Fachkräfte für IT gesucht

Frauen an die Rechner – neues Bremer Projekt

In Bremen gibt es ein neues Projekt, um gezielt Frauen in die IT zu bringen. Insgesamt geht es um 40 Plätze für Ausbildung und Weiterbildung.
26.02.2021, 11:34
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Frauen an die Rechner – neues Bremer Projekt
Von Lisa Boekhoff
Frauen an die Rechner – neues Bremer Projekt

Das neue Programm beinhaltet Weiterbildungs- und Ausbildungsplätze.

Karl-Josef Hildenbrand/DPA

Das Wirtschaftsressort will mit einem neuen Programm Frauen in die IT bringen – und damit heran an das Feld künstliche Intelligenz. Insbesondere Frauen und Alleinerziehende mit und ohne Migrationshintergrund sollen angesprochen werden. „Grundsätzlich wollen wir mit dem Projekt mehr Arbeitsplätze im IT-Bereich für Nichtakademikerinnen und Nichtakademiker schaffen. In diesem Bereich hat die Branche einen großen Bedarf formuliert“, sagt Ressortsprecherin Kristin Viezens.

Im Gespräch mit dem WESER-KURIER stimmte Senatorin Kristina Vogt (Linke) unlängst der Aussage zu, Instrumente für den Arbeitsmarkt sollten widerspiegeln, dass gerade Frauen in der Krise aktuell eine große Last tragen. „Unbedingt. Jeder Lockdown hat zu einem Rollback in die 50er-Jahre geführt. Frauen sind wieder zu Hause und kümmern sich um die Kinder – vielleicht nebenbei im Homeoffice.“ Frauen seien zudem im höheren Ausmaß vom Lockdown in Gastronomie und Einzelhandel betroffen und damit vom Arbeitsplatzverlust bedroht. „Mein Anliegen ist, dass mehr Frauen in gut bezahlte Berufe wie in der IT kommen.“

Gefördert werden beim Projekt „Fachkräfte für klein- und mittelständische KI-Unternehmen im Land Bremen“ Arbeitslose auf der Suche nach einer Stelle sowie junge Menschen ohne Ausbildung. Ausgerichtet ist das Programm auf Frauen. Insgesamt gibt es 20 Ausbildungsplätze für den Beginn im August. Daneben gibt es 20 Weiterbildungsplätze. Die Umschulungen können kurzfristig starten. Finanziert wird das Programm unter anderem über den Bremen-Fonds mit einer Million Euro. Daran beteiligt sind neben dem Wirtschaftsressort Digitalunternehmen, der Branchenverband Bremen Digitalmedia und die Agentur für Arbeit. Weitere Partner werden gesucht.

Einen Zugang zu Rechnern will auch das IT-Bildungshaus bieten: zum Programmieren und Softwareentwickeln. Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung dürfen sich die Absolventen der Weiterbildung nach zwei Jahren nennen. Zu ihr gehört auch ein längeres Praktikum. Das Bildungshaus ist beim Unternehmen HEC in der Überseestadt untergebracht. Teilnehmer können sich hier gegen Bildungsgutscheine vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur weiterbilden oder umschulen lassen.

Gabi Rosenbaum ist für das IT-Bildungshaus mitverantwortlich. Der Frauenanteil der Teilnehmer liege in Vollzeit bei 25 Prozent. In der Teilzeitumschulung seien mehr Frauen vertreten. In diesem Fall dauert die Weiterbildung drei Jahre. HEC gehört zu Team Neusta. Viele Teilnehmer sind nach dem Abschluss in der Gruppe geblieben. „Denen gefällt es bei uns“, sagt Gabi Rosenbaum. Es gebe aber auch von anderen Unternehmen Nachfragen, weil sie auf der Suche nach Personal seien. Insgesamt kommt das Bildungshaus seit 2016 auf 100 Teilnehmer. Im Juli starten die nächsten Durchgänge.

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Zur Person

Gerlinde Schreiber

begleitet den Frauenstudiengang seit Anfang an und leitet ihn seit 2010. In Kiel hat Schreiber Informatik studiert und in Oldenburg promoviert. Nach Stationen bei Siemens und an anderen Hochschulen lehrt sie in Bremen.

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Zur Sache

Internationale Ausrichtung

In Deutschland ist die Zahl der Studiengänge gezielt für Frauen überschaubar. In Wien gibt es ebenfalls Informatik für Frauen – laut Gerlinde Schreiber nach dem Vorbild in Bremen gegründet. An der Hochschule Bremen wird der Frauenstudiengang Informatik schon seit zwei Jahrzehnten angeboten. Das Studium ist international ausgerichtet: Die Studentinnen müssen auch ins Ausland gehen. Mobilität und Mehrsprachigkeit passten zur Informatik, sagt Schreiber, und zu den Frauen. In jedem Jahr gibt es 30 Plätze. Wer sich für das Studium zum Wintersemester interessiert, sollte sich auf der Homepage der Hochschule über die Bewerbung informieren.

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