Länder-Vergleich der INSM Bremen ist deutscher Exportmeister

Berlin. Bremen ist deutscher Exportmeister. Denn 56 Prozent aller Waren und Dienstleistungen gehen ins Ausland. Das ist eine Verbesserung von 4,9 Prozent seit dem Jahr 2007. Und das schaffen nicht einmal Bayern, Baden-Württemberg oder Hamburg.
25.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Dietrich Eickmeier

Berlin. Bremen ist deutscher Exportmeister. Denn 56 Prozent aller Waren und Dienstleistungen gehen ins Ausland. Das ist eine Verbesserung von 4,9 Prozent seit dem Jahr 2007. Und das schaffen nicht einmal die bei den Wohlstandsindikatoren nach wie vor führenden beiden Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, denen Hamburg dicht auf den Fersen ist.

Würden sich die wirtschaftlichen Stärken des Stadtstaates auch auf dem Arbeitsmarkt auswirken, dann könnte Bremen in der Rangliste der deutschen Länder besser abschneiden als mit Platz 10. Einen "Stadtstaat voller Widersprüche", bei dem Erfolg und Probleme nur wenige Kilometer voneinander getrennt seien, nennt denn auch der am Freitag in Berlin von der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) und der Zeitschrift "Wirtschaftswoche" präsentierte neue Ländervergleich das Land Bremen. In das Ranking fließen 100 Indikatoren ein, unter anderem Produktivität, Arbeitslosenquote, Jobversorgung, Hochqualifizierte, aber auch die Kitabetreuungsquote.

Studienleiter Marc Feist: "Die Daten dokumentieren die gespaltene Situation im Stadtstaat. Auf der einen Seite hat das Land hochproduktive Exportindustrien, darunter Hightech-Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie. Auf der anderen Seite gibt es vor allem in Bremerhaven Regionen, deren Arbeitsmarkt- und Sozialproblematik den Ruhrgebietsstädten gleicht". Immerhin sieht Feist Licht am Ende des Tunnels. Die Seestadt könne nun auf die Offshore-Logistik für die Nordsee-Windparks hoffen.

Als Bremer Stärken hat Feist festgehalten, dass es an der Weser nach Baden-Württemberg die zweithöchste Ingenieursdichte in Deutschland gibt. Und mit 71242 Euro die dritthöchste Produktivität je Erwerbstätigem. Pro Kopf gerechnet hat nur Hamburg ein höheres Bruttoinlandsprodukt als Bremen (42046 Euro). Positiv fällt im Vergleich der Entwicklungsdynamik der Jahre 2007 bis 2010 auch auf, dass sich die Produktivität der Bremer Wirtschaft in den letzten vier Jahren im Unterschied zum bundesweiten Trend (-2,2) um 0,5 Prozent verbessert hat.

Dem steht die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit von zwölf Prozent gegenüber. Zudem ist gut jeder zehnte Bremer Hartz-IV-Empfänger. Das ist mit 10,5 Prozent eine der höchsten Quoten im Land. Negativ bewertet wurde auch, dass Bremen das Land ist, das mit über 24000 Euro je Einwohner mit großem Abstand die höchsten öffentlichen Schulden hat. Das ist mehr als das Dreifache des Länderdurchschnitts. Dadurch sei auch der investive Handlungsspielraum sehr begrenzt.

Weniger gut als in anderen Bundesländern stellt sich laut INSM-Studie auch die Arbeitsmarktentwicklung dar. So sank Bremens Arbeitslosenquote um 0,7 Prozentpunkte während die bundesweite Verbesserung 1,3 Prozentpunkte betrug. Damit ist Bremen Vorletzter im Ländervergleich.

Für Niedersachsen, das mit Platz 7 wieder einen guten Mittelfeldplatz belegt, gibt es solche Ausschläge nach oben und unten nicht. Die Kaufkraft bewegt sich mit 19169 Euro leicht unter dem Bundesschnitt, ebenso das Bruttoinlandsprodukt mit 26974 Euro je Einwohner. Die Arbeitslosenquote lag dagegen mit 7,5 Prozent im Schnitt des letzten Jahres um 0,2 Prozentpunkte günstiger als das Mittel aller Länder. Und in der Dynamikbetrachtung der Jahre 2007-2010 fällt positiv die Zunahme der Erwerbstätigen um 2,7 Prozent auf. Das ist bundesweit der viertbeste Wert.

"Recht mager" ist laut INSM-Studie aber die Kitabetreuungsquote: Nur 15,8 Prozent der unter Dreijährigen werden in Niedersachsen in einer Kindertagesstätte betreut. Auffallend im neuen Länder-Ranking ist, dass die ostdeutschen Bundesländer weiter aufgeholt und die Weltwirtschaftskrise weit besser überstanden haben als der Westen. Dies gilt besonders für die Hauptstadtregion. Berlin-Brandenburg verzeichnet einer Studie zufolge einen rapiden Aufschwung. Die Region hat zwischen 2007 und 2010 von allen Bundesländern die größten wirtschaftlichen Fortschritte erzielt.

Doch nach wie vor liegen Bayern und Baden-Württemberg bei den absoluten Wohlstandsmarken vorn. Hier wie in Hamburg, dem "eigentlichen Sieger des Rankings", so INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr, sind die Bürger besonders wohlhabend, gibt es viele innovationsfreudige Wissenschaftler und die besten Jobchancen im Land. Mit einer Wirtschaftsleistung von 49638 Euro je Einwohner, einer Produktivität von 77730, einem verfügbaren Einkommen von im Schnitt 24137 Euro sowie einer Steuerkraft von 4228 Euro belegt der Stadtstaat an der Elbe gleich vier erste Plätze bei wichtigen Wirtschafts- und Wohlstandsindikatoren. Hamburg, so das Fazit von Studienleiter Feist, "straft alle Lügen, die das Davonziehen des Südens als schicksalhaftes Süd-Nord-Gefälle darstellen wollen".

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