Viertel Bremen

Aktion gegen blockierte Rettungswege: Falschparker werden verwarnt

Bei einem Notfall-Einsatz kann die Entfernung von Autos, die Rettungswege zuparken, wertvolle Zeit kosten. Deshalb starten jetzt wieder Kontrollen. Am Mittwoch ab 19 Uhr ist das Viertel an der Reihe.
08.08.2018, 15:33
Lesedauer: 3 Min
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Aktion gegen blockierte Rettungswege: Falschparker werden verwarnt
Von Nina Willborn

Falschparker sind an vielen Stellen der Stadt an sich schon ein Ärgernis. Sie können aber nicht nur ärgerlich sein, sondern auch zu lebensgefährlichen Hindernissen werden: wenn Autos Rettungswege für Feuerwehr und Polizei blockieren. Gegen dieses Problem will Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) jetzt erneut vorgehen. Am Mittwochabend haben Feuerwehr und Ordnungsamt mit Kontrollen begonnen.

Der Schwerpunkt liegt auf Stadtteilen mit besonders engen Straßen. Zuerst waren das Milchquartier im Ostertor und das Hulsbergviertel an der Reihe. Mit einem Lasergerät prüften die Mitarbeiter des Ordnungsamts unter anderem in der Sankt-Pauli-Straße, ob Einsatzfahrzeuge im Fall des Falles behindert worden wären. Als nächste Stadtteile begutachten die Einsatzkräfte die Neustadt, wo es zum Beispiel im Flüsseviertel enge Stellen gibt, und auch Findorff. Genaue Termine sollen folgen. „Sollten uns Engpässe aufgrund ständigem, fehlerhaften Parkens auch aus anderen Stadtteilen bekannt werden, werden wir auch dort Befahrungen vornehmen“, sagt Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin der Innenbehörde. Zuletzt hatten Feuerwehr und Ordnungsamt im Jahr 2012 in größerem Maß die Bremer Straßen auf den problemlosen Zugang zu Rettungswegen kontrolliert.

"Im Zweifel nicht lange zögern"

Mäurer: „Im Zweifel wird die Feuerwehr nicht lange zögern und sich irgendwie ihren Weg freimachen, aber das kostet jedes Mal wertvolle Minuten. Zeit, die über Leben und Tod entscheiden kann. Es muss ein absolutes Tabu sein, sein Auto beispielsweise auf schraffierten Flächen gegenüber Einmündungen abzustellen.“

Im Viertel waren diese Markierungen als Teil des Rettungskonzepts angebracht worden, das nach einem Brand in der Sachsenstraße im Jahr 2009 entwickelt worden war. Damals hatten falsch geparkte Autos den Rettungseinsatz behindert. Weil die Markierungen sich mit der Zeit abgenutzt haben, ist das Amt für Straßen und Verkehr dabei, sie zu erneuern.

„Das Thema der zugeparkten Rettungswege ist für uns nach wie vor ein Dauerproblem“, sagt Manuela Jagemann, stellvertretende Ortsamtsleiterin Mitte. „Deshalb ist die Aktion jetzt sinnvoll. Man muss die Menschen regelmäßig sensibilisieren, ansonsten sackt das Verständnis immer wieder weg. Wir müssen einen Umerziehungsprozess schaffen.“ Zahlen zu Einsätzen, bei denen die Retter in den vergangenen Jahren behindert worden sind, gibt es allerdings nicht, weil sie als solche nicht gesondert in der Statistik auftauchen.

Die Aktion richtet sich vor allem an die Bremer, aber auch an Auswärtige. Es kommt immer wieder vor, dass Besucher von Großveranstaltungen wie der Breminale ihre Autos einfach irgendwo parken. „Das kann im Ernstfall Leben kosten“, sagt Jagemann. Problematisch kann es nicht nur bei Bränden werden, wenn die Feuerwehrwagen nicht oder nur langsam vorankommen, sondern genauso bei medizinischen Notfällen wie zum Beispiel einem Herzinfarkt. Jagemann: „Wenn man selbst in eine Notlage gerät, möchte man ja auch nicht, dass der Rettungswagen blockiert wird.“

Auch andere Fahrzeuge ohne Vorwarnung abgeschleppt

Bei der aktuellen Aktion werden die Besitzer von falsch geparkten Autos zunächst mit einem Flyer vorgewarnt. Darauf steht unter anderem: „Sie haben Ihr Auto in einem Bereich abgestellt, in dem das Parken verboten ist. Hier abgestellte Autos erschweren oder verhindern das Durchkommen von großen Fahrzeugen, insbesondere der Feuerwehr oder dem Rettungsdienst.“ Man wolle erreichen, sagt Gerdts-Schiffler, dass die Falschparker über ihr Verhalten nachdenken und nicht sofort strafen. Auch, weil auch der Innenbehörde und der Polizei bekannt ist, dass die Parkraumnot in vielen Quartieren groß ist. Wer dann aber nicht umparkt und erwischt wird, muss zahlen: Strafzettel zwischen zehn und 65 Euro sind möglich. Muss das Auto abgeschleppt werden, wird es mit Gebühren zwischen 200 und 400 Euro deutlich teurer.

Ebenfalls abgeschleppt – allerdings ohne Vorwarnung – werden seit Anfang Juli im gesamten Stadtgebiet nicht angemeldete Schrottautos. Ein neuer Erlass macht die Abschleppung ohne vorherige Warnung möglich. Halter haben dann vier Wochen Zeit, die Fahrzeuge vom Gelände der Abschlepp- und Bergungsgesellschaft, Martinsheide 10, in Bremen-Nord und in Bremen-Stadt vom Platz der Bremer Autohandels- und Verwertungsgesellschaft an der Simon-Bolivar-Straße 38 freizukaufen. Danach werden die Autos verschrottet.

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