Fundsachenversteigerung der BSAG Was Fahrgäste so vergessen

Bei der jährlichen Fundsachenversteigerung der BSAG kamen etwa 800 Gegenstände unter den Hammer – auch Skurriles war dabei.
13.02.2018, 21:38
Lesedauer: 3 Min
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Was Fahrgäste so vergessen
Von Ina Bullwinkel

Mit den Fundsachen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) könnte man wohl seinen halben Haushalt ausstatten. Im Weserpark hat das Verkehrsunternehmen am Dienstag nun die vielen Gegenstände versteigert, die in den vergangenen zwei Jahren in Bus oder Straßenbahn vergessen und nie aus dem Fundbüro abgeholt wurden. Regenschirme gibt es gleich im Fünferpack zu erstehen, Bücher nur in Kartons. „Höre ich acht? Acht Euro – neun!“, Linda Bergolte-Jantos‘ Stimme hallt durch das Einkaufszentrum. Mit einem Mikrofon steht sie in der Mitte, um sie herum ein „U“ aus Tischen. An ihnen sitzen Bieter, die auf ein Schnäppchen hoffen. Manche schon seit mehreren Stunden. Zusammen mit ihrem Kollegen leitet die Gerichtsvollzieherin Bergolte-Jantos die Auktion. Mit ausgestrecktem Arm zeigt sie auf den Höchstbietenden, zählt vom Ersten bis zum Dritten, hebt die Stimme und senkt sie, wenn etwas unter den Hammer gekommen ist – nur dass sie keinen Hammer hat. Es funktioniert auf Zuruf.

Auf Schnäppchenjagd

„Es gibt keinen Katalog wie bei Sotheby‘s“, sagt BSAG-Sprecher Andreas Holling. Die Fundstücke werden von Auszubildenden in roten T-Shirts hochgehalten, bei Bedarf erfährt man die Größe eines Kleidungsstücks oder kann einen genaueren Blick auf das zu ersteigernde Objekt werfen. Bezahlt wird in bar und direkt vor Ort. Die Käufer erhalten eine Quittung.

Besonders beliebt sind elektronische Geräte. Bei der Versteigerung eines iPhone 6 Plus gehen die Gebote schnell nach oben. „120, 140, 150 – was bieten Sie?“, Bergolte-Jantos dreht sich ständig auf ihrem Absatz herum, um kein Handzeichen zu übersehen. Am Ende geht das Smartphone für 240 Euro an einen jungen Mann. Jonas Schmidt hat am meisten geboten. „Ich habe schnell im Internet nachgeguckt, was es wert ist. Und bei dem Preis lohnt sich das.“ Der 20-Jährige will das Handy an einen Bekannten weiterverkaufen, aber ansonsten ist er bloß zum Spaß hier. „Es ist schon aufregend. Kriege ich es? Kriege ich es nicht?“

In den nächsten Minuten geht ein Cityroller für 15 Euro weg, ein Rollator für fünf. „Es ist spannend, mitzubieten“, sagt Marianna Ratke, die die Auktion schon seit 10 Uhr morgens verfolgt. Sie freut sich über drei Pakete Windeln, zwei Rucksäcke und ein paar Kinderregenschirme. Bis jetzt habe sie 18 Euro ausgegeben.

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Etwa 800 Fundstücke hatte Unternehmenssprecher Holling bei Auktionsbeginn gezählt. „Letztes Jahr hatten wir nicht genug Sachen zusammen, deswegen gibt es jetzt so viele“, sagt er. Beim Fundbüro der BSAG gibt es laut Holling eine Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten. In dieser Zeit könne man sein Eigentum anmelden. Bei Telefonen oder anderen wertvolleren Gegenständen prüfe das Unternehmen zudem, ob sie bei der Polizei als gestohlen gemeldet sind. Trotzdem landet nicht alles, was die Lagerfrist überschritten hat, automatisch in der Versteigerung. „Manche Sachen schmeißen wir weg. Nicht alles ist versteigerungsfähig.“ Man staune, was die Leute liegen lassen. Am Vormittag sei neben einem Päckchen mit Menschenhaar auch ein original verpackter Vibrator versteigert worden.

Christian Schneider hat vor sich zwei große Regenschirme und ein paar Turnschuhe liegen. Er ist mit einem Freund zu der Versteigerung gekommen. „Wir kommen nur zum Spaß her, und wenn sich was ergibt, dann ersteigern wir es.“ Viele Besucher des Weserparks bleiben am Rand stehen und schauen zu. Vor allem junge Familien mit kleinen Kindern und Rentner werden angezogen. Manche entschließen sich spontan zum Kauf. Andere sitzen von Anfang bis Ende am Auktionstisch. Für sie scheint es mehr als Neugierde zu sein.

„Als Geschenk zum Valentinstag“

Vor einem Mann hat sich bereits ein großer Haufen aus einer Pelzjacke, einem karierten Sakko und anderen Kleidungsstücken gebildet. Ein anderer hat gerade ein Fahrrad für 25 Euro ersteigert – nur zu dem Zeck, es weiterzuverkaufen. Inzwischen hat Gerichtsvollzieher Torsten Nissen seine Kollegin abgelöst und versucht wie ein Marktschreier ein Bügelbrett und Bügeleisen an den Mann zu bringen. „Als Geschenk zum Valentinstag“, scherzt er.

Jetzt taucht Jonas Schmidt wieder auf, der iPhone-Käufer von vorhin. In seinen Armen trägt er eine Sammlung verschiedener Regenschirme. „Ich weiß auch noch nicht, was ich damit will“, sagt er. Aber bei dem Preis könne man nicht Nein sagen.

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