Grüne Woche in Berlin

Besucher von Niedersachsenhalle begeistert

Wenn in Berlin die Grüne Woche ist, hat das Teleshopping Pause. Die Artikel gibt es ebenso auf der Agrarmesse. Warum ein Bäcker aus Delmenhorst dort Dauergast ist.
25.01.2018, 18:45
Lesedauer: 2 Min
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Von Florian Schwiegershausen Jan-Felix Jasch
Besucher von Niedersachsenhalle begeistert

Seit dem Jahr 2000 ist Volker Kasing aus Delmenhorst mit seiner Reisebäckerei auf der Grünen Woche. Den passenden Spruch gibt es zum Brot gratis dazu.

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Auf der Bühne kündigt der Moderator einen Liegestützwettbewerb an. Ringsum stehen Zuschauer mit Papptellern und Häppchen: Wurst, Äpfel und Teigwaren. In der Niedersachsenhalle auf der Grünen Woche in Berlin ist einiges los. Auf der Agrarmesse insgesamt präsentieren sich bis Sonntag noch 1600 Aussteller aus mehr als 60 Ländern. 300.000 Besucher waren schon da. Die Aussteller zeigen sich zufrieden. Am Stand der Region Elbe-Wendland fragen die Besucher vor allem nach Tagestouren. Und auch am Harz haben sie Interesse, heißt es beim dortigen Tourismusverband. Bei den Essensständen läuft es ohnehin immer, wenn es Häppchen zum Probieren gibt.

Niedersachsen zeigen Flagge

In der Niedersachsenhalle steht auch Volker Kasing aus Delmenhorst mit seiner Reisebäckerei. Er ist seit 40 Jahren unterwegs von Norderney bis zum Bodensee – und seit 2000 im Januar immer in Berlin auf der Grünen Woche. Was ihm gefällt: „Es geht hier seit Jahren sehr kollegial zu. Man ist eine richtige kleine Familie unter den Ausstellern.“ Als Niedersachse will er Flagge zeigen. Eine kleine Kostprobe gibt es bei ihm gratis. Brote kosten etwa um die vier Euro. Was er dann auch feststellt: „Das Geld sitzt nicht mehr so locker bei den Besuchern.“ Wer bei ihm aber ein Brot kauft, kriegt den passenden Spruch gratis dazu. Ein bisschen Show gehöre für Kasing dazu, der inzwischen 64 Jahre alt ist. Er will aber noch mehrere Jahre weitermachen, weil es ihm Spaß macht. „Und weil ich eine Frau habe, die mich dabei unterstützt.“

Die Themen der Messe sind breit gesät. Es gibt die klassischen Stände, an denen die Besucher regionale Spezialitäten probieren können. Dann gibt es auch eine ganze Halle, in der sich Landwirte präsentieren und zeigen, wie sie arbeiten. „Es geht darum, Vorurteile abzubauen“, erklärt Mark Döhring. Er arbeitet selber in der Landwirtschaft und weiß, wovon er redet. Gerade im Hinblick auf Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat schlage den Landwirten bisweilen sogar Hass entgegen. „Da ist wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, so Döhring. Das geschieht in der Halle, an den Ständen bilden sich lange Schlangen. Dort wird erklärt, wie die Tiere gehalten werden. Oder warum Drohnen in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Das geschieht zur Analyse der Felder oder zur Kontrolle. Einige Landwirte verteilen per Fluggerät sogar Schlupfwespen, die Schädlinge bekämpfen.

Eine kulinarische Reise durch die Regionen

Zurück in der Niedersachsenhalle: Auf der Bühne findet mittlerweile eine kulinarische Reise durch die Regionen statt. Beim Liegestützwettbewerb haben zwölf Stützen zum Sieg gereicht. Und auch Getränkehersteller Vilsa aus Bruchhausen-Vilsen hat dort einen Stand. Das zieht Niedersachsen an. „Ich habe gleich mehrere Falschen gekauft“, sagt Inge Seidel. Sie ist mit ihrem Mann aus Uelzen zur Grünen Woche gereist.

Auch Jürgen Pantke aus Bremerhaven hat einen Stand. Er verkauft ein Bambuskristalltuch: „Damit können Sie Fensterputzen ohne Streifen.“ Es ist ein Propagandaartikel zum Vorführen. Und da stellt er auch fest, wie sich das Publikum verändert hat: „Früher waren die Leute interessierter und neugieriger. Heute ist es schwieriger, das Interesse auf sich zu ziehen.“ Laut Pantke kann man das den Leuten aber nicht übel nehmen. Denn es gibt eben auch das Internet, und da kriege man eben alles. Die Grüne Woche ist jedoch scheinbar weiterhin eine Messe, auf der sich das Ausstellen lohnt.

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