Kirchen-Kapelle wird saniert Immanuel empfängt wieder mit offenen Armen

Seit April 2020 sind die Türen der Immanuel-Kapelle in Walle verschlossen: Das fast 113 Jahre alte Backsteingebäude wird saniert, ab Juni sollen dort wieder Gottesdienste und Veranstaltungen stattfinden.
01.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Immanuel empfängt wieder mit offenen Armen
Von Anne Gerling

Westend. Die „Aquarien“ an der Elisabethstraße sind Geschichte: Die Glaskästen, die Architekt Carsten Schröck in den 1960er-Jahren als Wetterschutz vor die beiden ebenerdigen Eingänge der Immanuel-Kapelle gesetzt hat, sind abgerissen worden. Stattdessen hat das in die Wohnhäuserzeile integrierte Backsteingebäude Außentreppen und einen Aufzug bekommen, sodass in Zukunft alle Besucherinnen und Besucher wirklich selbstständig und ganz ohne fremde Hilfe dort hineingelangen.

„Die beiden Zugänge sind komplett neu gemacht worden – und zwar so, wie sie ursprünglich einmal waren“, erklärt dazu der mit den Arbeiten beauftragte Architekt Lutz Dannemann. Die Modernisierung der deutlich in die Jahre gekommenen Glas-Vorbauten am Gehweg war ihm zufolge schon seit Jahren Thema: „Außerdem sollte das Haus barrierefrei gemacht werden und auch über das Thema Rettungswege musste neu nachgedacht werden. Da es so erst mal keinen Raum für einen Aufzug gab, haben wir gesagt: Wir orientieren uns an der Historie.“

Ursprünglich nämlich führten parallel zum Gehweg direkt am Gebäude zwei Treppen zu den im Hochparterre gelegenen Eingangstüren. Dieser Originalzustand ist nun sozusagen wieder hergestellt worden – mit einem winzigen Unterschied: Die neuen Treppen sind zur Straße hin leicht geschwungen. „Was die Gemeinde lebt, wird jetzt architektonisch sichtbar: die geöffneten Arme“, sagt dazu Gunnar Held, der seit 2007 Pastor in Immanuel ist. Petra Goosmann-Karsten vom Kirchenvorstand ergänzt: „Die architektonische Geste der Treppe – ihr offener, einladender und heller Charakter – ist insgesamt eine Aufwertung für den Stadtteil.“ Auch Architektin Antje Wittenberg von der Bauabteilung der Bremischen Evangelische Kirche (BEK) ist zufrieden: „Vorher war das Grundstück eingezäunt und es gab keinen attraktiven Zugang“, sagt sie. „Aber es ist wichtig, offen zu sein.“

Für die energetische Sanierung, eine barrierefreie Gestaltung, Brandschutz-Maßnahmen und Dacharbeiten in Immanuel hat die BEK ein Budget von 450.000 Euro aus der Zentralkasse veranschlagt. Die Gemeinde hat außerdem für die Anschaffungen im Innenraum 84.000 Euro eingeplant. Mehrere Jahre lang wurden sämtliche Arbeiten vorbereitet, seit die Kapelle im April 2020 zur Baustelle wurde, gab es dort keine Veranstaltungen mehr. „Seitdem wird der Raum im Stadtteil auch schon deutlich vermisst“, sagt Held. Gerade Immanuel mache schließlich auch Menschen den Kontakt zur Kirche leichter, die ihr ansonsten vielleicht weniger nah seien.

Denn das fast 113 Jahre alte bescheiden anmutende Gotteshaus – das aktuell im Begriff ist, unter Denkmalschutz gestellt zu werden – unterscheidet sich architektonisch durchaus von klassischen Kirchenbauten. „Die Immanuel-Kapelle war Bremens erster kirchlicher Mehrzweckbau, der als Ort für alle Formen von Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen – zum Beispiel Konzerte, Theater oder Diskussionen – gedacht war“, erklärt Held. Was seinerzeit als ausgesprochen innovativ galt: Immanuel hatte keine Kirchenbänke, sondern Stühle, die man beiseite räumen konnte, um den Raum nicht nur für Gottesdienste, sondern Veranstaltungen aller Art nutzen zu können. Und so fand dort zur Eröffnung am 18. Oktober 1908 nach dem Einweihungsgottesdienst ein fröhlicher Tanztee statt.

Während außen die Treppenaufgänge und der Aufzug fertiggestellt werden, der sich optisch an die Wintergarten-Architektur in der Elisabethstraße anlehnt, laufen auch im Inneren des Gebäudes noch die Bauarbeiten: Ein riesiges Baugerüst ragt im Altarraum empor. Dort sind zwei neue Fenster eingebaut worden, die für mehr Helligkeit sorgen.

In dieser Woche werden nun die mittlerweile verschlissenen Sitzmöbel aus den 1950er Jahren gegen neue Sitzmöbel ausgetauscht. „Über ein Fundraising-Projekt haben wir dafür 11.000 Euro bekommen. Das zeigt, dass den Leuten wichtig ist, was hier passiert“, so Held.

Auch die alte Kanzel wird im Zuge der Modernisierungsarbeiten durch ein neues, mobiles Ensemble mit Altar und Lesepult ersetzt. Denn, so Held: „Die Kanzel war zwar für Gottesdienste in Ordnung, aber bei anderen Veranstaltungen oft im Weg.“

Am zweiten Juniwochenende hofft die Gemeinde, die Immanuel-Kapelle endlich wiedereröffnen zu können. „Vielleicht ja sogar mit einem Tanztee“, sagt Held mit einem Augenzwinkern. Der Festausschuss gehe momentan allerdings davon aus, dass Corona wohl keine ganz große Feier erlauben werde.

Info

Zur Sache

Der Gemeindeverbund Immanuel-Walle

Nach mehr als zweijährigen Verhandlungen unterzeichneten bei einem gemeinsamen Fest im Juli 2007 Vertreter der Immanuel-Gemeinde und der Kirchengemeinde Walle den Vertrag über den evangelischen Gemeindeverbund Immanuel-Walle, der zum 1. Januar 2008 in Kraft trat. Mit der Immanuel-Kapelle an der Elisabethstraße und der Waller Kirche an der Langen Reihe stehen im Gemeindeverbund zwei sehr unterschiedliche Kirchenräume zur Verfügung, in denen üblicherweise abwechselnd der sonntägliche Gottesdienst gefeiert wird. „Es ist schön, dass es damit auch ganz unterschiedliche Möglichkeiten gibt“, sagt Pastor Gunnar Held, der seit 2007 Pastor in Immanuel ist.

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