Schultheater Gesellschaftskritische Vampirgeschichte

Der Stoff ist für die Schülerinnen und Schüler eigentlich nicht neu, schließlich haben sie „Die Letzten ihrer Art“ im vergangenen Schuljahr schon einmal aufgeführt. Doch geprobt wird natürlich trotzdem.
22.09.2022, 08:00
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Gesellschaftskritische Vampirgeschichte
Von Micha Bustian

„Alle auf die Bühne!“ Daniel Akkermanns Worte verhallen ungehört. Der Musiklehrer der Oberschule Findorff versucht’s noch einmal. „Alle auf die Bühne. Sofort!“ Wieder nichts. Die Schüler der Musical-AG haben offensichtlich großes Mitteilungsbedürfnis. Es wird munter geplaudert. Bis der Pädagoge laut wird. „Versteht ihr mich nicht?“, fragt er. Doch diese Frage ist rein rhetorisch. Natürlich verstehen sie ihn. Denn die 27 Schülerinnen und Schülern im Alter von zwölf bis 18 Jahren proben nicht zum ersten Mal das Stück „Die Letzten ihrer Art“. Mehr noch: Sie haben es bereits zweimal aufgeführt. Jetzt soll es zwei Zugaben geben – am 27. und 29.  September, jeweils ab 19.30  Uhr. Einlass ist eine halbe Stunde vorher.

Die Bühne in der Aula der Schule an der Nürnberger Straße wird an diesen Tagen –  ein Dienstag und ein Donnerstag  – wieder mit Leben gefüllt. Laut Pressemitteilung handelt es sich bei dem Stück um „eine gesellschaftskritische Vampirgeschichte in Lüdenscheid, in der humorvoll und leicht von Liebe, Schmerz, Freundschaft und Selbstbild erzählt wird“. Der Text stammt aus der Feder von Atze Kasper, für Komposition, Inszenierung und die musikalische Leitung ist Daniel Akkermann zuständig.

Eindringliche Ansprache

Der Musiklehrer könnte auch als Fußballtrainer oder Motivations-Coach arbeiten. Seine Ansprache wirkt eindringlich. „Wir machen diesmal etwas, was wir noch nie gemacht haben“, sagt er. „Wir führen das gleiche Stück im neuen Schuljahr noch einmal auf.“ Das sollte doch Ansporn genug sein für die schauspielernde Sangestruppe. Zumal sie durch die zwei Aufführungen ja schon eine gewisse Routine haben sollten. Nur: Die beiden Hauptrollen Lovis Bertz und Femke Rose alias Carlotta und Henriette sind beide im Schüleraustausch. Und die beiden eben mal einfliegen, dürfte wohl das Schulbudget sprengen. Deshalb wurden die Rollen neu vergeben. An Anniek Färber und Lynn Akkermann.

Und nicht nur diese beiden müssen fast noch einmal von vorn beginnen. Auch der Rest der Truppe hat Nachholbedarf. Immerhin liegen mehrere Monate zwischen der letzten Aufführung und der ersten Probe. „Wir müssen jetzt viel, viel mehr Power auf die Bühne bringen als letztes Mal“, fordert Daniel Akkermann. „Ihr müsst euren Text jetzt wieder parat haben, den müsst ihr richtig gut draufhaben. Und jeder muss wissen, wann er dran ist.“

Texthänger und verpasste Einsätze

Genau daran allerdings hapert es während der Probe am Freitag. Immer wieder werden Einsätze verpasst, immer wieder hakt es beim Text. Auch die Lautstärke stimmt noch nicht. „Ihr müsst nach vorne spielen“, ruft Daniel Akkermann. „Der Text muss da hinten an die Wand und dort herunterrutschen.“ Es gibt noch einiges zu tun. Aber dafür gibt es ja noch die Generalprobe am Sonntag. Und die Zeit davor und danach. Zu Hause, vor dem Spiegel.

Musikalisch unterstützt werden die Darstellerinnen auf der Bühne von einer Lehrerband der Schule und der fünfköpfigen Bläserklasse der Oberschule unter der Leitung von Jannek Boomgarden. Vocal-Coach Kerstin Fewson ist für die Feinarbeit der einzelnen Solo-Stimmen mit verantwortlich und steht den Schülerinnen ebenso bei der Gestaltung des Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildes zur Seite.

Ratten sind nicht rattig genug

Doch die Hauptarbeit kommt von Daniel Akkermann. Die drei Ratten, gespielt von Lisanne Akkermann, Aleysha Sait und Fiona Wagner, sind ihm bei der Probe nicht rattig genug. Er korrigiert die Handhaltung, moniert fehlende Nervosität und meint, sie mögen doch eher so sprechen, „als wenn ihr eine Karotte dabei esst“. Er prangert das Tempo der Sprache als viel zu schnell an und lobt bei Besserung: „Klasse, in Zeitlupe.“ Und er fordert ununterbrochenes Schauspiel. „Ihr müsst auf die Handlung und die Worte der anderen reagieren. Das Schlimmste, was einem Schauspieler passieren kann, ist, dass er nichts zu tun hat.“ Seine junge Truppe hat bis zur Aufführung von „Die Letzten ihrer Art“ noch reichlich zu tun. Und spätestens am 27. September heißt es dann wieder: „Alle auf die Bühne. Sofort!“

Übrigens: Das Musical "Die Letzten ihrer Art" ist keine schulinterne Veranstaltung. Besucher und Musical-Fans sind ausdrücklich erwünscht. Der Eintritt ist frei, aber an der Ausgangstür steht eine Spendendose.

Zur Sache

„Die Letzten ihrer Art“ – die Belegschaft

Das Musical „Die Letzten Ihrer Art“ an der Oberschule Findorff wird von folgender Besetzung aufgeführt: Frank N. Stein (Max Blania), Steins Assistentin (Lotta), drei Ratten (Lisanne Akkermann, Aleysha Sait, Fiona Wagner), Katharina von Bernbach (Laura Wawrowski), Elvira Brinkmann (Sophie Suwa), Dr. Markus Stein (Clemens Schäfer), Luisa (Helen Hamann), die Vampire Carlotta (Anniek Färber), Henriette (Lynn Akkermann), Rocky (Mario Manz), Kröte (Sahar Abodib), die Coole (Katinka Warnke), Lady (Jona Klaus), Louis (Stella Bock) und Punky (Jaron Gersema) sowie Uschi (Camila Rueben), Flaschi (Aysha Voß), Rieke (Lilly Piskurek), Alfredo (Juri Akkermann) und Oma (Frieda). Als Souffleuse agiert Jonna Neumann, für das Licht sind Martyna Szarmach und Timon Wieland zuständig. Szarmach zeichnet auch für die Frisuren verantwortlich.

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