Empfehlungen für den Sommer

Entspannt reisen mit dem Smartphone

Ein Smartphone kann im Urlaub ein wertvoller Begleiter sein. Man muss es nur richtig ausrüsten und benutzen. Diese Tipps helfen dabei:
17.07.2019, 15:48
Lesedauer: 5 Min
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Entspannt reisen mit dem Smartphone
Von Eva Przybyla

Nichts organisieren und jeden Moment genießen – das ist Urlaub. Dabei kann das Smartphone ein wertvoller Begleiter sein, wenn man es richtig benutzt. Denn egal ob Android oder IOS, es gibt viele Apps, die den Urlaub erleichtern.

Navigieren

Wohl jeder hat bereits Google Maps als Navigationsgerät benutzt. Auch im Urlaub ist die App praktisch und arbeitet sogar ohne mobile Daten. Man muss nur zu Hause oder im Hotel-Wlan die gewünschte Karte herunterladen, dann ist sie 29 Tage lang offline verfügbar.

Für Autofahrerinnen und Autofahrer ist die App „Sygic“ eine praktische Alternative. Aber Vorsicht: Andere Länder, andere Verkehrsregeln. Ob man auf der in italienischen Landstraße 100 Stundenkilometer fahren darf, zeigt etwa die App „Mit dem Auto ins Ausland“. Sie gibt Informationen Fragen rund um den eigenen oder den gemieteten Pkw im Ausland.

Wer lieber zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sein möchte, kann die App „Komoot“ nutzen, um beliebte Wanderrouten in der Umgebung zu finden. Die Wege sind in der Regel detailliert beschrieben, inklusive Karten und Fotos. In Deutschland bietet sich auch die „ADAC Wanderführer-App“ an.

Schlafen, sehen und zurechtkommen

Wer seine Unterkunft über Airbnb gebucht hat, für den ist auch die dazugehörige App empfehlenswert. Die Adresse der Ferienresidenz kann so bequem in der jeweiligen Navigationsapp geöffnet werden, und auch die Kommunikation mit dem Gastgeber funktioniert dort – zumindest technisch – reibungslos.

Passionierten Campern kann dagegen die „ADAC Camping- und Stellplatzführer-App“ eine Hilfe sein. Nach ADAC-Angaben bietet sie Informationen zu über 8 800 Campingplätzen in ganz Europa und kann mit ihrer Suchfunktion schnell zum nächsten Schlafplatz führen. Abenteurer, die in der Wildnis unterwegs sind, könnten dagegen auf die App „SAS Survival Guide“ zurückgreifen.

Sie gibt etwa Informationen dazu, wie man ein Feuer entzündet, essbare Pflanzen findet und morst. Ist man endlich vor Ort, kann man sich – je nach Urlaubsziel – mit der App „Tripwolf“ aus dem Hause Marco Polo einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten vor Ort verschaffen. Ist die Sprache noch ungewohnt, können Urlauber mit der App „Google Übersetzer“ offline Sätze und Texte übersetzen. Noch umfangreicher ist die App „iTranslate“. Bei Zloty, Franken, Kronen und weiteren Währungen hilft zudem die App „Währungsrechner – Finanzen 100“, den Überblick über das Geld zu behalten. Den Weg zur nächsten Toilette zeigt der „Toilet Finder“.

Restaurants finden

Das Beste an einem Urlaub? Genau, das Essen. Wirklich gute Restaurants finden, ist jedoch als Urlauber oft gar nicht so einfach. Bei der Suche helfen Apps von einschlägigen Empfehlungsportalen wie „Yelp“, „Foursquare“ und „TripAdvisor“.

Schönes teilen und Unterhaltung

Im Alltag kommt man selten dazu, neue Musikalben oder mehrstündige Podcasts zu hören. Zum Glück gibt es den Urlaub dafür. Musik bekommt man bei herkömmlichen Musik-Streaminganbietern, etwa Applemusic und Spotify, und meistens auch offline. Dort oder in praktischen Apps wie „Podcast Republic“ findet man auch unzählige Podcasts und kann sie bequem herunterladen. Über eine Download-Funktion für bestimmte Serien und Filme verfügt auch die Netflix-App.
Wer lieber seine Reise-Erlebnisse umfassend festhalten möchte, kann mit „FindPenguins“ ein multimediales Reisetagebuch anlegen und seine Erlebnisse mit Anderen teilen.

