Bremen richtet Schutzzonen ein

Flughafen zahlt für Lärmschutz der Anwohner

Bremen. 2014 tritt ein neues Lärmschutzprogramm des Flughafens in Kraft. Danach können Anwohner in drei ausgewiesenen Schutzzonen Zuschüsse zur Schalldämmung beantragen – und das schon jetzt. Laut Airport sind davon rund 2700 Haushalte betroffen.
02.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Flughafen zahlt für Lärmschutz der Anwohner
Von Sabine Doll
Flughafen zahlt für Lärmschutz der Anwohner

In Bremen fühlen sich viele Menschen vom Fluglärm gestört.

dpa

Bremen. 2014 tritt ein neues Lärmschutzprogramm des Bremer Flughafens in Kraft. Danach können Anwohner in drei besonders ausgewiesenen Schutzzonen Zuschüsse zur Schalldämmung beantragen – und das bereits schon jetzt. Laut Airport sind davon rund 2700 Haushalte betroffen.

"Bislang sind bei uns erst 100 Anfragen für eine Schallschutz-Förderung eingegangen, rund 40 davon sind nach der Prüfung als anspruchsberechtigt genehmigt worden", sagt Andreas Krüger vom Senator für Wirtschaft. Die Behörde ist Anlaufstelle für Gebäudeeigentümer, die in einer der drei neu eingerichteten Zonen rund um den Flughafen wohnen und Zuschüsse zum Schallschutz beantragen wollen.

Möglich macht dies das 2007 geänderte Fluglärmgesetz. Darin werden die Bundesländer aufgefordert, besondere Lärmschutzzonen rund um die Flughäfen auszuweisen und den Eigentümern von Häusern oder anderen Gebäuden in diesen Bereichen Zuschüsse zum Lärmschutz zu gewähren. Bremen ist das erste Bundesland, das dieser Aufforderung nachgekommen ist.

Krüger: "Die Anträge hierfür können bereits seit 2010 gestellt werden. 2014 wird die Schalldämmung in Privathaushalten dann offiziell gefördert." Konkret heißt das: Wird der Antrag genehmigt, können Arbeiten wie das Einsetzen von Schallschutzfenstern vorgenommen werden, zunächst aber auf eigene Kosten. Der Zuschuss wird erst ab Dezember 2014 ausgezahlt – und zwar vom Flughafen Bremen, so sieht es das Gesetz vor. "Was an Kosten auf uns zukommt, können wir noch nicht konkret sagen", teilt Flughafen-Sprecherin Alice Hossain mit. "Wir gehen aber von mehreren Millionen Euro aus. Gemäß Grundbuch und Kataster handelt es sich aus heutiger Sicht um rund 2700 Haushalte, die künftig besonders geschützt sind."

Finanziert werden die Kosten für den Lärmschutz unter anderem durch die Start- und Landegebühren, die die Fluggesellschaften zahlen müssen. "Das Geld ist zweitrangig. Wichtig sind die Schutzeinrichtungen, denn es geht um die Menschen", betont Hossain.

Insgesamt gibt es nach Angaben der Sprecherin im Schnitt rund 46000 Flugbewegungen pro Jahr am Bremer Airport. Und: Trotz Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr gibt es auch Ausnahmegenehmigungen für diesen Zeitraum. Im vergangenen Jahr waren dies laut einer Statistik der Behörde 2043 Flugbewegungen.

Der neue Lärmschutzbereich ist deshalb in Tag- und Nacht-Schutzzonen aufgeteilt. Erstgenannte betrifft Wohnhäuser im Bereich Neuenlander Straße/Ecke Kattenturmer Heerstraße/Ecke Arsterdamm. Die Nacht-Schutzzone reicht neuerdings vom Flughafen bis nach Hemelingen. "Die Ausweitung beruht auf einer Prognose von Flugbewegungszahlen, die für das Jahr 2020 erstellt wurden", erläutert Krüger. "Die berechnete Kurve ist durch den aktuellen Fluglärm demnach noch nicht ausgefüllt." Experten gehen allerdings von einem jährlichen Anstieg der Flugbewegungen am Bremer Airport von zwei Prozent aus.

Die Zuschüsse werden laut Behörde für Wohn- und Schlafräume gewährt, in Form von Schallschutzfenstern und Lüftungsanlagen, sodass die Fenster geschlossen bleiben können. "In einzelnen Fällen kann es aber auch sein, dass noch andere Maßnahmen notwendig sind, wenn das nicht ausreichend ist", schildert Krüger. "Allerdings dürften das Ausnahmen sein. In solchen Fällen wird ein Gutachter das Gebäude genau unter die Lupe nehmen und dann entscheiden." Die Zuschüsse seien unter anderem auch abhängig von der Lage in dem Lärmschutzbereich. In der Nacht-Schutzzone gibt es die Förderung ausschließlich für Schlafräume, in der Tag-Schutzzone sind auch andere Aufenthaltsräume einbezogen.

Der Vorsitzende der Bremer Fluglärmkommission, Ralf Bohr, bewertet das neue Lärmschutzprogramm "grundsätzlich positiv". Er warnt jedoch davor, den Lärmschutz als "Allheilmittel" zu sehen. "Das ist ein zweischneidiges Schwert. Auch wenn Schallschutz-Fenster und eine Lüftungsanlage für das Zimmer eingebaut sind, möchte man im Sommer doch auch das Fenster öffnen. Hinzu kommt, dass die Lüftungen ebenfalls Geräusche erzeugen", betont Bohr.

Ein wichtiger Gesichtspunkt sei außerdem, dass Lärm nicht nur ein störendes Geräusch sei. "Bohr: "Dauerhafter Lärm macht die betroffenen Menschen krank, und das trifft besonders auch auf nächtlichen Lärm durch Flug-, Auto- oder Bahnverkehr zu."

Die detaillierte Karte zu den Schutzzonen ist hierzu finden.

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