Marodes Bauwerk auf der A27

Endspurt an der Lesumbrücke

Nachdem sich die Bauarbeiten an der Lesumbrücke zwischen Bremen-Nord und Industriehäfen zweimal verzögert hatten, sollen sie nun im Mai 2021 abgeschlossen werden. Vorher gibt es noch eine kurze Vollsperrung.
27.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Endspurt an der Lesumbrücke
Von Pascal Faltermann
Endspurt an der Lesumbrücke

Die Lesumbrücke über die A 27 wird saniert, Mitte Mai sollen die Arbeiten beendet sein.

Frank Thomas Koch

Ein Ende ist in Sicht. Seit zweieinhalb Jahren ist die Lesumbrücke auf der Autobahn 27 ein Nadelöhr. Das Bauwerk zwischen den Anschlussstellen Bremen-Nord und Industriehäfen ist marode und musste zum Teil gesperrt werden. Autos und Lastwagen quetschten sich statt auf drei Spuren pro Richtung durch zwei verengte Fahrbahnen. Staus und stockender Verkehr bereiteten vor allem den Speditionen und Pendlern aus dem Bremer Norden Probleme. Das soll sich Mitte Mai nun ändern: Die Sanierungsarbeiten – das Bauwerk ist verstärkt worden – sollen dann abgeschlossen sein. Das teilte die Verkehrsbehörde von Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) am Freitag mit.

Die Sanierung des seit Ende 2018 teilgesperrten Bauwerks hatte sich im vergangenen Jahr um ein paar Monate verzögert. Unklar war, wie genau die Arbeiten vonstatten gehen sollen. Ab Dezember begannen die Brückenbauer von in der Lesum schwimmenden Arbeitsflächen – sogenannte Pontons – aus, die Brücke mit zusätzlichen kleineren und größeren Stahlträgern zu ertüchtigen. Diese Methode des Bauens ist laut Verkehrsbehörde und Amt für Straßen und Verkehr (ASV) in Deutschland bislang ungewöhnlich. Unter Ertüchtigung versteht man die Verstärkung des Bauwerks an seinen tragenden Bauteilen. Im Falle der Lesumbrücke geschieht dies im Wesentlichen an den Stellen, an denen rechnerisch die zulässigen Belastungen überschritten werden.

Ein zweites Mal verzögerten sich die Arbeiten im Februar aufgrund des Wintereinbruchs. Durch die frostigen Temperaturen kam es zu starkem Treiben von Eisschollen auf der Lesum – die Arbeiten mussten laut ASV zeitweise ruhen. Sobald es wieder möglich war, wurde laut Verkehrsbehörde mehr Personal eingesetzt, um die Tätigkeiten wieder aufzunehmen. Unter anderem sei dabei ein zusätzliches „Brückenuntersichtgerät“ eingesetzt worden: Durch diese Baumaschine wird von einem Lastwagen aus ein Arm mit einem Arbeitssteg oder einem Arbeitskorb unter die Brücke geführt, um von dort aus zu arbeiten.

Für Mitte April plant das ASV mit dem beauftragten Bauunternehmen auf der Brücke einen Seitenwechsel, was voraussichtlich zu einer kurzen Vollsperrung der Autobahn 27 im betreffenden Abschnitt führen wird. Die Arbeiten an der Brücke sollen dann Mitte Mai 2021 beendet sein, sodass die Brücke komplett für den Verkehr freigegeben werden kann.

„Die ungewöhnliche Ertüchtigung der Brücke von der Wasserseite aus war nach Abwägung aller Möglichkeiten die am schnellsten umsetzbare Lösung“, sagt ASV-Leiter Sebastian Mannl. Auch wenn es erforderlich gewesen sei, den Ablauf der Bauarbeiten zu ändern und umzuplanen sowie die Witterung die Arbeiten erschwert habe, liege die Maßnahme im Zeitplan, so Mannl.

„Dass die Lesumbrücke ab Mitte Mai wieder voll befahrbar ist, freut mich sehr, weil sie enorm wichtig für die Anbindung von Bremen-Nord, von Bremerhaven und für die dortige Anbindung der Seehäfen ist“, sagt Mobilitätssenatorin Maike Schaefer. Zudem stehe durch die Verstärkung der Brücke jetzt „genügend Zeit zur Verfügung, um eine ganz neue Lesumbrücke zu planen und zu realisieren.“ Das sei die klare Erwartung an die bundeseigene Autobahngesellschaft. Die Autobahn GmbH ist zuständig, weil sie zum 1. Januar alle Autobahnen und Bundesstraßen Bremens übernommen hat.

Der schlechte Zustand vieler Brücken in Deutschland ist seit Jahren viel diskutiertes Thema in Politik, Medien und der Fachwelt. Um einen guten Zustand und die Sicherheit von Brücken zu gewährleisten, werden bundesweit die Bauwerke systematisch nach Vorgaben des Bundes statisch nachgerechnet. Im November 2018 hatten erste Ergebnisse im Zuge der Nachrechnung für die A27-Lesumbrücke Defizite bei der Tragfähigkeit der Brücke ergeben. Weil zahlreiche Brücken überprüft werden müssen, stehen laut ASV zunächst die Hauptverkehrsstrecken im Vordergrund – also Autobahnen und Bundesstraßen. Neben der Instandsetzung und dem Ersatzneubau der Lesumbrücke müssen auch die A1-Weserstrombrücke und die Stephanibrücke (B75) saniert werden. Für die Stephanibrücke muss zudem ein Neubau her.

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