Sicherheit fürs Smartphone

Die Netzexpertin Katharina Mosene vom Verein „Deutschland sicher im Netz“ rät Urlaubern, das Diensthandy und den Arbeitsrechner zu Hause zu lassen. Und manchmal sollten Urlauber sogar auf ihr Privathandy verzichten. „Viele Menschen haben hochsensible unternehmensrelevante Daten auf ihrem privaten Smartphone“, sagt Mosene. Zum Problem könne das etwa bei der Einreise in Staaten mit einer restriktiven Einreisepolitik werden, Stichwort: Wirtschaftsspionage. Ist das private Handy wirklich privat, empfiehlt die Netzexpertin, schon vor der Reise einige Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. So sollten Nutzer spezielle Ortungs- oder Sperrapps aktivieren. Dann kann das Smartphone auch bei Diebstahl geortet und gesichert werden. Vorab sollten sich die Besitzer stets die Gerätenummer notieren.

Auch unverzichtbar für die Sicherheit des eigenen Smartphones ist Mosene zufolge, einen PIN sowie einen Sperrbildschirm einzurichten. So erschwere man Dritten den Zugriff, sagt sie. Außerdem sollten Nutzer die Apps mit sensiblen Daten mit einem Passwort schützen, alle anderen Daten sollten sie vorab speichern. Wer mit dem Smartphone das Wlan im Hotel oder an anderen Urlaubsorten nutzen will, sollte zudem seine Firewall sowie seinen Virenschutz aktivieren. Und selbst für den Internetzugang im Hotel empfiehlt Mosene, einen VPN, ein virtuelles privates Kommunikationsnetz, einzurichten. Besonders beim Online-Shopping oder -Bankgeschäft sei es zudem ratsam, auf die Verschlüsselung einer Webseite zu achten, erkennbar an der Internetadresse „https“, sagt die Netzexpertin. Für unterwegs rät sie: „Wlan und Bluetooth bei Nicht-Benutzung ausschalten.“

Viele Urlauber denken, mobile Daten im Ausland zu nutzen, sei heute günstig. Doch die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt, Cornelia Holsten, rät zur Vorsicht: „Auch wenn die Zusatzkosten für Roaming innerhalb der EU glücklicherweise vor zwei Jahren abgeschafft wurden, ist die Kostenfalle Mobile Daten noch vorhanden“, sagt sie. Das sei kürzlich etwa deutlich geworden, als Jugendliche mit der Fähre einen Tag über das Mittelmeer reisten. Weil sich ihre Smartphones ins Satellitennetz des Schiffs eingewählt hatten, erhielten die Jugendlichen Handyrechnungen mit Forderungen von bis zu 900 Euro. Besonders auf Kreuz- und Fährfahrten solle Urlauber deshalb lieber das Wlan statt mobiler Daten nutzen, sagt Holsten.

Tipps zur Entspannung

Mit nützlicher Software ausgerüstet, ist das Smartphone ein sehr praktischer Urlaubsbegleiter. Aber nicht allen Nutzern hilft es dabei, sich zu erholen. Matthias C. Kettemann, Forschungsprogrammleiter am Leibniz-Institut für Medienforschung (IfM), erläutert: Manche Menschen seien anfälliger für Stress als andere und könnten sich nicht so schnell entspannen.Ihnen rät Kettemann davon ab, unnötige Stressfaktoren in den Strandkorb oder ins Café zu holen.

„Dazu gehören E-Mails, aber auch Instagram und Facebook, wenn sie mehr Stress als Erholung bringen“, sagt der IfM-Forscher. Besonders E-Mails, die mit dem eigenen Job zu tun haben, seien problematisch. Das Wissen, dass Arbeit auf einen warte oder gemacht werden solle, könne die Menschen beunruhigen. Darunter leide die Erholung. Besonders anfällig dafür sind Kettemann zufolge auch Burnout-gefährdete Menschen.

Die Nutzung von Smartphones im Urlaub ist dem Forscher zufolge risikoreich. „Nur, wer richtig souverän mit seinem Smartphone umgehen kann, sollte es nutzen“, sagt Kettemann. Doch das könnten nur wenige. Denn längst seien Apps so attraktiv gestaltet worden, dass es vielen Menschen schwer falle, sich ihnen zu entziehen. Besonders die sozialen Medien mit vielen Nutzerinteraktionen fallen für den Forscher unter solche – teils süchtig machenden – Apps.

Navigations- und weitere Apps, die bei der Orientierung am Urlaubsort helfen, hält er dagegen nicht für gefährlich. Dennoch rät er, den Urlaub wirklich für Entspannung zu nutzen. "Zweck des Urlaubs ist schon von Gesetzes wegen die Erholung", sagt er. Und Erholung könne gar nicht erreicht werden, wenn man sich ständig vom Handy ablenken lasse. „Gerade in der Nichterreichbarkeit, der Nichtverfügbarkeit liegt ein bedeutsamer Erholungswert", sagt Kettemann. Um den zu erreichen, könne man im Urlaub versuchen, auf das Smartphone, das Tor zur Alltagswelt, zu verzichten. "Gerade im Urlaub sollte man auf sich selbst achten", sagt Kettemann.

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