Auftrieb für den Windkanal Der Windkanal ist gerettet

Henrich Fockes Windkanal wird künftig von einer Treuhandstiftung verwaltet. Damit ist der Fortbestand gesichert. Über einen neuen Nutzungsvertrag mit dem Förderverein wird aktuell verhandelt.
23.05.2019, 08:00
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Der Windkanal ist gerettet
Von Justus Randt

Die Zukunft des Focke-Windkanals ist gesichert. Mit der Gründung einer treuhänderischen Stiftung, die mit einem Anfangskapital von 100 000 Euro ausgestattet ist, eröffnet sich dem Denkmal eine dauerhafte Perspektive. In der Vergangenheit hatten Unstimmigkeiten zwischen der Tochter des 1979 verstorbenen Bremer Luftfahrtpioniers Henrich Focke und des Fördervereins Focke-Windkanal zu Problemen und vor zwei Jahren zur Schließung des aerodynamischen Labors geführt. Bremens Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki als Initiator der Stiftung und erste Unterstützer haben am Mittwoch ihre Pläne vorgestellt. Wichtigstes Ziel neben dem Erhalt des Windkanals sei die Wiedereröffnung für Schüler, Studierende und alle Technikbegeisterten.

„Denkmalpflege bedeutet nicht nur zu sanieren, sondern auch in die Zukunft zu denken“, sagte Georg Skalecki. Er stellte seine Behörde als „wichtigen Kooperationspartner“ der Stiftung Focke Windkanal in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) vor. Wohl gemerkt, gemeinsam mit den Vorsitzenden des Fördervereins Focke-Windkanal, Kai Steffen und Olaf von Engeln. Die Stiftung wurde bereits im vergangenen Sommer von Fockes in München lebender Tochter Sigrid Hopf gegründet. Das Anfangskapital stamme von einem Förderer, der nicht genannt werden wolle, sagte Skalecki und unterstrich, dass man auf „weitere Zustiftungen“ angewiesen sei. Sigrid Hopf hat den „voll funktionsfähigen Umlaufwindkanal Göttinger Bauart“, wie Kai Steffen sagt, der Stiftung übertragen – samt Eigentumsanteil an der unscheinbaren Immobilie in einem Hinterhaus an der Emil-Waldmann-Straße in der Nähe des Bahnhofs.

Gleich um die Ecke, in der Löningstraße, befand sich das Büro der 1923 von Henrich Focke und Georg Wulf gegründeten Focke-Wulf-Flugzeugwerke. Focke ist der Konstrukteur des ersten steuerbaren Hubschraubers. Mit dem Fw 61 gelang ihm der „weltweit erste Start eines voll flugfähigen Helikopters“, ein Superlativ, den der Leiter des DSD-Förderer-Service, Florian Klinkow, ins Exposé übernommen hat. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Sitz in Bonn ist eine private gemeinnützige Organisation, die bislang erst eine treuhänderische Stiftung im Land Bremen verwaltet: die Stiftung Seute Deern des Bremerhavener Museumsschiffs.

Henrich Focke habe den „Grundstein für Bremens Luft- und Raumfahrtindustrie gelegt“, sagt der Landesdenkmalpfleger. Ganz privat, aber hoch professionell, hat sich Luftfahrtpionier Henrich Focke einen Windkanal gebaut – 1960, als 70-Jähriger. Damals hatte der Mitbegründer von Focke-Wulf und „Vater des Hubschraubers“ sein Berufsleben eigentlich hinter sich. Nachdem er für Borgward den zweisitzigen Hubschrauber „Kolibri“ konstruiert hatte, gingen weitere hochfliegende Pläne für den Helikopterbau 1961 mit dem Konkurs des Bremer Autobauers unter.

Aber Fockes Interesse an aerodynamischen Studien blieb hellwach. Es galt vor allem den Langsamflugeigenschaften und Fragen der Stabilität von Hubschraubern. Bis zu seinem Tod im Jahr 1979 forschte er in dem kleinen Labor, das zuvor auch mal einen Gemüsehandel beherbergt hatte und 1903 als Neubau eine Tischlerei gewesen war. Fast 20 Jahre lang blieb der Windkanal verwaist und verfiel mehr und mehr. „Wassereinbrüche haben sämtliche Unterlagen Fockes zerstört“, sagt Kai Steffen. Der promovierte Ingenieur brachte die Sanierung des Labors maßgeblich voran. Das laut DSD „wohl einzige vollständig erhaltene Labor eines der großen deutschen Flugzeugkonstrukteure“ ist seit 2004 ein Kultur­denkmal.

Das Land Bremen, die DSD, die Bremer Stiftung Wohnliche Stadt, das Airbus-Werk und hiesige Kaufleute unterstützten damals die Sanierung mit insgesamt rund 250 000 Euro. Auch für die Zukunft, sagt Denkmalpfleger Georg Skalecki, habe Airbus seine Unterstützung zugesagt. Weitere sogenannte Zustifter sind Mitgliedsunternehmen des Vereins Aviaspace Bremen und die OHB System AG. Deren Vorstandsvorsitzender Marco Fuchs hat den weitgehend im Originalzustand erhaltenen Windkanal samt Büro und Werkstatt von einem früheren Besuch in beeindruckender Erinnerung: „Das ist ein bedeutendes Kleinod, eine Zeitkapsel. Es ist wichtig, das zu erhalten und wieder zugänglich zu machen. Wir sind froh, dabei zu sein.“

Wann der Windkanal wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist, steht noch nicht fest. Gegenwärtig werde mit dem Förderverein über einen neuen Nutzungsvertrag für das kleine Museum verhandelt.

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