Petra Höfers übernimmt kommissarisch

Flughafen-Chef Bula seines Amtes enthoben

Der Aufsichtsrat der Flughafen Bremen GmbH hat keine weitere Zukunft für Geschäftsführer Jürgen Bula gesehen. Doch die beschwipste Tarifverhandlung allein soll nicht der Grund gewesen sein.
10.11.2017, 14:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Beneke Florian Schwiegershausen
Flughafen-Chef Bula seines Amtes enthoben

Von seinem Posten abberufen: Jürgen Bula

Frank Thomas Koch

Der Aufsichtsrat des Flughafen Bremen hat Flughafen-Chef Jürgen Bula am Freitagnachmittag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten abberufen. Das teilte das Unternehmen nun mit. Nun beginnt die Suche nach einem Nachfolger. Demnach soll eine Personalberatungsagentur damit beauftragt werden, einen neuen externen Geschäftsführer zu finden.

"Eine verlässliche, aufgabengerechte und kooperative Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich"

"Der Aufsichtsrat stellt ausgehend von seiner intensiven Beratung fest, dass die Flughafen Bremen GmbH dringend einen personellen und organisatorischen Neuaufstellungsprozess benötigt", heißt es einem der Beschlüsse des Gremiums, die am Freitag gefallen sind. Verschiedene Vorfälle am Flughafen hätten gezeigt, dass es schwere Störungen zwischen dem Geschäftsführer und den Mitarbeitern gibt. "Eine verlässliche, aufgabengerechte und kooperative Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich". Dementsprechend sei auch das Vertrauensverhältnis zwischen Geschäftsführer und Aufsichtsrat erschüttert. Das Gremium rügte, "dass interne Vorgänge und Gerüchte in die Öffentlichkeit lanciert werden."

Zudem hat der Aufsichtsrat beschlossen, eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer Sonderprüfung zu bei der Flughafen Bremen GmbH zu beauftragen. Offenbar wollen die Gremienmitglieder sicherstellen, dass die Zahlen, die das Unternehmen in der Vergangenheit präsentiert hat, auch stimmen.

Höfers übernimmt Amt kommissarisch

Bis Bulas Posten wieder besetzt ist, übernimmt kommissarisch Petra Höfers das Amt als Flughafen-Chefin. Höfers leitet den Geschäftsbereich Personal-, Sozial- und Tarifwesen. Sie ist seit zwei Jahren im Unternehmen. Darüber hinaus wollte sich der Flughafen nicht äußern.

Vor einigen Wochen war öffentlich geworden, dass Flughafenchef Bula im Juni von Aufsichtsratschef Ekkehart Siering abgemahnt wurde. Siering ist Wirtschaftsstaatsrat, der Flughafen ist in Besitz der Freien Hansestadt Bremen. Bula wird vorgeworfen, während Tarifverhandlungen im Sommer angetrunken gewesen zu sein. Er soll deswegen im Verlauf der Gespräche von den Verhandlungen entbunden worden sein.

Betriebsratschef Hoberg hatte zuletzt die Abberufung des Flughafen-Chefs gefordert. Die gleiche Forderung kam damals auch von Aufsichtsratsmitglied Onno Dannenberg. Beide wollten sich am Freitag nicht erneut zur Causa Bula äußern. Durften sie auch gar nicht: Es gab einen Maulkorberlass für Aufsichtsratsmitglieder. Laut Beschluss vereinbarten die Mitglieder des Gremiums, "mit sofortiger Wirkung von jeglichen Stellungnahmen in den Betrieb oder Öffentlichkeit" abzusehen, "um damit weiteren Schaden von der Gesellschaft und ihren Gremien abzuwenden".

"Das ist die einzig richtige Entscheidung"

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion Jörg Kastendiek sagte: „Jürgen Bula ist nicht mehr tragbar gewesen. Das ist die einzig richtige Entscheidung, damit die Gesellschaft nun wieder in ruhiges Fahrwasser kommt." Jetzt gehe es darum, einen Nachfolger zu finden mit der notwendigen Kenntnis des Marktes, um wieder Ruhe ins Unternehmen zu bringen. Rainer Kuhn, Verdi-Bezirksgeschäftsführer Bremen-Niedersachsen, sagte: "Auch wenn es lange gedauert hat, hat der der Aufsichtsrat nun Verantwortung übernommen."

Bula war seit 2009 Geschäftsführer der Flughafen Bremen GmbH und sein Vertrag wäre eigentlich noch bis 2019 gelaufen. Laut Beteiligungsbericht der Freien Hansestadt Bremen erhielt Bula 2015 ein Jahresgehalt von 275 000 Euro. Nun braucht der Bremer Airport einen neuen Chef – keine leichte Aufgabe in Zeiten, in denen beispielsweise Billigflieger Ryanair von den Regionalflughäfen immer weiter zu den großen Flughäfen strebt.

Auch bei der Gepäckabfertigung hatte es in diesem Jahr geknirscht. Aufgrund von technischen Problemen und nicht genügend Personal wurden Fälle im Mai und im Juli bekannt, wo Passagiere fast zwei Stunden auf ihre Koffer warten mussten. Gerade an einem überschaubaren Flughafen wie Bremen mit den kurzen Wegen sollte das eigentlich schneller gehen. Zwischendurch sprangen spontan Mitarbeiter aus der Verwaltung ein, um auszuhelfen.

Die wirtschaftliche Situation des Airports Bremen ist dennoch im Vergleich zu anderen Regionalflughäfen einigermaßen gut – auch wenn er voraussichtlich in diesem Jahr den dritten Passagierrückgang in Folge zu verzeichnen haben wird. Er gehört aber trotzdem zu den ganz wenigen deutschen Flughäfen, die ohne Subventionen auskommen. 2014 war mit 2,77 Millionen Passagieren das Rekordjahr. Im vergangenen Jahr waren es dann nur noch 2,57 Millionen. Im Jahr 2015 hatte die Anzahl der Passagiere bei 2,66 Millionen gelegen.

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