Brücken in Bremen-Nord bekommen schlechte Noten – es gibt aber zu wenig Geld für Instandsetzungen

Tragfähige Lösung gesucht

Bremen-Nord. Jahrelang mussten die Nordbremer auf die Erneuerung der Brücke über die Schönebecker Aue warten. Weil alles andere gefährlich gewesen wäre, zwangen Bodenschwellen die Autofahrer schon seit Langem, nur im Schritttempo über das Bauwerk zwischen den Straßen Im Dorfe und Braut-Eichen zu fahren.
02.05.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Tragfähige Lösung gesucht
Von Julia Ladebeck

Bremen-Nord. Jahrelang mussten die Nordbremer auf die Erneuerung der Brücke über die Schönebecker Aue warten. Weil alles andere gefährlich gewesen wäre, zwangen Bodenschwellen die Autofahrer schon seit Langem, nur im Schritttempo über das Bauwerk zwischen den Straßen Im Dorfe und Braut-Eichen zu fahren. Vor gut zwei Wochen haben die Arbeiten nun begonnen. 850 000 Euro investiert die Stadt in den Bau einer neuen Überführung. Allerdings hatte das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) die Erneuerung des maroden Bauwerks bereits für das Jahr 2014 angekündigt.

Der Grund für die Verzögerung ist, wie so oft in Bremen, schlicht Geldmangel. „Es hat so lange gedauert, weil wir die finanziellen Mittel nicht hatten“, erläutert Thomas Sauer, Abteilungsleiter Brücken- und Ingenieurbau beim ASV. Und so musste die Holzbrücke noch drei weitere Jahre ihren Dienst tun, obwohl die Bauwerksprüfer des Amts ihren Zustand schon im Jahr 2013 mit der Note 3,2 bewertet hatten.

3,2 bedeutet, anders als im Schulnotensystem, nicht „befriedigend“, sondern „kritisch“. Das gilt für alle Bauwerke, die Noten ab 3,0 und schlechter bekommen. Für die Experten bedeutet das: Die Schäden müssen schnellstens beseitigt werden. Weil das in Schönebeck zunächst nicht möglich war, griff das ASV mit der Installation der Bodenschwellen ein. Zusätzlich wurde die Fahrbahn aus Sicherheitsgründen dann auch auf eine Spur verengt. „Die Brücke hatte nicht mehr die nötige Tragfähigkeit“, sagt Thomas Sauer. Die neue Brücke wird nun aus Beton gebaut. „Wir bauen in ganz Bremen keine Holzbrücken mehr“, sagt ASV-Sprecher Martin Stellmann. Holz sei einfach nicht langlebig genug.

Bei regelmäßigen Kontrollen überprüfen Experten alle Brücken auf Schäden und Mängel. Sie protokollieren dabei beispielsweise den Zustand des Betons, der Lager und der Korrosionsbeschichtung auf den Stahlteilen. Alle sechs Jahre steht eine Hauptprüfung an, nach drei Jahren eine einfache Inspektion. Reine Sichtprüfungen der Brücken erfolgen jährlich. Bei besonderen Vorfällen, beispielsweise nach einem Unfall, wird das Bauwerk zusätzlich außer der Reihe geprüft.

Nach der Erneuerung der Brücke in Schönebeck haben in Bremen-Nord noch weitere Bauwerke eine schlechte Note. Eine kleine Brücke, die zum Blumenthaler Freibad führt, wurde mit der Note 3,5 eingestuft. Dort werden noch in diesem Jahr wenigstens der Bohlenbelag und die Geländerpfosten instand gesetzt. Ein vergleichsweise kleiner Posten: 5000 Euro stehen dafür zur Verfügung. Die Brücke über die Blumenthaler Aue ist ebenfalls in einem schlechten Zustand und wurde mit 3,4 bewertet. Für Arbeiten an dieser Überführung gibt es momentan kein Geld.

60 000 Euro stehen laut Thomas Sauer pro Jahr für Instandhaltungsarbeiten an sogenannten Ingenieurbauwerken in Bremen-Nord zur Verfügung. Dazu zählen nicht nur Brücken, sondern auch Lärmschutzwände, Stützwände, Tröge und Durchlässe. Aus einem weiteren Topf mit rund 600 000 Euro, der für alle Bremer Bezirke gedacht ist, werden jeweils die Unterhaltungsarbeiten finanziert, die am dringlichsten sind. 75 000 Euro werden daraus in diesem Jahr in Bremen-Nord eingesetzt, für die Instandsetzung einer Treppe und einer Stützwand einer Brücke an der Schönebecker Straße. Das Bauwerk wurde zuletzt mit der Note 2,6 eingestuft. Thomas Sauer betont: „Wir hatten mehr Geld angefordert, als jetzt letztlich zur Verfügung steht.“ Der Bedarf sei definitiv vorhanden.

Anfang vergangenen Jahres ist zum Beispiel die Geh- und Radwegbrücke über die Schönebecker Aue in der Nähe des Schlosses erneuert worden. Die alte Holzbrücke war so marode, dass sich eine Reparatur nicht gelohnt hätte. Inzwischen wurde sie durch ein Betonbauwerk ersetzt. 100 000 Euro hat die Stadt Bremen 2016 laut Sauer dafür eingesetzt.

Weitere Arbeiten werden mit Mitteln des Bundes finanziert. So sind in diesem Jahr etwa 50 000 Euro für die Erneuerung einer Stützwand an der Überführung der Rotdornallee über die A 270 eingeplant. Das Bauwerk hat die Note 3,5 bekommen. Die Arbeiten sollen noch 2017 beginnen. Ebenfalls 50 000 Euro gibt der Bund in diesem Jahr für Arbeiten an der Lärmschutzwand an der Johann-Philipp-Palm-Straße aus.

Außerdem bezahlt der Bund in diesem Jahr in Bremen-Nord: die Verstärkung eines Pfeilers an der Überführung der Vegesacker Heerstraße über die A 270 (200 000 Euro), die Erneuerung einer sogenannten Schilderbrücke – das sind die Gerüste, an denen Schilder über Autobahnen hängen – (240 000 Euro) und die bereits laufenden Arbeiten an Asphalt, Fahrbahnbelag und Kappen am sogenannten Trogbauwerk der Autobahn 270 in Höhe Heidbergstift (1,7 Millionen Euro). Bei dem Trogbauwerk handelt es sich um den Bereich der Autobahn, der unter der Straße Heidbergstift entlangführt.

Die älteste Brücke in Bremen-Nord wurde im Jahr 1888 eingeweiht. Sie führt an der Straße Oberreihe über die Bahnschienen in Lesum. Über die jüngste Nordbremer Brücke rollt der Verkehr seit Ende August 2013. Nach fast drei Jahren und zahlreichen Pannen beim Bau ist die Lesumbrücke in Burg damals für den Verkehr freigegeben worden. Mit gut acht Millionen Euro musste Bremen zudem rund eineinhalb Millionen Euro mehr für das Bauwerk ausgeben, als ursprünglich vorgesehen war.

„Wir hatten mehr Geld angefordert, als zur Verfügung steht.“ Thomas Sauer, ASV
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