Kinderbetreuung und Homeoffice Diskussionen um Corona-Elterngeld

Viele Eltern müssen seit Wochen Kinderbetreuung und Homeoffice unter einen Hut bringen, für viele bedeutet das Gehalteinbußen. Deshalb wird nun ein Corona-Elterngeld diskutiert.
15.05.2020, 05:00
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Diskussionen um Corona-Elterngeld
Von Lisa-Maria Röhling

Sie sind Managerinnen, Erzieher, Lehrerinnen und Sekretäre, alle Jobs erledigen sie an einem Arbeitstag. Deshalb haben Eltern bundesweit in offenen Briefen und in den sozialen Medien unter dem Motto „Corona-Eltern rechnen ab“ eine fiktive Rechnung an Bildungsbehörden gestellt. Mit der Protestaktion wollen sie auf den Wert der heimischen Sorgearbeit aufmerksam machen, während sie gleichzeitig mit Gehaltseinbußen kämpfen. Gleichzeitig gibt es einen realen politischen Vorstoß, um Eltern finanziell zu entlasten: Der Bundesverband der Grünen hat ein Corona-Elterngeld gefordert.

Die Bremer Unternehmerin und Bloggerin Sandra Lachmann berichtet auf dem Instagram-Profil „Wortkonfetti“ von ihren Erlebnissen im Homeoffice. Auch sie verfolgt die „Corona-Abrechnungen“ der Eltern und kann die Forderungen nachvollziehen: „Es ist wie es ist. Die meisten Eltern haben in den vergangenen Wochen verloren, entweder Geld oder mentale Gesundheit.“ Denn Arbeit zusammen mit Kinderbetreuung heiße momentan oft: Homeoffice von 5 bis 8 Uhr, dann Kinder versorgen, abends wieder für mehrere Stunden an den Computer. „Rechnet man Care-Arbeit und Erwerbstätigkeit zusammen, kommen Elternteile da schon mal auf 18-Stunden-Tage“, sagt Lachmann. Auch für Eltern, die nicht von zu Hause arbeiteten, sei die Lage ähnlich problematisch, viele müssten ihren Jahresurlaub nutzen oder in Kurzarbeit gehen.

Klage über fehlende Eltern-Debatten

Die Probleme seien je nach Familienkonstellation unterschiedlich, deswegen könne sie nur für sich als Mutter eines Kita-Kindes sprechen, die einen Partner hat und ein kleines Unternehmen führt. Dass ihr Kind keine Gleichaltrigen treffen konnte und sie ihrer selbstständigen Arbeit nicht nachgehen konnte, habe sie sehr belastet. Es sei außerdem schmerzhaft, kaum Debatten über die Lage der Eltern, beispielsweise zusätzliche Elternzeitmonate oder Kündigungsschutz, zu erleben. „Zu spüren, dass Familien selbst in solch einer weltweiten Krise, die vor allem durch sozialen Zusammenhalt geprägt sein sollte, im Gegensatz zur Autoindustrie und Bundesliga keine Lobby haben, ist hart.“

Aus diesen Gründen ist ein Corona-Elterngeld aus Lachmanns Sicht eine gute Idee: „Wo auch immer ich in den letzten Wochen hingehört habe, am sehnlichsten wünschen sich Eltern eine Möglichkeit, weniger zu arbeiten, ohne in Existenznot zu geraten.“

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Diese finanzielle Entlastung für Eltern hatte die Grünen-Bundestagsfraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckart vergangene Woche gefordert: „Die Bedarfe der Eltern stehen offensichtlich nicht im Mittelpunkt des Krisenmanagements“, erklärte sie den Vorstoß. Auch ihre Bremer Parteikollegen unterstützen das Konzept: „Ich bin ein absoluter Fan von diesem Vorschlag“, erklärte die Bremer Parteisprecherin Alexandra Werwath. Die Doppelbelastung durch Homeoffice und Homeschooling schaffe besonders für Frauen Probleme, für Alleinerziehende und selbstständige Unternehmerinnen sei die Situation derzeit besonders dramatisch. Der bildungspolitische Sprecher der SPD, Mustafa Güngör, hofft bei dem Vorschlag auf eine Umsetzung des Bundes, um so Ungleichbehandlungen aufgrund regionaler Haushaltslagen zu vermeiden. „Die großen Verdiensteinbußen führen in vielen Familien zu existenzieller Angst“, so Güngör. „Sie in diesen harten Zeiten finanziell zu unterstützen, ist das Gebot der Stunde.“

Birgit Bergmann, bildungspolitische Sprecherin der FDP, findet es zwar richtig, die finanziellen Belastungen der Familien nicht aus den Augen zu verlieren. Die Forderung nach einem Corona-Elterngeld sei allerdings zu unkonkret. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept, in dem finanzielle Entschädigungen und arbeitsrechtliche Anpassung eng ineinandergreifen.“

Ausweitung des Elterngeldes müsse befristet sein

Die CDU-Politikerin Bettina Hornhues findet die Idee einer unbürokratischen Ausweitung des Elterngeldes begrüßenswert, um Familien auch Wertschätzung zu zeigen. Eine solche Maßnahme müsse aber befristet sein, beispielsweise bis zum Kindergartenjahr 2020/21. Gleichzeitig müsse aber an neuen Betreuungsmodellen gearbeitet werden: „Das Corona-Elterngeld darf nicht als neue Herdprämie enden, die vor allem Mütter länger zuhause hält“, so Hornhues.

Tatsächlich geht eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung davon aus, dass die in der Krise anfallende Betreuungsarbeit hauptsächlich von Frauen geleistet wird und damit die Lohnungleichheit verschärft werde. Das WSI hatte im April mehr als 7600 Erwerbstätige befragt. „Die Pandemie legt nicht nur problematische Ungleichheiten in den wirtschaftlichen und sozialen Möglichkeiten offen, sie verschärft sie oft noch“, sagt WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch. Laut der Studie reduzieren 27 Prozent der befragten Mütter ihre Arbeitszeit für die Kinderbetreuung, bei den Vätern sind es 16 Prozent. Das hänge damit zusammen, dass Männer oft die Hauptverdiener der Familie seien. 60 Prozent der Paare, die sich vor der Krise die Kinderbetreuung geteilt hatten, tun das laut der Studie in der jetzigen Situation nicht mehr. Bei einem Drittel übernahmen die Frauen mehr Sorgearbeit, bei zehn Prozent die Männer.

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