Das Geschäft mit den Ersatzprodukten Nein zu Schwein

Vegane und vegetarische Ersatzprodukte werden immer häufiger in den Einkaufswaagen gelegt. Auch die regionalen Lebensmittelhersteller reagieren auf den Trend.
01.11.2020, 06:07
Lesedauer: 2 Min
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Nein zu Schwein
Von Rebecca Sawicki

Vegetarische Fleischwurst, tierfreie Burgerpattys oder veganes Cordon bleu: der Handel mit Fleischersatzprodukten boomt. Laut statistischem Bundesamt stieg der Absatz der Alternativprodukte im 1. Quartal 2020 um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Nachfrage steigt und darauf reagiert auch die Lebensmittelindustrie.

„Aus unserer Sicht entscheiden Geschmack und Preis der Veggie-Produkte künftig darüber, wie gut sich eine Marke oder ein Produkt im Markt entwickeln kann“, sagt Ingo Stryck, ein Sprecher des niedersächsischen Unternehmens Wiesenhof. Auch das Unternehmen Rügenwalder Mühle, das ebenfalls in Niedersachsen ansässig ist, reagiert auf die wachsende Nachfrage. Doch wie wird ein Produkt, das aussieht wie Fleisch, eine ähnliche Konsistenz hat und auch ähnlich schmeckt, überhaupt hergestellt?

Der Prozess unterscheide sich im Grunde nicht von der Verarbeitung der Fleischprodukte, erklärt Claudia Hauschild, Sprecherin der Rügenwalder Mühle. „Es handelt sich um die gleichen Arbeitsschritte, und es werden die gleichen Maschinentypen eingesetzt“, sagt sie. Unterschiedlich sind aber die verwendeten Rohstoffe.

Anstatt des Fleisches nutzen beide Lebensmittelhersteller vor allem Pflanzenproteine, die zum Beispiel aus Ackerbohnen oder Erbsen stammen. Wiesenhof produziert ausschließlich vegane Ersatzprodukte, die Rügenwalder Mühle verwendet für ihren vegetarischen Schinkenspicker noch Eiweiß aus Hühnereiern. „Wir arbeiten jedoch verstärkt daran, unsere vegetarischen Produkte auf vegan umzustellen“, sagt Hauschild.

Die Rügenwalder Mühle setze außerdem in vielen Produkten auf Soja als Basis. Um auch das Soja regional beziehen zu können, baue das Unternehmen seit diesem Jahr auch eigenes Soja an. Bisher bewirtschafte der Lebensmittelhersteller dafür zwei größere Flächen. „Es ist bereits geerntet und wird gerade in einer Mühle für uns zur weiteren Verarbeitung aufbereitet“, sagt Hauschild. Gut die Hälfte des verarbeiteten Sojas werde aktuell aus Europa, der Rest aus Nordamerika bezogen. Wiesenhof hingegen verzichtet auf Soja: „Die Hauptzutaten sind stattdessen traditionelle Ackerfrüchte wie Erbsen, Ackerbohnen, Mais und Weizen“, sagt Stryck. Um die Liste der Zutaten möglichst klein zu halten, verzichtet auch die Rügenwalder Mühle auf Süßungsmittel und Geschmacksverstärker.

Im Jahr 2019 wurde laut statistischem Bundesamt insgesamt ein Produktionswert von 272,8 Millionen Euro erreicht. Der Produktionswert gibt an, wie hoch der Wert der produzierten Ware liegt. Ihm wurden allerdings noch keine Investitionen abgezogen, es handelt sich also nicht um den Gewinn. Im Vergleich zum Produktionswert von Fleisch und Geflügel sei der Anteil aber noch immer gering. Hier lag der Wert 2019 insgesamt bei gut 40,1 Milliarden Euro. Trotzdem wächst auch die vegane Produktpalette und auch die Rezepturen werden stetig angepasst.

Auch die beiden niedersächsischen Lebensmittelproduzenten arbeiten daran, mehr Ersatzprodukte anzubieten. Gleichzeitig wollen sie aber nicht ihr Kerngeschäftsfeld aus den Augen verlieren.Die Rügenwalder Mühle wolle die veränderte Nachfrage abdecken. Auch Stryck sieht die Entwicklung der veganen Produkte als Möglichkeit, das Unternehmen breiter aufzustellen. Für ihn ist die Entwicklung weiterer Proteinalternativen eine Möglichkeit, die wachsende Bevölkerung auch in den kommenden Jahren vollwertig ernähren zu können.

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