Einzelhandel in Vegesack „Wir machen einen dritten Laden auf“

Auch wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen, es nicht nicht dasselbe wie vor der Pandemie. Das stellt auch Werner Pohlmann, Geschäftsführer von Leffers Vegesack, fest. Dennoch ist er optimistisch.
28.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Wir machen einen dritten Laden auf“
Von Jean-Pierre Fellmer

Wie sieht die aktuelle Situation für Leffers aus?

Seit dem 20. April haben wir wieder geöffnet – erst auf kleiner, dann auf ganzer Fläche. Die Kundenfrequenz ist eindeutig niedriger als vor Corona, das ist aber nicht nur bei Leffers so. Wir haben zurzeit circa 15 bis 25 Prozent weniger Besucher im Haus. Die Abstands- und Hygieneregeln funktionieren in unserem Haus sehr gut. Nur ganz selten kommt ein Kunde ohne Maske ins Geschäft, dann wird dieser darauf angesprochen.

Wie stark dämpft die Maske die Kauflust? Und bessert die Mehrwertsteuersenkung sie wieder?

Die Maske schränkt schon die Kauflust ein und sie ist sicherlich eine Hemmschwelle. In den ersten Wochen war das relativ schwierig, vor allem bei älteren Kunden. Mittlerweile haben sich viele aber daran gewöhnt und ich persönlich finde, die Maske ist ein wichtiges Instrument in Zeiten der Pandemie. Die Mehrwertsteuersenkung geben wir an unsere Kunden weiter. Bisher konnten wir noch nicht feststellen, dass sie ein großer Kaufanreiz ist. Die fällt wohl bei größeren Investitionen wie beim Hauskauf, Möbeln oder beim Autokauf stärker ins Gewicht.

Leffers ist bekannt für seinen Service und die Kundennähe – hilft das auch durch die Pandemie?

Wir haben sehr viele Stammkunden, viele Kunden kennen ihren Verkäufer oder Verkäuferin seit vielen Jahren. Hier hat sich ein positives Vertrauensverhältnis aufgebaut. Das ist gerade in dieser Zeit extrem wichtig. Die Kunden sind sehr froh, dass wir für sie da sind und wir uns für die Beratung Zeit nehmen. Die Kunden kaufen derzeit sehr zielgerichtet ein.

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Inwiefern?

Im Modehandel geben wir unsere Disposition, also unsere Warenbestellung, circa sechs Monate im Voraus ab. Wegen Corona ist die Planung viel schwieriger geworden. Im Moment arbeiten wir von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Beispiel: Derzeit gibt es ja kaum Hochzeiten oder andere Festivitäten, das zieht manche Bereiche des Sortiments stark in Leidenschaft. Damen- und Herrenhosen, Shirts und Pullover verkaufen sich zurzeit gut, auch Wäsche und Dessous werden gut nachgefragt.

Die Kneipen bangen wegen der Umsatzverluste um ihre Existenz. Lassen sich die nächsten Monate mit der derzeitigen Kundenfrequenz bei Leffers überstehen?

Wir befinden uns nach wie vor in Kurzarbeit. Das ist ein wichtiges und ich finde ein gutes Instrument in dieser schwierigen Zeit. Wir können diese derzeitige Phase so überbrücken, ohne Mitarbeiter entlassen zu müssen. Wir machen auch mittlerweile wieder Werbung und zeigen: Leffers ist für seine Kunden präsent.

Was bedeuten die Einschränkungen für Vegesack als Ausflugsort?

Bis mindestens zum 31. August dürfen wir keine großen Veranstaltungen machen, nächstes Wochenende wäre das Festival Vegesack Maritim gewesen. In den letzten Jahren sind in drei Tagen rund 100 000 Besucher nach Vegesack gekommen. Ich hoffe, dass wir ab Herbst wieder Events machen können. Ganz wichtig ist zum Jahresende unser Vegesacker Winterspaß. Vegesack Marketing hat in den vergangenen Jahren viele neue Events auf die Beine gestellt, die Vegesack und Bremen-Nord gutgetan haben. Das liegt – na klar – jetzt leider brach. Vegesack Marketing arbeitet an neuen Konzepten, um zusätzlich mehr Frequenz in die Fußgängerzone zu bekommen. Es gibt auch schon neue Ideen, die allerdings noch nicht ausgereift sind. Und alles hängt davon ab, wie die Entwicklung der Pandemie und die Hygienevorschriften sich in den nächsten Wochen entwickeln.

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Welche Veränderungen stehen denn in nächster Zeit an?

Die Modekette Bonita schließt ihre Läden, auch hier in Vegesack. Schon vor Corona habe ich mit den Vermietern der Ladenfläche gesprochen. Wir hatten sogar schon einen Mietvertrag ausgehandelt, es fehlte nur noch die Unterschrift. Und dann kam Corona. Wir haben überlegt: einen neuen Laden aufzumachen, in der jetzigen Corona-Situation? Wir haben dann trotzdem die Entscheidung gefällt, den Mietvertrag zu unterschreiben. Ab dem 1. Oktober werden wir dort die Marken Street One und Cecil präsentieren. Im Modehaus Leffers haben wir damit mehr Platz für zusätzliche Marken und neue Sortimente.

Es klingt so, als seien Sie trotz der Umstände optimistisch.

Wir sind in einer sehr außergewöhnlichen Zeit, dadurch sind alle noch stärker gefordert. Das Miteinander wird noch viel wichtiger. Es ist wichtig, dass man die Mitarbeiter und das Team mitnimmt. Auch in der jetzigen Kurzarbeitsphase sind unsere Mitarbeiter sehr engagiert. Trotz der ungewöhnlichen Umstände übernehmen wir jetzt auch zwei Auszubildende, da sie einen tollen Job machen. Wir werden durch diese Krise kommen, wichtig ist, dass keine zweite Welle kommt. Aber meine Hoffnung ist, dass sich die Situation in den nächsten Monaten und im nächsten Jahr normalisiert. Auch gerade nach den schwierigen Zeiten braucht es einen guten stationären Handel.

Info

Zur Person

Werner Pohlmann ist Geschäftsführer des Modehauses Leffers in Vegesack und Vorsitzender des Vegesack Marketings.

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