „Sie sind vielleicht nicht sicherheitsrelevant, spielen aber eine große Rolle dafür, wie wohl sich Schüler und Vereinssportler in den Hallen fühlen“, erklärte die sportpolitische Sprecherin. Ihre Lösung: Finanz-, Sport- und Bildungsressort sollen sich an einen Tisch setzen, um kleine Teams zu bilden, „die sich schnell und unkompliziert um Schönheitsreparaturen kümmern können“. Und Grünen-Politiker Mustafa Kemal Öztürk ergänzt: „Klar ist, dass bei den nächsten Haushaltsberatungen zusätzliche Sanierungsmittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Wichtig ist dabei, dass es zu keinen extremen Kapazitätsengpässen kommt.“ Denn die Sportvereine und der Schulsport müssten ihre Hallenzeiten verbindlich planen können.

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