Sorge um Schulstandort Beirat pocht auf Ausbau der Oberschule Rockwinkel

Der Beirat Oberneuland kritisiert die Pläne des Bildungsressorts und fordert den fünfzügigen Ausbau für die Oberschule Rockwinkel.
14.05.2020, 05:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Der Beirat Oberneuland hat in der vergangenen Woche zum ersten Mal per Video-Konferenz getagt. Diese Form gilt derzeit für öffentliche Sitzungen als Ausnahme, da die Bevölkerung bislang noch nicht aktiv teilnehmen kann. Duldet ein Thema allerdings keinen Aufschub, darf unter Beteiligung der Presse via Monitor diskutiert und abgestimmt werden. Davon hat der Beirat Oberneuland Gebrauch gemacht, weil ihm unter anderem die Zukunft der Oberschule Rockwinkel Sorgen bereitet.

Mehr Räum benötig

Lange Zeit waren die Ortspolitiker davon ausgegangen, dass die Oberschule Rockwinkel fünfzügig werden soll – Lehrer, Eltern und Schüler hatten dieselbe Erwartung. Seit 2016 ist die Fünfzügigkeit bei der Einschulung der Fünftklässler bereits gängige Praxis, weshalb die Schule dringend mehr Räumlichkeiten bräuchte. Im Rahmen einer Planungskonferenz erfuhren Beirat und Lehrer vor einigen Wochen allerdings von der Behörde, dass kein Ausbau geplant sei. Im Gegenteil: perspektivisch solle die Schule wieder auf vier Züge heruntergefahren werden. Stattdessen plane das Bildungsressort in Horn-Lehe an der Wilhelm-Focke-Oberschule und am Gymnasium Horn je einen weiteren Zug und an der Oberschule Ronzelenstraße zwei weitere Züge ein, hieß es.

Der Beirat Oberneuland hat die Behörde nun mit einem einstimmigen Beschluss aufgefordert, ihre Entscheidung zu revidieren und den fünfzügigen Ausbau der Schule fest einzuplanen. Die Oberschule Rockwinkel beschule derzeit mehr als 700 Schülerinnen und Schüler und außerdem bis zu 20 Geflüchtete, begründete der Beirat seine Forderung. Zudem werde die Schule nicht nur von Kindern und Jugendlichen im Planbezirk 35, also Horn-Lehe, Borgfeld und Oberneuland angewählt, sondern auch aus benachbarten Bezirken wie Osterholz, Sebaldsbrück und Schwachhausen.

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Die Schule leiste seit Jahren sehr gute Arbeit, betonte der Beirat, was ihr wiederholt durch sehr hohe Anwahlzahlen bestätigt werde. Für das kommende Schuljahr etwa sei die Oberschule Rockwinkel von 140 Schülern angewählt worden – 23 mehr, als Plätze vorhanden seien. Damit müssten für das kommende Schuljahr abermals fünf neue Klassen eingerichtet werden. Angesichts dieser Entwicklung irritiere sie die Aussage der Behörde, dass keine Erweiterung der Oberschule Rockwinkel von vier auf fünf Züge geplant sei, monierten die Beiratspolitiker fraktionsübergreifend.

Darüber hinaus stelle sich die Frage, warum in der Behörde an den Überlegungen zum Ausbau der Wilhelm-Focke-Oberschule und der Oberschule an der Ronzelenstraße festgehalten werde, obgleich diese weniger, nämlich 64 und 83 Erstanwahlen zu verzeichnen hätten. Der Beirat Oberneuland halte es für dringend notwendig, die Schulstandortplanung zu überarbeiten, heißt es im Antrag weiter. Die aktuellen Anwahlzahlen seien eine Bestätigung der guten Arbeit der Schule, die sich unter anderem durch eine gute Durchmischung des Lernniveaus der Schüler auszeichne.

Eine Rückentwicklung zur Vierzügigkeit würde nicht nur dem Willen von Schule und Eltern widersprechen, sondern sich zudem negativ auf diese Durchmischung auswirken, befürchtet der Beirat. Anlass zur Sorge bereite zudem, dass Schüler, die über dem Regelstandard liegen, auf Grund der unsicheren Anwahlaussichten sich möglicherweise wieder verstärkt auf die Gymnasien fokussieren könnten.

Kritik an Zahlen

Nicht nur die Planungen für die Oberschule Rockwinkel stießen bei der virtuellen Beiratssitzung auf Kritik, sondern auch deren Zahlengrundlage. In einem weiteren interfraktionellen Antrag forderten die Mitglieder die Behörde auf, für die Planungen an der Oberschule Rockwinkel die aktuellen Schülerzahlen heranzuziehen – und nicht, wie geschehen, die von 2017.

Bei der Schulstandortplanung für die Sekundarstufe I im gesamten Planungsbezirk Ost habe die Behörde hingegen zwar mit den aktuellen Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung des statistischen Landesamts gearbeitet – das Ergebnis sorge allerdings für Erstaunen im Beirat. „Die Zahlen für den gesamten Planbezirk Ost weichen gegenüber der Schulstandortplanung aus dem Jahr 2018 in erheblichem Maße ab“, heißt es in der Antragsbegründung. Für die Sekundarstufe I werde aktuell von einer Steigerung der Schülerzahlen bis 2028 um 5,6 Prozent ausgegangen, während die Behörde 2018 noch von 15,6 Prozent ausgegangen sei.

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Rückgang möglich

Für den Planbezirk Horn-Lehe, Borgfeld und Oberneuland gehe die aktuelle Planung sogar von einem Rückgang der Schülerzahlen um etwa 3,6 Prozent aus. „Für Oberneuland zweifeln wir diese Prognose an“, hieß es aus dem Beirat. Schließlich böten geplante Bauvorhaben, wie etwa die Erweiterung des Wohnparks Oberneuland, gute Bedingungen für junge Familien. Es sei davon auszugehen, dass sich Oberneuland vor allem über die Neubaugebiete in den kommenden Jahren stark verjüngen werde. „Die Kinder sollten Aussicht auf einen Platz an einer weiterführenden Schule im eigenen Stadtteil haben“, argumentierte der Beirat. Er erwarte daher von der Behörde eine dezidierte Erläuterung zu den aktualisierten Prognosen für die Schülerzahlen.

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