Neubauten am Europahafen Großes Lob für die Freiraumplanung

Die Bremer Stadtmusikanten sind Vorbild für die vier neuen Gebäude, die Unternehmer Kurt Zech am Europahafenkopf bauen will. Bei den Waller ortspolitikern kommt der nunmehr verfeinerte Entwurf gut an.
25.08.2018, 05:00
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Großes Lob für die Freiraumplanung
Von Anne Gerling

Überseestadt. Noch liegt die Fläche am Kopf des Europahafens brach und wird teilweise als provisorische Parkfläche genutzt. Aber: Es läuft ein Bebauungsplanverfahren, denn Unternehmer Kurt Zech will dort wie berichtet ein Ensemble aus vier Gebäuden bauen, frei nach den Bremer Stadtmusikanten: gemeinsam stark und jeder für sich ein Individuum.

Im Februar waren die ersten Entwürfe öffentlich präsentiert worden, gemeinsam mit der Stadt haben seitdem die Architekten weiter an den vier Immobilien – zwei Wohngebäude, ein 18-geschossiges Bürohaus und ein „Mobilitätshaus“ mit Parkplätzen, Fahrradständern und weiteren Wohnungen – gefeilt. Konkret heißt das: Kubaturen, Höhen und Dachformen sind überarbeitet und die Schrägen exakt auf die Himmelsrichtungen abgestimmt worden. Auch zur Gestaltung der verschiedenen Fassaden – rötlich gefärbter Beton, dunkelrote und hellrote Ziegel oder Lamellen – sind viele Details mittlerweile geklärt.

„Wir sind der Meinung, dass das jetzt hundertprozentig richtig ist und dass mit größter Mühe die Einpassung ins Umfeld vorgenommen worden ist“, unterstreicht dazu Wolfrat Voigt, Geschäftsführer der Zech-Immobilien GmbH, der kürzlich gemeinsam mit Vertretern des Kopenhagener Architekturbüros Cobe den aktuellen Planungsstand im Fachausschuss „Überseestadt, Wirtschaft und Arbeit“ des Waller Beirats vorgestellt hat.

Besonders aufmerksam verfolgten die Waller Ortspolitiker dabei die Präsentation von Landschaftsarchitektin Karoline Liedtke zur Gestaltung der Flächen um die vier Gebäude herum. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Ludwig-Franzius-Platz genau zwischen dem Hilde-Adolf-Park und dem Europahafen. Diese quadratische Fläche könnte eine hallenartige Struktur bekommen, indem dort in einem Raster Bäume angepflanzt werden, die mit der Zeit eine Art grünes Dach bilden. Das sieht mit den Jahren natürlich immer schöner aus; Liedtke zufolge ist es aber durchaus möglich, acht Meter hohe Bäume anzupflanzen, die schon etwas hermachen.

Links und rechts von diesem Platz bleibt zwischen dem Mobilitätshaus und dem Lofthaus Nord beziehungsweise dem Zechhaus und dem Lofthaus Süd jeweils außerdem noch Platz für eine enge „Hafengasse“. Diese Zuwegungen würden die Architekten gerne nach mediterranem Vorbild gestalten, etwa mit Kopfsteinpflaster und Pflanzkübeln. Rund um den Europahafenkopf können sich die Architekten außerdem verschiedene Elemente für Spiel und Sport vorstellen – Klimmzugstangen und Street-Work-out-Geräte zum Beispiel, eine Spielfläche für kleinere Kinder oder einen 81 Quadratmeter großen „Tanzplatz“ zum Hafenbecken hin. Die bei Neubauten dieser Größenordnung – 330 Wohnungen – vorgeschriebenen 3300 Quadratmeter Spielfläche können damit allerdings nicht ausgeschöpft werden: 1345 Quadratmeter Spielplatz fehlen Liedtke zufolge noch, die sie gerne in den Hilde-Adolf-Park verlagern würde.

Auch wenn das 18-geschossige Zechhaus, wie Beiratsmitglied Cecilie Eckler-von Gleich (Grüne) sogleich auffiel, nun eine Nuance höher ist als in den ersten Entwürfen: Alle Beiratsfraktionen zeigten sich am Ende von den Plänen sehr angetan. „Der Europahafenkopf ist ja ein besonderer Ort und bedarf auch einer besonderen Architektur“, meint etwa Beiratssprecher Wolfgang Golinski (SPD), „ich bin sehr zufrieden, auch mit der Höhe und der Sichtachse vom Hilde-Adolf-Park zum Wasser.“ Was sein Wohlwollen noch steigerte: Wolfrat Voigt zufolge sollen die Käufer beziehungsweise Mieter später verpflichtend auch Stellplätze in den Tiefgaragen übernehmen. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass dann weniger Autos auf Straßen und Plätzen abgestellt werden.

Ursprünglich hatte das Bauressort das Wohnen zur Konsul-Smidt-Straße hin ausgeschlossen. Nachdem mit Kellogg aber eine Lärmquelle entfalle und entsprechende Gutachten vorlägen, habe sich die Situation geändert, erklärte außerdem Stadtplanerin Diana Spanier aus dem Bauressort, weshalb nun auch im Mobilitätshaus Wohnungen geplant sind.

Aus dem Publikum meldete sich hierzu Burkhard Volbert, Geschäftsführer von Stroever Schellack Bremen (SSB), mit Sitz Auf der Muggenburg, zu Wort. Er bezweifelt, dass die Erweiterungsrechte seines Unternehmens mit einer Wohnbebauung an dieser Stelle langfristig in Einklang zu bringen wären. Diana Spanier zufolge muss dieser Aspekt im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens noch geprüft werden.

„So eine ausführliche Freiraumplanung ­erleben wir hier das allererste Mal“, lobte abschließend Cecilie Eckler-von Gleich (Grüne). Ein Punkt, der auch Jürgen Diekmeyer (CDU) gut gefiel. „Herzlichen Glückwunsch und danke, dass Sie sich über das Kleinklima ­Gedanken gemacht haben. Das sollten viel mehr Leute tun“, unterstrich er nach der ­Präsentation der Kopenhagener Architektinnen.

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