Milchwirtschaft DMK schließt Werke

Der Aufsichtsrat der Molkerei DMK hat etlichen Werksschließungen zugestimmt. Auch eine Traditionsmarke fällt den Sparplänen zum Opfer.
26.09.2017, 19:26
Lesedauer: 2 Min
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Von Helen Hoffmann und Birgit Sander

Bremen/Bergen. Der Aufsichtsrat der größten deutschen Molkerei, das Deutschen Milchkontor (DMK), hat mehreren Werksschließungen zugestimmt. Wie das Unternehmen mit Verwaltungssitz in Bremen am Dienstag mitteilte, reagiert das DMK damit auf Kündigungen von Milcherzeugern und die damit verbundene reduzierte Milchmenge.

Betroffen von Schließungen und Einschnitten sind Werke in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. In den Bundesländern Bremen und Niedersachsen bleiben die Werke erhalten. Geschlossen wird unter anderem das „Rügener Badejungen“-Werk im mecklenburg-vorpommerischen Bergen. Die Käserei steht spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2019 vor dem Aus, teilte das DMK nun mit. Auslöser seien zu hohe Produktionskosten der ostdeutschen Weichkäse-Sorte.

Die Beschäftigten produzieren seit 1953 die Traditionsmarke „Rügener Badejunge“ für die Rotkäppchen Peter Jülich GmbH mit Sitz in Dortmund. Das Unternehmen will den Camembert nach eigenen Angaben künftig in seinem Werk in Lumpzig in Thüringen produzieren, nachdem das DMK den Vertrag über die Herstellung des Käses kündigte.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) äußerte sein Unverständnis über das DMK-Konzept. Es gebe ernstzunehmende Kaufinteressenten für die Molkerei. „Dass das DMK den Standort nun abwickeln will, statt das Werk zu verkaufen, ist zutiefst enttäuschend. Mit dieser Entscheidung drückt sich das DMK um seine soziale Verantwortung“, sagte er. Der Minister kündigte an, den DMK-Vorstand erneut zu einem Gespräch nach Schwerin einzuladen. „Ich werde weiter für den Erhalt des Werkes und der Arbeitsplätze kämpfen“, sagte er.

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Mecklenburg-Vorpommern, Jörg Dahms, hofft ebenfalls noch auf einen Verkauf der Bergener Käserei. „Das ist der einzige Strohhalm, den wir noch sehen“, sagte er. Immerhin sei ein Verkauf von DMK nicht ausgeschlossen worden. Das Berliner Milchhandelsunternehmen Ostmilch bekundete Interesse am „Rügener Badejungen“. Geschäftsführer Jens Tützer erklärte, dass Ostmilch weiterhin grundsätzlich ein Interesse an der Molkerei Bergen habe und auch an der Fortführung der Produktion interessiert sei. Allerdings müsse man die Entscheidung der Eigentümer, das Werk zu schließen, akzeptieren.

Am Montag hatten etwa 250 Molkereibeschäftigte aus Norddeutschland und Sachsen-Anhalt im niedersächsischen Zeven gegen die Pläne demonstriert. Das Deutsche Milchkontor verarbeitet derzeit circa 7,3 Milliarden Kilogramm Milch an 20 Standorten. Nach eigenen Angaben gehört der Konzern mit einem Umsatz von 5,1 Milliarden Euro europaweit zu den führenden Unternehmen der Milchwirtschaft.

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