Filialsterben in den Ortsteilen Bürger ohne Banken

Die Postbank schließt in der Vahr eine Filiale und dünnt im Schweizer Viertel ihr Angebot aus. Betroffen davon ist auch die Post als Untermieterin. Diese sucht nun nach Alternativen.
12.11.2021, 11:05
Lesedauer: 4 Min
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Bürger ohne Banken
Von Christian Hasemann

Das Filialsterben von Banken in den Stadtteilen des Bremer Südostens geht weiter. Zum Jahreswechsel wird die Postbankfiliale an der Berliner Freiheit schließen. Davon sind nicht nur Bankkunden betroffen, sondern auch alle, die Pakete und Briefe verschicken wollen, denn die Deutsche Post ist Untermieter in der Filiale. Eine Lösung für die Post könnte es im Umfeld geben.

"Wir wollen, dass die Post am besten in der Berliner Freiheit bleibt", sagt Ortsamtsleiter Ralf Möller. Mit "Wir" meint er nicht nur das Ortsamt, sondern auch den Beirat, der das Thema für die öffentliche Sitzung am  Dienstag, 16. November, auf die Tagesordnung gesetzt hat. Beiratssprecher Bernd Siegel (SPD) fordert eine "sinnvolle" Lösung für die Post. "Es muss qualifiziertes Personal vorhanden sein, das alle Postleistungen verkaufen und beraten kann, und nicht nur etwas, wo man Pakete abgeben kann."

Die Postbank nennt wirtschaftliche Gründe für das Aus ihrer Filiale an der Berliner Freiheit. "Entscheidend ist vor allem die Art der nachgefragten Leistung, nicht die Kundenfrequenz", so ein Sprecher des Konzerns. Das Verhältnis zwischen reinen Serviceleistungen und wertschaffendem Neugeschäft müsse stimmen. "Filialen, die dieses Potenzial nicht haben, schließen wir deshalb." Mitarbeiter sollen nicht entlassen, sondern im Rahmen bestehender betrieblicher Vereinbarungen sozial verträglich abgebaut werden.

Bis die Türen der Filiale schließen, bleibt allerdings Zeit. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2022 werden die Filialen geschlossen, heißt es seitens der Postbank. "Die Postbank gibt den Standort auf, deshalb werden auch die SB-Geräte dort abgebaut." Auch Geld abheben wird also nicht mehr möglich sein. Das Angebot der Post hingegen solle in der Umgebung erhalten bleiben, beruhigt der Pressesprecher. Dies bestätigt auf Nachfrage auch eine Sprecherin der Deutschen Post.

Vollwertige Post in der Vahr gefordert

Rolf und Erika Diehl wohnen im Aalto-Hochhaus, nutzen die Filiale regelmäßig. "Ich denke, die Frage, ob die Filiale gebraucht wird, beantwortet sich von alleine, wenn man die langen Schlangen sieht", sagt Rolf Diehl. Diese reichten regelmäßig bis zum Eingang des Einkaufszentrums der Berliner Freiheit. "Und das nicht nur manchmal, sondern oft", betont Diehl. Seit mehr als 14 Jahren wohnten sie nun hier. "Und ich kann mich nicht erinnern, dass es zumindest in der Filiale je keine Schlange gegeben hat."

Selbst wenn es zukünftig beispielsweise in einem Geschäft in der Berliner Freiheit die Möglichkeit geben sollte, Pakete und Briefe abzugeben, ist Ralf Möller skeptisch, was eine solche Lösung angeht. "Ich weiß nicht, wie gerade der Beratungsbedarf von älteren Menschen durch Paketstationen oder Geschäfte bedient werden kann." Es seien schließlich auch Kleinigkeiten, die die Menschen bräuchten. "Beratung, Briefmarken, Fragen nach Portokosten – das alles muss gewährleistet sein", meint Möller. Auch Diehl ist skeptisch, was ein Paketshop im Einkaufszentrum angeht. "Wenn die neben ihrem normalen Geschäft auch noch das Postgeschäft machen, dann gibt es eine mittelgroße Katastrophe", befürchtet er.

Ein anderes Problem sieht er bei der Versorgung mit Bargeld gerade für Menschen, die noch nicht mit der neuesten Technik umgehen können. Tatsächlich geht der Trend bei allen Banken zum Online-Banking und wenigen großen Filialen oder zu reinen Automatenhallen. Allerdings verläuft auch das nicht reibungslos. Die Sparkasse Bremen beispielsweise hat an verschiedenen Standorten neue Automaten aufgestellt, an denen alle üblichen Bankgeschäfte wie Überweisung, Geld abheben und das Drucken von Kontoauszügen möglich ist. Im Gegenzug wurden die Kontoauszugsdrucker abgebaut. 

Schwierigkeiten auch im Schweizer Viertel

Der Bedarf wurde offenbar aber an einigen Stellen unterschätzt. "In Blockdiek haben wir an der Sparkasse die Schlange auf der Straße stehen", sagt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter. Gerade an bestimmten Tagen, wenn beispielsweise Transferleistungen, zum Beispiel das sogenannte Hartz-4-Geld, eingingen, sei der Ansturm groß. 

Aber auch anderer Stelle hakt es in Osterholz. "Hier schlagen die Wogen etwas höher", beschreibt Schlüter den jüngsten Ärger im Stadtteil. Denn in Osterholz ist das Aus einer Postfiliale mit Postbankdienstleistungen durch den Betreiber angekündigt worden. Konkret geht es um die Filiale in der St.-Gotthard-Straße. Schlüter versucht nun, die Wogen zu glätten. "Es wird eine Nachfolgelösung für die Post geben." Möglicherweise sogar in den gleichen Räumen. "Ob die Sparkasse in Blockdiek oder die Post im Schweizer Viertel – das ist für die Menschen wichtig", so Schlüter. Die Post bestätigt auf Nachfrage, dass ein Betreiber für den Postservice am selben Standort gefunden worden sei und der Service nahtlos weiter angeboten werden könne.

Die Postbankdienstleistungen werden hingegen ab dem 1. Dezember dort nicht mehr angeboten, bestätigt der Sprecher der Postbank. Als Alternative zur Filiale und zum Bankautomaten nennt der Sprecher die Möglichkeit des Cashbacks, bei dem sich Kunden in Supermärkten und Drogerien bis zu 200 Euro kostenfrei auszahlen lassen können. Dieses Verfahren sei in mehreren Supermärkten in der Berliner Freiheit und Supermärkten im Schweizer Viertel möglich.

Info

Der Beirat Vahr wird das Thema "Postfiliale" auf seiner Sitzung am Dienstag, 16. November, um 19.30 Uhr in der Aula der Oberschule Kurt-Schumacher-Allee in der Kurt-Schumacher-Allee 65 behandeln. Es gelten die tagesaktuellen Corona-Regelungen. Weitere Themen sind die Vergabe der Mittel aus dem Förderprogramm Wohnen in Nachbarschaft (Win), für die Offene Jugendarbeit sowie die Vergabe von Globalmitteln des Beirats. Außerdem stellt sich der Jugendbeirat Vahr vor.

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