Landgericht Bremen Auftritt einer Schlüsselfigur im Beluga-Prozess

Stolbergs Steuerberater muss in den Zeugenstand - ob er aussagt, ist ungewiss. Der Mann ist wegen der Vorgänge im Zusammenhang mit der Bremer Reederei mittlerweile selbst angeklagt.
18.10.2017, 05:48
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Auftritt einer Schlüsselfigur im Beluga-Prozess
Von Jürgen Hinrichs

Am Donnerstag tritt im Beluga-Prozess vor dem Bremer Landgericht ein Zeuge auf, von dem in dem Verfahren schon viel die Rede war. Es ist der ehemalige Steuerberater des Hauptangeklagten Niels Stolberg. Der Mann, der bei den Geschäften des früheren Reeders die Fäden gezogen haben soll. Nach Aussage mehrerer anderer Zeugen war er maßgeblich an den komplizierten Vertragswerken beteiligt, mit denen Beluga operiert hatte und die jetzt Gegenstand des Prozesses sind. In dem Verfahren geht es um die Vorwürfe von Bilanzfälschung, Kreditbetrug, Untreue und Betrug.

Dass erst jetzt, nach fast zwei Jahren, die das Verfahren bereits andauert, ein so wichtiger Zeuge vor Gericht erscheint, hat damit zu tun, dass auch der Steuerberater früh in den Fokus der Staatsanwaltschaft geraten war. Er konnte deswegen von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. Mittlerweile wird gegen den Mann nicht nur ermittelt, es ist gegen ihn auch Anklage erhoben worden. Der Vorwurf: Beihilfe zum Kreditbetrug. Dass er nun trotzdem als Zeuge geladen wurde, geht auf einen Antrag der Verteidiger von Stolberg zurück. Sie argumentieren, dass der Steuerberater sehr wohl aussagen könne, ohne sich selbst zu belasten – zu solchen Komplexen nämlich, in denen er nicht unmittelbar involviert gewesen sei.

Verhandlung am Donnerstag

Ob sich die Sichtweise der Anwälte durchsetzt und der Zeuge vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer 2 des Bremer Landgerichts tatsächlich Rede und Antwort stehen muss, wird sich am Donnerstag zeigen. Die mit Spannung erwartete Verhandlung beginnt um 14 Uhr.

Zusammen mit dem Steuerberater gibt es in der Beluga-Affäre fünf Angeklagte. Vier davon stehen bereits vor Gericht, neben Stolberg sind das drei frühere Manager der Reederei. Als Ergebnis einer sogenannten Zwischenberatung hatte die Kammer im Juli skizziert, in welchem Rahmen die Strafen ausfallen könnten. Stolberg müsste demnach ins Gefängnis, für ihn legte sich das Gericht auf eine Haftstrafe zwischen drei Jahren und sechs Monaten und drei Jahren und neun Monaten fest. Die Verteidiger des Angeklagten hatten sofort klargemacht, dass sie sich auf diesen Handel nicht einlassen werden. Sie beharren für ihren Mandanten, der zwischenzeitlich schwer an Krebs erkrankt ist, auf eine Bewährungsstrafe und lehnen es vorerst ab, die Beweisaufnahme zu schließen. Zur Bewährung ausgesetzt werden können Haftstrafen nur dann, wenn sie nicht über zwei Jahre hinausgehen.

Für die drei anderen Angeklagten ist der Fall strafrechtlich mehr oder weniger ausgestanden. Für sie hat das Gericht in unterschiedlicher Abstufung Bewährungsstrafen von mindestens acht Monaten bis maximal einem Jahr und zehn Monaten aufgerufen. Die Anwälte der Angeklagten haben sich damit einverstanden erklärt. Ihre Mandanten sind für die Verhandlung mittlerweile in der Regel beurlaubt. Nur Stolberg kommt jedes Mal. Seine Ärzte hatten ihn zwar für einen langen Zeitraum krankgeschrieben, mit der Folge, dass der Prozess wegen Fristverletzung geplatzt wäre. Ein vom Gericht bestellter Amtsarzt erklärte den Hauptangeklagten aber für verhandlungsfähig, wenn auch nur in engen Grenzen. Es darf jeweils nur eine Stunde getagt werden, unterbrochen von einer Pause. Auch aus diesem Grund könnte sich das Verfahren noch lange hinziehen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+