Beim Neujahrsempfang

Bremer Kfz-Innungsmeister holt zum Rundumschlag aus

Bremens Kfz-Obermeister Hans Jörg Koßmann hat beim Neujahrsempfang seiner Innung die SPD für eine geplante Ausbildungsabgabe kritisiert. Doch die anderen Parteien blieben nicht verschont - im Gegenteil.
24.01.2019, 22:26
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Kfz-Innungsmeister holt zum Rundumschlag aus
Von Florian Schwiegershausen
Bremer Kfz-Innungsmeister holt zum Rundumschlag aus

Bremens CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder (links) ist Gastredner beim Neujahrsempfang der Kfz-Innung gewesen. Aber auch Kfz-Obermeister Jans Jörg Koßmann holte in seiner Rede zum Rundumschlag aus.

Florian Schwiegershausen

Beim Neujahrsempfang der Bremer Kfz-Innung hat der Obermeister Hans Jörg Koßmann passend zum Wahljahr in Bremen zum Rundumschlag ausgeholt. In der Handwerkskammer vor 180 geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik kritisierte er die SPD, weil sie eine Ausbildungsumlage einführen will, damit mehr junge Leute ausgebildet werden: „Wenn mehr an Ausbildung interessierte Schüler aus den Schulen kämen, würde mehr ausgebildet, denn unsere Betriebe brauchen dringend Nachwuchs.“ Koßmann bezeichnete es als starkes Stück, von den Betrieben Geld zu fordern, weil sie keine passenden Leute finden.

Koßmann: Grüne ignorieren Handwerk

„Bei den Grünen kommt Handwerk gar nicht vor. Sie wollen 100 Millionen in Hochschulen investieren, Autos aus der Innenstadt verbannen, Parkraum reduzieren und Parkgebühren erhöhen“, fügte Koßmann an und fragte: „Womit verdienen unsere Betriebe und 13.000 Mercedes-Mitarbeiter in Bremen nochmal ihr Geld?“ Der CDU gab er mit auf den Weg, erst einmal die Infrastruktur zu schaffen, bevor man für die Digitalisierung eintrete. CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder äußerte sich als Gastredner dazu: „E-Rechnung ist noch lange keine Digitalisierung.“ Er sprach sich für eine digitale Schulverwaltung und digitale Modellschulklassen aus. „Außerdem müssen wir es schaffen, wieder mehr junge Leute für eine Ausbildung zu interessieren.“ Dass die Betriebe mehr Fachkräfte benötigen, merke Meyer-Heder selbst: „Zuhause muss ich immer mehr selbst machen, weil ich keinen Handwerker dafür kriege.“

Koßmann sagte in seiner weiteren Rede, dass es auch nicht die Lösung sei, wie die FDP auf E-Mobilität und autonomes Fahren zu setzen. Die Linke erwähnte Koßmann mit deren Forderungen für mehr Platz für Fußgänger, kostenlosen Nahverkehr und bezahlbaren Wohnraum.

Gegen Tempo 30

Ebenso zeigte der Kfz-Obermeister auf, dass Tempo 30 auch keine Lösung sei: „Jeder, der sich mit Motoren auskennt, weiß, dass bei Tempo 30 die Luft nicht sauberer wird.“ Beim Thema E-Mobilität sagte Koßmann: „Sie kann und wird nichts weiter als eine Übergangstechnologie sein.“ Denn für die Batterien in den E-Batterien werde anderswo Lebensraum zerstört. Er favorisiere die Wasserstoff-Technologie: „Aus regenerativem Strom klimaneutral hergestellter Wasserstoff wird aus meiner Sicht der Treibstoff der Zukunft sein.“

Um die E-Mobilität voranzubringen, hat die Bremer Kfz-Innung im vergangenen Jahr die Ausbildung des KFZ-Mechatronikers mit Schwerpunkt Hochvolttechnik auf den Weg gebracht. Einige der Azubis waren am Abend anwesend und halfen bei der Ausrichtung des Empfangs.

Außerdem forderte Koßmann die Pkw-Hersteller erneut auf, die Umrüstung der vom Dieselskandal betroffenen Autos zu zahlen anstatt Prämiengutscheine zu verteilen. Und in Richtung AfD sagte Koßmann: „Sie will einerseits den Zuzug von Ausländern nach Deutschland begrenzen, bietet andererseits aber keinerlei Lösungen für den sich abzeichnenden Nachwuchsmangel.“

Meyer-Heder für mehr Digitalisierung

Das Thema Diesel und Dieselverbot griff der Spitzenkandidat der Bremer CDU für die Bürgerschaftswahl, Carsten Meyer-Heder auf: „Die Leidtragenden wären vor allem die kleinen Handwerksbetriebe, die mit ihren zwei Sprintern auf der B75 im Stau stehen.“ Wegen der angespannten Verkehrssituation würden sie pro Tag höchstens vier Termine schaffen. Auch würden Baustellen dazu führen, dass die Autos am Ende sehr viel mehr Feinstaub und Stickoxide ausstoßen, als es sein müsste: „Mit mehr Digitalisierung ist auch die Baustellenplanung besser zu bewerkstelligen.“ Schließlich sei die Verkehrssituation ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.

Außerdem möge sich Bremen an mehr Leuchtturmprojekten beteiligen, wenn es um das autonome Fahren geht. Und ebenso sieht Meyer-Heder Potenzial in Wasserstoff- und Gasantrieben bei Autos. Zum Ende seiner Rede sagte er aber gleichzeitig vor dem Auditorium, unter dem sich viele Mitglieder der Kfz-Innung befanden: „Außerdem soll man Menschen nicht vorschreiben, dass Fahrradfahrer die besseren Menschen sind.“

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