Nachwuchslage in Bremen

Ausbildungsmarkt kommt gut durch die Krise

Durch die Pandemie fiel es vielen Unternehmen schwer, Kontakt zu dem Nachwuchs aufzubauen. Wie der Ausbildungsmarkt durch die Krise gekommen ist und welche Aktionen dabei hielfen.
05.08.2021, 16:09
Lesedauer: 3 Min
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Ausbildungsmarkt kommt gut durch die Krise
Von Frieda Ahrens
Ausbildungsmarkt kommt gut durch die Krise
WK

Corona hat den Zugang zum Job für viele Jugendliche schwer gemacht: Betriebe konnten durch Homeoffice und Kurzarbeit keine Praktika anbieten - denn wenn niemand vor Ort ist, kann nichts beigebracht und gezeigt werden - und Jobmessen fielen ins Wasser. "Es war eine Hürde für junge Menschen, aktiv zu werden", sagt Jörg Nowag, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven. "Dafür müssen wir eigentlich sagen, dass wir, was den Ausbildungsmarkt betrifft, unerwartet gut durch die Krise gekommen sind."

Denn in ein paar Wochen beginnen die ersten Ausbildungen des Jahres 2021. Und das sieht in Bremen im Bundesdurchschnitt dieses Jahr gar nicht so schlecht aus: Am 22. Juni 2021 waren 3939 Bewerber registriert. "Das sind 383 mehr gegenüber dem Vorjahresmonat und bedeutet ein Plus von 10,8 Prozent. Im Bundesdurchschnitt ist dagegen ein Rückgang um 7,7 Prozent zu verzeichnen", erklärt Christoph Sonnenberg, stellvertretender Pressesprecher der Wirtschaftssenatorin.

Und auch in Geschäftsstellen Vegesack und Osterholz ist die Agentur für Arbeit mit den Zahlen zufrieden: "Die Eckwerte des Ausbildungsmarktes sehen bezogen auf den Bezirk ja eigentlich ganz gut aus", sagt Nowag. So sind im Juni im Bezirk Vegesack von 207 Berufsausbildungsstellen erst 91 unbesetzt, das sind 10 Prozent weniger als im Juni letzten Jahres. Und auch in Osterholz-Scharmbeck sind von 535 Stellen nur noch weniger als die Hälfte unbesetzt. Auch das sind vier Prozent weniger als im Vorjahr. Wie viele genau besetzt sind, könnte die Bundesagentur für Arbeit nicht sagen, da die Zahlen sich auch noch stetig weiter entwickeln würden und die Agentur auch nicht tagesaktuell alle Stellen abfrage, ob sie besetzt wurden. "Besetzt heißt ein Unternehmer hat ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen mit einem Jugendlichen und hat das auch bei der Handelskammer schon eingetragen, die nicht direkt sofort in unsere Statistik eingeht."

Insgesamt sind von den 3939 oben genannten Bewerbern Stand Juni 2021 bereits 1928 versorgt, das sind 14,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Und 1661 von 4490 Ausbildungsstellen sind noch unbesetzt, das rund 14 Prozent weniger als im Vorjahr. "Wir haben mehr Stellen und mehr Bewerber als zuvor", sagt Nowag.

Doch bestimmte Bereiche habe die Krise natürlich härter getroffen als andere: Die Veranstaltung-, Kultur-, Gastronomie- und Hotelbranche, also überall wo größere Menschengruppen zusammenkommen, haben wirklich gelitten, sodass es sich auch auf den Ausbildungsmarkt auswirke. "An der Stelle ist es auch schwer einen Fuß in die Tür zu bekommen, weil die auch ökonomisch schwer dastehen", sagt Nowag. Das zeigt sich auch in den Statistiken: Im Wirtschaftszweig Gastgewerbe meldet die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven bisher 105 Ausbildungsstellen, das sind 36 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch in der Geschäftsstelle Osterholz-Scharmbeck sind es mit 18 Stellen fast 15 Prozent weniger im Vergleich.

Doch viele Wirtschaftszweige brauchten trotz Krise nicht in Kurzarbeit, mussten sogar Personal aufstocken. "Vor allem Bau oder Einzelhandel konnten durcharbeiten", sagt Nowak. Die Statistik zeigt: Vor allem die Zweige Erziehung und Unterricht (43,8 Prozent mehr Stellen als im Vorjahr), Öffentliche Verwaltung (ein Plus von 31,6 Prozent) und Information/Kommunikation (ein Plus von 25,2 Prozent) haben an Stellen zugelegt.

Probleme liegen vor allem in Zeiten der Pandemie vor allem in der Kontaktaufnahme zwischen Jugendliche und Unternehmen. Sie finden nicht mehr so leicht zueinander. Um dem entgegenzuwirken, gab es eine große Aktion der Jugendberufsagentur: "Nicht ohne Ausbildung in die Ferien". Am 14. Juli standen von 9.30 Uhr bis 15.30 Uhr über 50 Expertinnen und Experten zur telefonischen Beratung bereit. Und erfolgreich: 518 Gespräche konnten geführt werden, bei 392 Gesprächen handelte es sich um direkte Beratungen durch die Arbeitsagentur, 126 Gespräche wurden sogar an die beteiligten Kammern weitergeleitet. 

Eine Schwierigkeit bei der Lage des Ausbildungsmarkts ist laut Nowag: "Es kommt bei Einzelberufen teilweise zu erheblichen Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage." Ein großer Teil der beruflichen Erstwünsche von Bewerbern konzentriere sich auf einige wenige Ausbildungsberufe. "Es ist die Aufgabe der Berufsberatung hier auch Alternativen aufzuzeigen."

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