Häfenbilanz Niedersachsen Rekordumschlag im Jade-Weser-Port

Der Containerumschlag im Jade-Weser-Port ist im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordergebnis gestiegen. Der Gesamtgüterumschlag in allen neun niedersächsischen Seehäfen liegt aber noch unter Vor-Krisenniveau.
21.02.2022, 13:27
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Rekordumschlag im Jade-Weser-Port
Von Peter Hanuschke

Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven hat im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis beim Containerumschlag seit seiner Betriebsaufnahme 2012 hingelegt: Genau 712.953 Standardcontainer (TEU) gingen über die Kaimauer, im bisherigen Rekordjahr 2018 waren es 655.790 TEU. Das geht aus der Jahresbilanz der niedersächsischen Seehäfen hervor, die an diesem Montag vorgestellt wurde. Im Vergleich zum Vorjahr gab es beim Containerumschlag ein Plus von 68,5 Prozent. Der Gesamtgüterumschlag in den neun Seehäfen Brake, Cuxhaven, Emden, Leer, Nordenham, Oldenburg, Papenburg, Stade und Wilhelmshaven ist allerdings nur um sechs Prozent gestiegen. Mit 51,41 Millionen Tonnen liegt er auch noch unter dem Umschlag im Vor-Corona-Jahr 2019 (53,5 Millionen Tonnen).

Wachstumsperspektiven für Tiefwasserhafen

Zur Entwicklung des Containerumschlags im Jade-Weser-Port habe der deutliche Anstieg von ungeplanten Schiffsanläufen und die pandemie-bedingten temporären Routenänderungen von Diensten aus anderen nordeuropäischen Häfen nach Wilhelmshaven beigetragen, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) während der digitalen Pressekonferenz mit Niedersachsen Ports und Seaports of Niedersachsen. Aber auch ohne diese Faktoren habe Deutschlands einziger Tiefwasserhafen sehr gute Wachstumsperspektiven: „Mit Hapag-Lloyd ist jetzt eine der weltweit fünf größten Reedereien am Jade-Weser-Port beteiligt, zudem hat der Terminalbetreiber Eurogate angekündigt, in den kommenden drei Jahren rund 150 Millionen Euro zu investieren." Wegen der Perspektiven werde man auch an den Plänen für die zweite Ausbaustufe festhalten.

Während der Umschlag von Stückgütern, insbesondere von Containern, sowie von flüssigen Massengütern Zuwächse verzeichnete, sind die Umschlagsmengen von Neufahrzeugen zurückgegangen: Sie liegen beispielsweise in Emden mit 981.520 Fahrzeugen um vier Prozent unter dem Niveau des Vergleichszeitraums 2020. Der Grund dafür sei bekannt, so Althusmann: Der Halbleitermangel beim Fahrzeugbau sorge nach wie vor für Produktionsverzögerungen.

Häfen mit mehr Umschlag

In Cuxhaven sind im vergangenen Jahr rund 2,45 Millionen Tonnen Güter im Seeverkehr umgeschlagen worden - 13 Prozent mehr als in 2020. Innerhalb  der Gütergruppen gab es beim festen Massengut mit 34 Prozent (653.919 Tonnen) den größten Anstieg.  Laut André Heim, Geschäftsführer der Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen, ist dafür vor allem der umschlagsstarke Materialtransport in Folge der Elbvertiefung verantwortlich.

Der Hafen Emden verzeichnet 2021 einen Seegüterumschlag von rund 4,03 Millionen Tonnen (plus ein Prozent). Der Neufahrzeugumschlag von 981.520 Fahrzeugen liegt etwa vier Prozent unter dem Niveau von 2020.

Der Hafenstandort Leer kam im Jahr 2021 auf 34.434 Tonnen im Seeverkehr - eine Steigerung um nahezu 100 Prozent und damit sogar über Vorkrisenniveau. Dafür habe vor allem der Umschlag von  Schrott, Kies, Splitt und Torf gesorgt, so Heim.

In Nordenham belief sich das seewärtige Umschlagsergebnis auf rund 2,30 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Plus von 28 Prozent. Das sei vor allem auf steigende Volumen bei Kohle zurückzuführen, das mit 1,09 Millionen Tonnen um 62 Prozent über den Umschlag von 2020 lag.

Der Seehafen Wilhelmshaven erzielte mit einem Umschlagsvolumen von 30,84 Millionen Tonnen ein Plus von zehn Prozent. Getragen werde dies von deutlichen Zuwächsen sowohl beim Umschlag von festen Massengütern als auch von Stückgütern. So sei beispielsweise der Kohleumschlag von 0,97 Millionen Tonnen in 2020 um 64 Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr gewachsen.

Häfen mit weniger Umschlag

Um sechs Prozent ging im Seehafen Brake der Umschlag zurück (5,14 Millionen Tonnen). Die Hafenmarketinggesellschaft führt das unter anderem auf pandemiebedingte Änderungen von Warenströmen zurück.

Im Oldenburger Hafen liegt mit etwa 77.000 Tonnen das Minus bei fünf Prozent. Ursächlich seien dafür ebenfalls veränderte Warenströme, aber auch zeitweilige Sperrungen der Weser verantwortlich gewesen.

Im Seegüterverkehr ging in Papenburg der Umschlag nach Angaben von Seaports of Niedersachsen mit 624.818 Tonnen um 3,5 Prozent zurück. Rückgänge habe es beispielsweise beim Düngemittelumschlag gegeben.

In Stade wurden statt 6,2 Millionen Tonnen in 2020 im vergangenen Jahr 5,9 Millionen Tonnen im Seeverkehr umgeschlagen. Das Umschlagsaufkommen der festen Massengüter fiel dabei um zehn Prozent auf rund 3,43 Millionen Tonnen. Rückgänge beim Umschlag von Baustoffen im Rahmen der Fahrrinnenanpassung der Elbe hätten unter anderem zu diesem Ergebnis geführt.

Energiewende als Konjunkturmotor

Laut Althusmann soll Wilhelmshaven die Drehscheibe der Wasserstoff-Wirtschaft für Deutschland und Europa werden. Cuxhaven könnte Megahub für die Versorgung der Windkraft auf See werden. Dafür will Niedersachsen in Cuxhaven drei weitere Liegeplätze für Großschiffe schaffen. Zum Import von verflüssigtem Erdgas eigne sich Stade am besten, dort seien die Pläne für ein LNG-Terminal am weitesten fortgeschritten.

Investitionen in Hafenanlagen

In den niedersächsischen Häfen werde man vor allem in die Instandhaltung der bestehenden Hafenanlagen investieren, so Holger Banik, Geschäftsführer der Niedersachsen Ports GmbH sowie der Jade-Weser-Port-Realisierungs-GmbH. Dafür stünden 45 Millionen Euro zur Verfügung. In den Neubau von Hafenanlagen würden 21,7 Millionen Euro in diesem Jahr investiert.

Zur Sache

Jade-Weser-Port

Der Jade-Weser-Port ging 2012 an den Start. Anteilseigner sind  Niedersachsen (50,1 Prozent) und Bremen (49,9 Prozent). Ausgelegt ist der Hafen für eine Kapazität von 2,7 Millionen Standardcontainern. 2013 – im ersten vollständigen Betriebsjahr des Jade-Weser-Ports – gab es einen Umschlag von 76.000 TEU - in 2021 waren es 712.953 TEU. Zum Vergleich: In den bremischen Häfen, in erster Linie in Bremerhaven, wurden im vergangenen Jahr fünf Millionen TEU umgeschlagen – 5,2 Prozent mehr als im Vorjahr und ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber 2019.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+