Abseits der Standard-Passagierrouten Erfolg in der Nische

Der Bremer Kreuzfahrt-Veranstalter Plantours ist bei seinen Flusstouren abseits der Massenziele unterwegs. Warum es mit dem eigenen Meereskreuzfahrtschiff auch nach entlegeneren Zielen wie Guatemala gehen soll.
04.04.2019, 18:34
Lesedauer: 4 Min
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Erfolg in der Nische
Von Peter Hanuschke

Abseits der viel befahrenen Routen Fahrten anbieten, mit dieser Ausrichtung ist Plantours Kreuzfahrten seit 30 Jahren erfolgreich am Markt. Und der Bremer Veranstalter baut sein Geschäft aus: Ein eigener Neubau wird erstmalig die Flusskreuzfahrtflotte vergrößern – weitere Schiffe sollen folgen. Außerdem wird das einzige Kreuzfahrthochseeschiff, die MS „Hamburg“, umfangreich modernisiert.

„Die seit Jahren sehr guten Buchungszahlen für die MS ,Hamburg' und die Flussreisen stimmen uns sehr optimistisch und lassen uns voller Zuversicht für die Zukunft planen„, sagt Inti Ligabue, Vorstandsvorsitzender und Hauptgesellschafter der Ligabue Group, der Eigentümergesellschaft von Plantours. Auch deshalb soll es nicht bei nur einem eigenen Flussschiff bleiben. Der Neubau im Vier-Sterne-Plus-Segment gilt gleichzeitig als Auftakt einer Neubauserie für den Fluss. “Wir sehen hier ein strategisches Investment, dass unsere Marktposition festigt und als Basis für weitere Planungen dient.“ Ligabue und Plantours Kreuzfahrten haben bei der holländischen Werft Teamco vor ein paar Wochen nicht nur den Vertrag für den Neubau unterzeichnet, sondern gleichzeitig Optionen für weitere Neubauten vereinbart.

„Für uns bedeutet dieses Invest natürlich sehr viel“, sagt Plantours-Geschäftsführer Oliver Steuber. „Das ist eine Bestätigung unserer Arbeit und ist ein deutliches Zeichen, dass der Investor an uns glaubt.“ In Bremen beschäftigt Plantours 28 Mitarbeiter. Derzeit umfasst die Flotte sechs Flusskreuzfahrtschiffe und ein Hochseekreuzfahrtschiff.

Das noch namenlose neue Flusskreuzfahrtschiff, das im Frühjahr 2020 in Fahrt gehen soll, ist 135 Meter lang und hat französische Balkone für 172 Passagiere. Ganz neu ist eine weitere Besonderheit: Zehn spezielle Einzelkabinen sollen die Mitfahrt für die steigende Anzahl an Alleinreisenden auch preislich attraktiver machen. Dazu kommen acht Suiten mit eigenem Balkon – ebenfalls eine Seltenheit auf Flussschiffen in diesem Preis-Segment. „Damit reagieren wir auf eine steigende Nachfrage in diesen Bereichen“, so Steuber.

Bei der MS „Hamburg“, mit 144 Meter Länge Deutschlands kleinstes Hochseekreuzfahrtschiff, werden absenkbare Panorama-Fensterfronten eingebaut. „Das klingt auf den ersten Blick einfach, war es aber nicht“, so Steuber. „Wir sind aktuell das einzige deutsche Kreuzfahrtschiff, das die engen Schleusen hinter Montreal für die spektakulären Reisen auf den Großen Seen durchfahren kann.„ Bei der Passage der 15 Schleusen lässt der Kapitän durch eine Sonderanfertigung auch Teile der Kommandobrücke einfahren, da nur wenige Zentimeter Platz bleiben zwischen Schiffs- und Schleusenwand. Ein nur wenige Zentimeter breites Balkongeländer einzubauen, sei in diesem Zusammenhang eine schwierige Herausforderung für die Architekten gewesen, “um dieses besondere Alleinstellungsmerkmal des Schiffes auch in Zukunft zu haben. Dieses bleibt nun durch die neuen Panorama-Fensterfronten erhalten, die
ähnlich wie französische Balkone großflächig zu öffnen sind."

Im März 2020 startet für den Umbau die Werftphase. Von da an erhält das Kreuzfahrtschiff, das 1996 bei der MTW Schiffswerft in Wismar für die Conti Reederei vom Stapel lief, auch neu gestaltete Innenräume: Die Rezeption, das Büffet-Restaurant und ein völlig neuer Bereich um eine jetzige Weinstube und Boutique erhalten komplett neue Einrichtungen.

Plantours wird weiterhin abseits des Massentourismus unterwegs sein: "Wir bedienen mit unseren Schiffen Nischenmärkte“, sagt Steuber, der seit 2006 Geschäftsführer bei Plantours ist. „Wir bieten exklusive Fahrten an, wo viele Mitbewerber aufgrund der Größe ihrer Schiffe nicht entlang fahren können.“ Und Fahrten mit der MS „Hamburg“, die für maximal 400 Passagiere ausgelegt ist, hätten auch immer den Charakter von Expeditionstouren, "die sonst von anderen Reedereien in wesentlich höheren Preissegmenten angeboten werden."

Im aktuellen Programm stehen unter anderem neben Grönland und Südamerika auch erstmals das Mittelmeer wieder auf den Fahrplänen oder die Tour in 102 Tagen von der Antarktis bis nach Hamburg. „Und dabei laufen wir eben immer außergewöhnliche Häfen an – wie etwa Biarritz in Frankreich, Santo Tomás in Guatemala oder Buenaventura in Kolumbien“, so Steuber. „Und wenn wir London im Programm haben, dann fahren wir auch nach London. Für uns wird nämlich tatsächlich die Tower Bridge geöffnet. Da ist der Passagier dann mitten in der Londoner City und muss nicht erst noch eine Stunde mit dem Bus fahren.“

Dass auch der Hochseekreuzfahrtbereich bei Plantours mal ausgebaut wird, ist nicht auszuschließen. „Wir haben bereits im Markt nach gebrauchter Tonnage umgeschaut, aber nichts geeignetes gefunden. Schiffe für 1500 Passagiere und mehr passen nicht zu unserer Philosophie.“ Vielleicht nutze man für künftige Entscheidungen die Erfahrungen, die man jetzt beim ersten eigenen Flusskreuzfahrtschiff-Neubau sammle.

Und was für die Tourengestaltung im Hochseebereich gilt, gilt auch für Flusskreuzfahrtflotte: Es gebe deshalb auch viele Touren abseits der vielen befahrenen Strecken wie Rhein und Donau, so Steuber. Dazu gehören beispielsweise auch regionale Routen wie Bremen-Amsterdam oder auch Bremen-Berlin. In diesem Jahr hat Plantours zum ersten Mal Fahrten durch Russland ins Programm genommen. Die beiden jeweils zwölftägigen Reisen mit der MS „Rossia“ verbinden Moskau und Astrachan am Kaspischen Meer.

Ganz neue Touren mit ungewöhnlichen Häfen zu entwickeln, sei jedes Mal wieder eine ganz reizvolle und spannende Aufgabe, so Steuber.

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