Nutzungsvertrag verlängert Die Überseewiese erwacht aus dem Winterschlaf

Der Frühling kann kommen: Das Team der Überseekirche ist dabei, die Überseewiese herzurichten. Gerade wurde der Vertrag für den temporären Quartiersplatz bis September 2023 verlängert.
18.03.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Die Überseewiese erwacht aus dem Winterschlaf
Von Anne Gerling

Überseestadt. Es gibt gute Neuigkeiten zur Überseewiese: Das Projekt kann in den kommenden Jahren fortgesetzt werden. „Die Gewoba setzt sich wahnsinnig für diese Wiese ein, die sie ja für uns pachtet. Der Nutzungsvertrag, der zunächst bis Ende dieses Jahres lief, ist bis September 2023 verlängert worden. Da hat man jetzt auch wieder Energie, Kraft und Lust, hier etwas zu machen“, sagt Gunnar Held, den die Wallerinnen und Waller seit 13 Jahren als Pastor im Gemeindeverbund Immanuel und Walle kennen.

Seit September hat Held parallel dazu noch eine andere Aufgabe: Gemeinsam mit seiner Kollegin Sophia Fürst kümmert er sich nun für die Waller Kirchengemeinden um das ökumenische Projekt „Überseekirche“ im Wohnkomplex „Hafenpassage​“, zu dem im vorigen Sommer die Überseewiese hinzugekommen ist: Ein temporärer Quartiersplatz auf der 11.000 Quadratmeter großen Brachfläche an der Konsul-Smidt-Straße direkt gegenüber dem ehemaligen Schuppen drei.

Ab April möchte das Pastoren-Duo einmal im Monat sonnabends Nachbarn und Unterstützer zu einem Aktionstag einladen, an dem die Fläche dann mit vereinten Kräften sauber gemacht, hergerichtet und bepflanzt wird. „Schon seit November haben wir auf dem Platz einen Imbisswagen, den eine Anwohnerin betreibt, die aus dem Libanon stammt. Und seit Mitte Januar, Anfang Februar startet die Wiese gefühlt wieder durch“, sagt Sophia Fürst, die seit September als Pastorin im Gemeindeverbund Immanuel und Walle arbeitet und unterstreicht: „Es ist allen hier wichtig, dass es in der Überseestadt eine Freifläche und einen Bewegungs- und Begegnungsraum für Nachbarn und Beschäftigte gibt. Dafür setzen wir uns mit voller Power ein – weil wir allen zeigen wollen, wie wichtig so ein Ort für diejenigen ist, die neu hierher gezogen und dabei sind, sich hier neu zu beheimaten. “

„Die Menschen sind noch nicht angekommen und man merkt auch, dass dieser Ortsteil noch nicht angekommen ist“, sagt auch Gunnar Held, der außerdem findet: „Die Überseestadt hat so wenig Freiflächen und schon gar keine Grünflächen. Und der Skatepark ist von hier aus weit weg. Viele Jugendliche hier im Haus müssen aber auf ihre kleinen Geschwister aufpassen und können deshalb nicht so weit weg.“

Dieses Jahr sollen sie auf der Überseewiese zum Beispiel Tischtennis spielen können. Dafür sei zunächst ein Berg organisatorischer Fragen zu klären gewesen, aber jetzt sei endlich alles offiziell beantragt, erzählt Held: „Anfang April steht die Tischtennisplatte hoffentlich.“

Auch ein Beachvolleyball-Feld und eine Boule-Bahn soll es auf der Überseewiese geben, und in einem Teilbereich sollen Hügel zum BMX-Rad-Fahren modelliert werden. Fürst möchte auf der Freifläche außerdem ein Labyrinth aus Steinen und Pflanzen anlegen, das zum Meditieren einlädt, während man auf einem langen verschlungenen Weg wandelt. Auch ein Wetter-Unterstand ist angedacht und mit der Inneren Mission laufen Gespräche über einen „Fast-Umsonst-Laden“.

Fürst ist im September aus München gekommen, wo sie während ihres Vikariats erste Erfahrungen mit sogenannten Fresh X-Projekten gesammelt hat. Dabei geht es um ergänzende moderne Ausdrucksformen von Kirche und darum, sich an Orte und in Kontexte zu begeben, wo Leuten die Kirche fremd ist oder sie diese nicht erwarten.

Solche Aktivitäten bringen Held und Fürst nun auch im Namen der Überseekirche auf den Weg, erzählt Held: „Wir planen gerade die ‚Überseekirche to go!’ Ab 15. April laufen wir mit einem Bollerwagen durch die Überseestadt und machen an verschiedenen Orten Station, um dort dann mit Jung und Alt bei Kaffee, Tee oder Saft ins Gespräch zu kommen und herauszufinden, worüber sie so reden und was sie bewegt und beschäftigt.“

Noch Ende März startet außerdem die Reihe „Geh-Spräche in der Überseestadt“, bei der sich einmal im Monat jeweils zwei Menschen auf einen gemeinsamen Spaziergang begeben und dabei über ein bestimmtes Motto in den Austausch miteinander kommen können. „Modernes Pilgern“ nennt Held das: „Es geht dabei um Text, aber auch darum, die Überseestadt kennenzulernen.“

Für die vielen Kinder im Quartier hat das Überseekirchen-Team ein zweitägiges Osterferienprogramm auf der Überseewiese zusammengestellt und im Mai gibt es auf der Wiese Open-Air-Kino zur Europawoche. Sophia Fürst freut sich schon auf die kommenden Wochen und Monate in der Überseestadt: „Alles was wir machen wollen, wird gehen. Denn das sind alles Dinge, die auf Corona hin geplant wurden.“

Info

Zur Sache

Aktivitäten der Überseekirche

Die im November 2019 in einem Ladenlokal an der Konsul-Smidt-Straße 33 eröffnete Überseekirche ist ein generationsübergreifender ökumenischer Treffpunkt in der Überseestadt. Dort bieten die evangelischen Waller Kirchengemeinden und der Katholische Gemeindeverband in Kooperation mit dem Verein für Innere Mission Veranstaltungen, Aktivitäten und Beratung für Menschen mit oder ohne Religionszugehörigkeit an. Zum Beispiel die „Geh-Spräche in der Überseestadt“, die erstmals am Donnerstag, 25. März, von 15 bis 16.30 Uhr stattfinden. Wer mitmachen möchte, kann sich unter Telefon 9586910 oder per E-Mail an gunnar-held@kirche-bremen.de anmelden. Der nächste ökumenische Gottesdienst für alle „Übersee-Prayer“ findet am Sonntag, 18. April, um 18 Uhr in der Überseekirche – bei schönem Wetter auf der Wiese – statt; um Anmeldung unter Telefon 38013110 oder per E-Mail an ueberseekirche@kirche-bremen.de wird gebeten. Am Donnerstag, 6. Mai, werden auf der Überseewiese im Zuge der Europawoche ab 12 Uhr Filme gezeigt. Für die Überseewiese werden dieses Jahr außerdem wieder Bambus-Gießer und andere Engagierte gesucht. Ansprechperson hierfür ist Sophia Fürst, die unter Telefon 0179 4833581 oder per E-Mail an ueberseewiese@kirche-bremen.de erreichbar ist.

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