Beschäftigungsgarantie bis 2026 Einschnitte bei SWB-Betriebsrente

Die Einigung der SWB mit der Gewerkschaft Verdi entlastet die Konzernbilanz laut Vorstandschef Torsten Köhne bis 2029 um mehr als 100 Millionen Euro.
19.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen

Die Einigung der SWB mit der Gewerkschaft Verdi entlastet die Konzernbilanz laut Vorstandschef Torsten Köhne bis 2029 um mehr als 100 Millionen Euro.

Auf die mehr als 2000 Mitarbeiter sowie die Pensionäre der SWB kommen Einschnitte bei der Betriebsrente zu. Nach monatelangen Verhandlungen hat sich Bremens Energieversorger mit der Gewerkschaft Verdi auf einen Kompromiss geeinigt. Für alle, die jetzt oder in der Zukunft eine Betriebsrente beziehen, steigt die Betriebsrente nur noch um 0,75 Prozent statt um ein Prozent.

Außerdem soll der Betrag sinken, den die Mitarbeiter für jeden Monat Betriebszugehörigkeit als Anspruch erwerben, auf 85 Prozent von dem bisherigen Wert. Für Mitarbeiter, die auf den alten Betrag aufstocken wollen, indem sie auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, zahlen die SWB zusätzlich einen Arbeitgeberzuschuss.

Außerdem muss ein SWB-Mitarbeiter nun höhere Abzüge hinnehmen, wenn er vorzeitig in Ruhestand gehen will. Die Regelungen sollen rückwirkend zum 1. Januar 2016 greifen.

Verbindung mit Beschäftigungsgarantie

Um der Mitarbeiterschaft und der Gewerkschaft diese Regelung schmackhaft zu machen, hat das Unternehmen diese Einschnitte mit einer Beschäftigungsgarantie verbunden. Bis zum Jahr 2026 soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Der Verdi-Landesfachbereichsleiter Energiewirtschaft, Immo Schlepper, sagte dem WESER-KURIER: „Gleichzeitig konnten wir eine Vorteilsregelung für Gewerkschaftsmitglieder erreichen.“ Diese sieht eine Einmalzahlung in Höhe von 165 Euro vor für das Jahr 2016, ab 2017 und jedem Folgejahr beläuft sich die Einmalzahlung jeweils auf 225 Euro.

SWB-Vorstandschef Torsten Köhne sagte dem Wirtschaftsmagazin Capital: „Ziel der Reform sei es, eine betriebliche Altersversorgung für neue Mitarbeiter zu finanzieren, indem nicht nur die aktuelle Belegschaft, sondern auch die Pensionäre einen Solidarbeitrag leisten.“

Gut für die Zukunft des Unternehmens

Laut Köhne entlastet die Vereinbarung die Konzernbilanz bis zu ihrem Laufzeitende im Jahr 2029 um mehr als 100 Millionen Euro. Diese Regelung sei gut für die Zukunft des Unternehmens, wie Immo Schlepper von Verdi meint: „Wir hätten uns zurücklehnen können, indem wir bei den Verhandlungen nur die aktuellen Kolleginnen und Kollegen im Auge gehabt hätten. Aber bei diesem Ergebnis sind nun auch die Betriebsrenten für neue Kollegen sichergestellt.“

Seinen Gewerkschaftskollegen im Bundesvorstand hat Schlepper klar gesagt, dass diese Einigung nicht Pilotfunktion haben kann für die Stadtwerke in anderen Regionen mit ähnlichen Problemen: „Wir haben hier bei den SWB einen Haustarifvertrag und entsprechend eine besondere Situation. Und entsprechend ist dies nur auf Bremen anzuwenden und nicht als Blaupause für andere Stadtwerke.“

Ende kommender Woche Erklärung der SWB

Diese Einigung sei bereits kurz vor Weihnachten zustande gekommen. Doch seitens der SWB gab man sich auch am Mittwoch noch wortkarg und wollte die Eckdaten weder bestätigen noch dementieren. Ende kommender Woche wolle sich Bremens Energieversorger dazu erklären.

Zumindest der Energieversorger EWE in Oldenburg, dem die SWB bis auf eine Aktie gehören, bestätigt das Verhandlungsergebnis indirekt. Von dort hieß es: „Diese Einigung (Betriebsrente) betrifft ausschließlich SWB.“ Deshalb wollte sich das Unternehmen auch nicht weiter dazu äußern.

Das Land Bremen besitzt für ein kleines Mitspracherecht bei den SWB immer noch die sogenannte eine „goldene Aktie“. Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) ist daher Mitglied im SWB-Aufsichtsrat. In dieser Funktion ist er jedoch zur Verschwiegenheit verpflichtet, sodass er sich zu einer Einigung nicht äußern konnte.

65 Millionen Gewinn vor Zinsen und Steuern

Der Umsatz der SWB belief sich im Jahr 2015 (2016 liegt noch nicht vor) auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag bei 65 Millionen Euro. Die niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt zwangen den Energieversorger in den vergangenen Jahren dazu, für die Pensionen größere Summen zurückzustellen.

2015 waren das 800 Millionen Euro – Geld, das das Unternehmen gut gebrauchen könnte für weitere Investitionen in die Energiewende. Aufgrund dieser hohen Aufwendungen hatte der SWB-Vorstand zum Ende 2015 den Tarifvertrag gekündigt. Auf diese Weise sollten neu eingestellte Mitarbeiter nicht in den Genuss der Betriebsrenten kommen.

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