Überseestadt

Nächster Hochpunkt ist in Planung

Das Unternehmen Justus Grosse hat in den vergangenen 14 Jahren in der Überseestadt rund 200 000 Quadratmeter Bürofläche und mehr als 1600 Wohnungen gebaut. Um zwei besondere Projekte ging es am 19. März.
20.03.2019, 19:14
Lesedauer: 3 Min
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Nächster Hochpunkt ist in Planung
Von Anne Gerling
Nächster Hochpunkt ist in Planung

Wer von der Bremer Innenstadt aus über Eduard-Schopf-Allee und Auf der Muggenburg in die Überseestadt fährt, der kommt dabei an dem markanten, tortenstückförmigen Bürogebäude Bömers Spitze (Foto) vorbei, das im September bezugsfertig sein soll.

Kuhaupt

Für das Unternehmen Justus Grosse war der 19. März ein höchst ereignisreicher Tag: Mittags bedankte sich die Un­ternehmensführung mit einem zünftigen Richtfest bei den vielen Handwerkern, die seit 15 Monaten bei Wind und Wetter auf der Baustelle an der Ecke Auf der Muggenburg/An der Reeperbahn dafür sorgen, dass dort jeden Tag alles nach Plan läuft und das markante, tortenstückförmige Bürogebäude namens ­Bömers Spitze pünktlich fertig wird.

Und am Abend desselben Tages präsentierte Gesellschafter Clemens Paul im Fachausschuss Überseestadt schon das nächste Vorhaben, das die Projektentwicklungsfirma in der Überseestadt plant.

Das dreieckige Grundstück, für Architekt Hans-Jürgen Hilmes durchaus eine Herausforderung, gehörte bis vor Kurzem noch Familie Bömers, die 1950/51 nur wenige Hundert Meter entfernt das heute denkmalgeschützte „Weinkontor“ errichten ließ. Der Gebäudename Bömers Spitze verweist auf den Kaufmann und Senator Heinrich Bömers. „Danke an die Familie, dass wir den Namen verwenden dürfen“, wandte sich Grosse-Gesellschafter Joachim Linnemann beim Richtfest an ­Bömers’ Nachfahren.

Namensgebung per Münzwurf

Im Unternehmen habe es zwei Fraktionen gegeben, schilderte er: „Die einen wollten den Namen Bömers Spitze, die anderen waren für Übersee-Tower. Was ganz selten vorkommt: Wir konnten uns nicht einigen und haben schließlich eine Münze geworfen. Es war eine gute Entscheidung, denn der Name erinnert an die Vergangenheit.“

Dass die exponierte Lage unmittelbar am Eingang von der Innenstadt zur Überseestadt eine besondere Architektur erfordere, sei beim Planungsprozess von Anfang an klar gewesen, so Linnemann weiter. Der von Hilmes entwickelte Entwurf sei deshalb im Rahmen eines Qualifizierungsverfahrens unter der Leitung des Hamburger Architektur-Professors Bernhard Winking und der Bremer Senatsbaudirektorin Iris Reuther noch weiter verfeinert worden. Dass bei der 13-geschossigen Immobilie auch eine Dachbegrünung und Fotovoltaik mitgeplant wurden, freut insbesondere Beiratsmitglied Franz Roskosch (CDU), der seit Langem auf die Schaffung von mehr Gründächern drängt.

Umso erfreulicher fand Roskosch, was er dann abends im Fachausschuss Überseestadt zu den neuesten Grosse-Plänen zu hören bekam: Auch das gegenüber dem Hafenhochhaus geplante neue Wohngebäude mit dem Arbeitstitel „Ahoy“ soll begrünte Dachflächen haben. Bis diese Idee realisiert werden kann, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen. Denn der aktuelle Bebauungsplan weist die Fläche an der Hafenstraße derzeit noch als Gewerbegebiet aus und erlaubt dort keine Wohnbebauung. Da allerdings die Flächen um das Grundstück herum inzwischen zu Wohn- und Mischgebieten erklärt wurden, sehen die Planer hier nun Nachholbedarf. Architekt Hans-Jürgen Hilmes arbeitet schon etwas länger an einem Entwurf für die wiederum tortenstückförmige Fläche. „Es war jetzt mal an der Zeit, dass wir ihr Feedback dazu bekommen“, so Stadtplaner Lars Lemke vom Büro BPW Baumgart+Partner, das im Auftrag der Baubehörde nun einen neuen Bebauungsplan erarbeitet. Das Verfahren dazu ist noch ganz am Anfang; wie üblich wird es zunächst eine Einwohnerversammlung geben, sodass nach den Sommerferien ein Entwurf vorliegen könnte, der dann der nach der Bürgerschaftswahl neu gebildeten Baudeputation vorgelegt werden soll. „Wir hoffen, dass wir Ende des Jahres mit dem Plan durch sind“, sagt Lemke.

Weitere 130 Wohnungen geplant

Der Entwurf, den Hans-Jürgen Hilmes und Paul den Ortspolitikern präsentierten, kam bei diesen durchweg gut an. Es geht um einen weiteren „Hochpunkt“, der gewissermaßen als moderner Zwilling dem Hafenhochhaus aus den 1960er-Jahren gegenübergestellt wird – und zwar mit einem niedrigeren Vorbau, der auch das Hafenamt vor dem Hafenhochhaus spiegelt.

Rund 130 Wohnungen, davon 35 als geförderter sozialer Wohnraum, werden mit dem Neubau entstehen – und zwar überwiegend Single-Wohnungen, wie Clemens Paul unterstrich: „Wir haben inzwischen mehr als 1600 Wohnungen in der Überseestadt gebaut und inzwischen auch entsprechende Erfahrungswerte. So haben wir festgestellt, dass kleine Wohnungen weiterhin nachgefragt werden. Mit Singles meinen wir dabei jüngere und ältere Menschen, die alleine leben.“

Auf dem höchsten Gebäudeteil, der sich am Hafenhochhaus orientiert, sowie auf zwei Ebenen sollen demnach begrünte Dachterrassen angelegt werden. Und zwar mit Bäumen, wie Clemens Paul betont: „Mit entsprechendem Windschutz können Bäume auch in hohen Lagen wachsen.“ Im Erdgeschoss würde Paul sich einen Fahrradladen oder ein Café wünschen, und auch das erste Obergeschoss ist für gewerbliche Zwecke eingeplant. Ab dem zweiten Obergeschoss kommen dann Wohnungen mit eigenen Loggien. Da erfahrungsgemäß Bewohner kleiner Appartements häufig kein eigenes Auto hätten, wollen die Planer bewusst das Radfahren fördern – schließlich sei die Innenstadt nur drei Kilometer entfernt. Angedacht sind Fahrradstellplätze im und außerhalb des Gebäudes, Raum für Lastenfahrräder und Ladestationen für E-Bikes sowie eine Selbsthilfewerkstatt, in der kleine Reparaturen eigenhändig ausgeführt werden können. Auch über ein Belegungsmanagement der eingeplanten Parkplätze wird bei Justus Grosse nachgedacht. So könnten sich Bewohner und Beschäftigte Stellplätze zeit- und kostenmäßig teilen. Läuft alles nach Plan, dann könnte Clemens Paul zufolge in zwei Jahren Baubeginn sein.

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