Sanierungsstau von 98 Millionen Euro

Für Bremens Turnhallen fehlen Millionen

Auf rund 98 Millionen Euro beziffert IB-Geschäftsführerin Susanne Kirchmann die notwendige Summe, um Bremens Sport- und Turnhallen zu sanieren.
19.03.2019, 22:17
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Für Bremens Turnhallen fehlen Millionen
Von Silke Hellwig
Für Bremens Turnhallen fehlen Millionen

Funktionierende Duschen, saubere Umkleiden und trockene Hallen sind laut Sozial- und Sportsenatorin Anja Stahmann das, was Kinder sowie Sportlerinnen und Sportler verdienen.

Vasil Dinev

Bremens Sport- und Turnhallen sind überwiegend in einem passablen Zustand. Das ist das Resümee, das Immobilien Bremen (IB) aus einer Bestandsübersicht zieht, die kürzlich abgeschlossen worden ist. Susanne Kirchmann, IB-Geschäftsführerin, beziffert den Sanierungsstau aber auf rund 98 Millionen Euro. Eingerechnet seien allerdings auch Gebäude, in die Sporthallen gewissermaßen eingelassen seien. IB verwaltet und betreut als Anstalt öffentlichen Rechts Liegenschaften und Gebäude, die in bremischem Besitz sind. Dazu zählen neben Schulen, Kindergärten und Behördensitze auch rund 170 Sporthallen.

In dem Kataster, das kürzlich der Sport-Deputation vorgestellt wurde, ist der bauliche Zustand von 147 Hallen aufgeführt, die innerhalb der vergangenen dreieinhalb Jahre besichtigt worden sind. Ein kleiner Rest an Auswertungen stehe noch aus, sagt IB-Sprecher Peter Schulz. Nicht berücksichtigt seien ferner 18 Hallen, die derzeit oder alsbald saniert werden.

Lesen Sie auch

Bewertet wurden die Hallen mit Schulnoten von 1 bis 5. „Wir wissen sehr genau, dass umfangreiche Investitionen erforderlich sind“, so Schulz. Einige der Sanierungsarbeiten müssten umgehend erledigt werden, manche seien bereits im Gange oder würde vorbereitet; dieses Investitionsvolumen betrage 17,5 Millionen Euro. Andere Arbeiten könnten dagegen noch etwas warten: „Der überwiegende Teil der Hallen wurde mit der Note 3 bewertet.“ Sie müssten damit innerhalb der nächsten zehn Jahre ertüchtigt werden. Der Zustand von zwei Hallen wurde als mangelhaft eingestuft. Dabei handele sich um die Sporthalle am Hohweg und um die Halle der Schule an der Walliser Straße. Neun Gebäude bekamen die Note 4.

Bewertet wird ausschließlich der bauliche Zustand

Das Sporthallen-Kataster von Immobilien Bremen bewerte ausschließlich den baulichen Zustand, betont Schulz. Dazu zählten vor allem die Beschaffenheit der Fenster, Dächer und Fassaden sowie sicherheitsrelevanten Aspekte wie Brandschutz und Statik, auch energetische Fragen spielten eine Rolle. Es gehe nicht um Schönheitsreparaturen, diese lägen in der Verantwortung der Mieter. Dazu zählten neue Innenanstriche oder die Erneuerung abgeschabter Fußböden.

„Wir freuen uns, dass endlich eine Übersicht vorliegt. Wir haben lange darauf gewartet“, sagt Karoline Müller, Geschäftsführerin des Landessportbunds (LSB). „Wir hoffen, dass das Kataster dazu beiträgt, den Zustand der Hallen mehr in den Mittelpunkt des politischen Denkens zu rücken.“ Auch ohne die Auflistung der Hallen und des Sanierungsbedarfs sei es kein Geheimnis gewesen, dass viele Gebäude nicht in dem Zustand seien, in dem sie sein sollten. „Wir haben auch nicht die Erwartungshaltung, dass in fünf Jahren alles in Ordnung ist. Wir wollen auch keine goldenen Wasserhähne, aber funktionale Hallen für den Vereinssport.“ Schließlich müssten Sportvereine im Wettbewerb mit kommerziellen Anbietern bestehen können.

Lesen Sie auch

So sieht es auch Sozial- und Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne): „Luxussanierungen erwartet niemand. Aber Duschen, die man benutzen kann, Umkleiden, vor denen man sich nicht ekelt, und Hallen, die trocken und einladend sind – das haben die Sportlerinnen und Sportler in den Vereinen verdient.“ Aber auch für Kinder sei es „nicht förderlich, wenn sie Bewegung in erster Linie mit muffigen Turnhallen und kaputten Duschen verbinden. Und auch die Mitglieder in den Vereinen haben die Wertschätzung verdient, die von anständig gepflegten Sportanlagen ausgeht.“

Kein Zweifel daran, dass etwas geschehen muss

Es bestehe kein Zweifel daran, dass etwas geschehen müsse. Inakzeptabel sei, wenn es in Hallen hineinregne oder die Heizung nicht funktioniere, sagt Ingelore Rosenkötter, Vorsitzende der Sportdeputation, SPD-Abgeordnete und ehemalige LSB-Präsidentin. Die vorliegende Übersicht sei ein erster Schritt. Als Nächstes sollten sich die Ressorts Finanzen, Sport sowie Kinder und Bildung abstimmten, wo Prioritäten gesetzt werden müssen und wie die Sanierungsarbeiten Schritt für Schritt finanziert werden können.

Das Kataster soll laut Peter Schulz fortlaufend aktualisiert werden. Die Begehungen würden fortgesetzt, sodass 2022 eine neue Übersicht vorliege. Es liege im Interesse von IB, dass die Hallen mit befriedigendem Zustand bis dahin nicht auf eine schlechtere Note abrutschen. Dafür müsse Geld zur Verfügung gestellt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+