Sonderfinanzzone zwischen Hongkong und Shenzhen geplant China erprobt die Freigabe seiner Währung Yuan

Peking. Noch Mitte der achtziger Jahre war Shenzhen nicht mehr als ein Fischerdorf. Nur etwas weiter im Landesinneren entstanden die ersten Fabrikhallen. Chinas Staatsoberhaupt Deng Xiaoping hatte die Gegend an der Grenze zu Hongkong kurz zuvor zur Sonderwirtschaftszone erklärt und damit erstmals freie Marktwirtschaft im damals noch wirklich sozialistischen China zugelassen. Heute ist Shenzhen eine der modernsten Metropolen der Volksrepublik und hat bereits doppelt so viele Einwohner wie Hongkong, einen inzwischen sehr viel größeren Hafen und dürfte auch in der Wirtschaftskraft schon bald die ehemalige britische Kronkolonie übertrumpfen. Was Deng vor 30 Jahren lediglich als Experiment begonnen hatte, ist die Musterstadt des modernen chinesischen Kapitalismus. Nun wird die Gegend um Shenzhen erneut als Experimentierfeld genutzt.
09.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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China erprobt die Freigabe seiner Währung Yuan
Von Felix Lee

Peking. Noch Mitte der achtziger Jahre war Shenzhen nicht mehr als ein Fischerdorf. Nur etwas weiter im Landesinneren entstanden die ersten Fabrikhallen. Chinas Staatsoberhaupt Deng Xiaoping hatte die Gegend an der Grenze zu Hongkong kurz zuvor zur Sonderwirtschaftszone erklärt und damit erstmals freie Marktwirtschaft im damals noch wirklich sozialistischen China zugelassen. Heute ist Shenzhen eine der modernsten Metropolen der Volksrepublik und hat bereits doppelt so viele Einwohner wie Hongkong, einen inzwischen sehr viel größeren Hafen und dürfte auch in der Wirtschaftskraft schon bald die ehemalige britische Kronkolonie übertrumpfen. Was Deng vor 30 Jahren lediglich als Experiment begonnen hatte, ist die Musterstadt des modernen chinesischen Kapitalismus. Nun wird die Gegend um Shenzhen erneut als Experimentierfeld genutzt.

In einem Territorium zwischen Shenzhen und Hongkong soll mit Qianhai eine Sonderfinanzzone entstehen, in der die chinesische Währung, der Yuan, bis zu einem bestimmten Volumen frei tauschbar wird. "Die Politik des Landes läuft darauf hinaus, den Kapitalmarkt des Landes allmählich zu öffnen und die volle Konvertibilität des Yuan zu erreichen", kündigte die staatliche Plankommission an. Qianhai soll dabei eine Pionierrolle spielen.

Bislang konnte man die chinesische Währung in China nicht einfach ein- oder ausführen. Zudem ist der Yuan fest an den US-Dollar gekoppelt. Das heißt: Jeder, der Waren aus China bezieht und bezahlen möchte, muss den Umweg über die chinesische Zentralbank gehen. Jeder Dollar, jeder Euro und jeder Yen, der nach China fließt, wird von ihr einbehalten, sie teilt zu einem von ihr festgelegten Wert wiederum Yuans aus.

Das soll sich nun ändern. Japan, Argentinien, Malaysia und eine Reihe weiterer Länder haben bereits Vereinbarungen mit Peking getroffen, wonach Waren direkt in der chinesischen Währung gehandelt werden können. Zudem hat neben Hongkong und Singapur vor Kurzem auch London den Status eines Auslandszentrums des Yuan erhalten. Das heißt: Es gibt nun eine Reihe von Finanzprodukten in chinesischer Währung, die an diesen Finanzplätzen frei gehandelt werden können.

Mit der neuen Sonderfinanzzone auf unmittelbar chinesischem Boden wollen Pekings Machthaber nun austesten, welche Auswirkungen es haben wird, wenn Exportfirmen ihre Waren direkt in Yuan abrechnen können. Sprich: Auch europäische Käufer haben nun die Möglichkeit, ihre erworbenen Waren direkt in Yuan zu bezahlen – und zwar zu einem vom Markt festgesetzten Wert. China geht damit nach demselben Prinzip wie vor 33 Jahren vor: Erst soll die Freigabe in einer Sonderzone erprobt werden, dann irgendwann auf der gesamten Welt.

Die westlichen Staaten begrüßen diesen Schritt. Vor allem die USA, aber auch die Europäer beklagten immer wieder, dass Peking mit der Koppelung an den Dollar den Wert zu niedrig ansetzte, um die heimische Exportindustrie zu stützen. Doch gerade was die USA angeht, könnte diese Freude schnell nach hinten losgehen. Denn was Chinas Führung vor allem zum Ziel hat: Sie will den Yuan neben Dollar und Euro zu einer dritten Reservewährung ausbauen.

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