Farbkonzept für Gartenstadt Vahr

Der Mann für die richtigen Nuancen

Der Bremer Fabdesigner Hans-Albrecht Schilling entwarf das Farbkonzept für die Gartenstadt Vahr, die nun unter Denkmalschutz gestellt werden soll.
01.08.2018, 16:21
Lesedauer: 2 Min
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Der Mann für die richtigen Nuancen
Von Christian Hasemann
Der Mann für die richtigen Nuancen

Hans-Albrecht Schilling

Walter Gerbracht
­Herr Schilling, hätten Sie gedacht, dass die Gewoba wegen der Gartenstadt Vahr noch einmal an Sie herantritt? Kam die Anfrage überraschend?

Hans-Albrecht Schilling: Nein, ich war ja auch weiter für die Gewoba tätig und ganz froh, dass dadurch eine gewisse Kontinuität erhalten werden konnte.

Wie unterscheidet sich denn die Gartenstadt Vahr heute von damals?

Als ich damals die Planung gemacht habe, stand kein Strauch, kein Baum. Die Farbe hatte damals eine andere Aufgabe zu erfüllen.

Welche Aufgabe war das? Ergeben sich dadurch Veränderungen?

Die Farben wurden zur Gliederung und Verdeutlichung der städtebaulichen Ordnung eingesetzt. Heute sind die Sichtachsen anders, allerdings bin ich gehalten, die alte Farbgestaltung von 1956 neu aufleben zu lassen.

Wie schwer ist es, den Ursprungszustand aus den 1950er-Jahren wiederherzustellen?

Es gibt keine schriftlichen Unterlagen mehr und nur ganz wenige Farbfotos. Zum Glück lebe ich und habe für den Denkmalschutz und die Gewoba nach dem Gedächtnis rekonstruiert. Soweit wie möglich soll originalgetreu wiederhergestellt werden.

Welche Einflüsse haben Sie damals aufgegriffen? Was für Farben hatten sie ausgewählt?

Es war so, dass es einen skandinavischen und einen Einfluss vom Architekten Ernst May gab. Es war ein relativ starkfarbiges Konzept. Dunkelblau und Rot – das gab es damals eigentlich nicht. Kombiniert habe ich das mit Weiß in Tradition von Bruno Traut und dem Bauhaus. Wohnblöcke sind kubische Formen, die brauchen starke Farbkontraste.

Beschränkte sich die Gestaltung auf die Blöcke oder auch auf die am Rand liegenden Reihenhäuser?

Die Reihenhäuser waren damals sehr bunt, das wird man nicht mehr hinkriegen. In der Undeloher Straße waren sie zum Beispiel rot-weiß.

Würden Sie es heute genauso machen?

Die Gartenstadt war mein erstes großes Projekt, das ich bearbeitet habe. Ich war damals sehr jung, vielleicht 25, 26. Inzwischen habe ich sehr viel mehr gearbeitet und unterschiedliche Stile kennengelernt und würde es heute nicht mehr ganz genauso machen.

Welche Chance sehen Sie für die Gartenstadt durch das Denkmalverfahren?

Durch den Denkmalschutz gibt es die Möglichkeit, alle Blöcke in das Gesamtkonzept einzubinden. Die Gewoba hat einige Blöcke verkauft und die Eigentümergemeinschaften kümmern sich nicht um das Farbkonzept, sondern das Gegenteil: viele wollen, dass ihr Haus heraussticht. Meine große Hoffnung ist, dass durch den Denkmalschutz der gesamte Charakter der städtebaulichen Gruppierung verdeutlicht wird.

Sie waren auch bei der Gestaltung der Neuen Vahr beteiligt, diese gilt als nicht schützenswert, warum?

Die Neue Vahr ist städtebaulich einfach nicht so interessant wie die Gartenstadt. Sie ist sehr geradlinig. Die Gartenstadt ist dagegen sehr geschwungen, verbraucht dabei allerdings auch sehr viel Fläche.

Wie viele Blöcke insgesamt müssen umgestaltet werden?

Nur eine Gruppe kann bleiben wie sie ist. Das Problem ist, dass nicht alle Blöcke gleichzeitig umgestaltet werden, sondern erst dann, wenn ohnehin Arbeiten an den Gebäuden anstehen. Das Gesamtkonzept wird sich aber erst ergeben, wenn alle Häuser umgestaltet sind. Einige Anwohner werden sich deswegen bestimmt fragen, warum es gerade diese Farbe sein muss.

Wie ist ihr Ziel als Farbgestalter?

Wenn man durch Gestaltung erreicht, dass die Leute dort wohnen wollen, dann ist das das Größte, was man erreichen kann.

Das Gespräche führte Christian Hasemann

Info

Zur Person

Hans-Albrecht ­Schilling,

wurde 1929 in Bremen geboren und studierte an der Staatlichen Kunstschule Bremen, arbeitete als bildender Künstler und entwarf das Farbkonzept für die Gartenstadt Vahr.

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