Konzept gegen das Ladensterben

Erster Fashion-Exchange-Store eröffnet in Bremen

Ein Konzept gegen das Ladensterben – der erste Fashion-Exchange-Store in Bremen eröffnet im Feldelhören mit nachhaltiger, fairer und individueller Mode.
10.07.2020, 12:39
Lesedauer: 2 Min
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Erster Fashion-Exchange-Store eröffnet in Bremen
Von Elena Matera
Erster Fashion-Exchange-Store eröffnet in Bremen

Ingo Müller-Dormann, Faex-Geschäftsführer (links), und Ayse König, Inhaberin des ersten Faex-Stores in Bremen.

Christina Kuhaupt

Die ehemalige Boutique „Mode 28“ im Fedelhören ist seit Donnerstag ein Fashion-Exchange-Store (Faex), übersetzt: Mode-Tausch-Laden. Nachhaltige Mode von unabhängigen Designern aus Deutschland und Europa sollen hier in Zukunft verkauft werden. Das Besondere an Faex: Alle vier Wochen wechseln die Kollektionen im Laden.

Das Konzept stammt von Ingo Müller-Dormann, Faex-Geschäftsführer. Seine ursprüngliche Vision: Designer sollen auf eine Art Tournee durch Deutschland ziehen, ganz so wie Musiker es tun. Sie sollen dadurch die Möglichkeit erhalten, ihre Mode bekannt zu machen. Doch die Kosten für solch eine Tour wären für die Designer zu hoch gewesen. 2016 beschloss Müller-Dormann daher, die Ware verschiedener Designer selbst mitzunehmen, und verkaufte sie für kurze Zeit in sogenannten Pop-up-Stores deutschlandweit – mit Erfolg. Der gebürtige Bremer hat seit 2016 bereits mehr als 140 Faex-Pop-ups in über 40 Städte gebracht und arbeitet mittlerweile mit gut 200 Designern zusammen.

Teststandort Fedelhören

Das Geschäft im Fedelhören soll nun ein Teststandort sein. Denn das Faex-Konzept soll hier langfristig angeboten werden. Geschäftsinhaberin Ayse König ist mit der neuen Ausrichtung ihres Ladens „Mode 28“ und der Zusammenarbeit mit dem Berliner Unternehmen zufrieden. Seit zwölf Jahren betreibt König das Geschäft im Fedelhören, das bisher ein Kollektiv von Modedesignern war. Anfang dieses Jahres kam sie mit dem Faex-Geschäftsführer Ingo Müller-Dormann in Kontakt.

„Ich fand das Konzept äußerst fair und sympathisch“, sagt König. Man helfe Designern, einen Fuß im Handel zu fassen. Gleichzeitig seien die wechselnden Kollektionen interessant für die Kunden. Ein Laden in Zeiten von Corona zu eröffnen, sei zwar ein Risiko gewesen. „Wir haben uns gedacht: Wir wagen es.“ Mit Faex könne sie ihren Kunden ein breites Sortiment anbieten. König ist selbst Modedesignerin und wird auch weiterhin ihr eigenes Label „Open Mind“ in ihrem Geschäft verkaufen. Die Kooperationen zu den anderen Designern stellt Faex her. Im Rotationsprinzip kann das Geschäft verschiedene Designer und ihre Kollektionen ausprobieren.

„Wir achten bei der Zusammenarbeit mit den Designern darauf, dass sie lokal oder in Europa produzieren und nachhaltig sind“, sagt Müller-Dormann. Im Faex-Store im Fedelhören gebe es derzeit mehr als zehn Designermarken unter anderem aus Krakau, Bremen-Nord und Berlin. Faex stehe für Slow-Fashion, das Gegenteil von Fast-Fashion, der schnellen Mode als Massenware. „Die Designer verwenden qualitative Stoffe. Die Kleidung hält viele Jahre und wird auch von den Designern repariert“, sagt König. „Qualität kostet natürlich. Wir bieten hier Kleidung von 60 bis gut 300 Euro an.“

Kleine Geschäfte mit kreativer Mode beleben die Stadt, sagt Müller-Dormann. Es könnte ein Konzept gegen das Ladensterben sein. „Dadurch, dass die Kollektionen wechseln und verschiedene Labels präsentiert werden, ist es auch ein Erlebnis für die Kunden.“

Konzept macht Angebot für Kunden interessanter

Müller-Dormann ist der festen Überzeugung, dass das Konzept der Rotation mit der Mode von unabhängigen Designern eine gute Möglichkeit für viele Boutiquen wäre, um ihr Angebot interessant zu gestalten und Kunden anzuziehen.

Seine Vision für die Zukunft sei es, dass Mode zukünftig nur noch auf Bestellung, „on demand“, verkauft werde. Die Marke „Make Monday Sunday“ aus Lüneburg, die auch im Faex-Store verkauft wird, verfolge dieses Prinzip bereits. Schnitte und Stoffe wählen die Kundinnen selbst aus. Produziert wird erst nach Bestellung.

„Das wäre nachhaltig, man würde Überproduktion vermeiden. Ich würde mir wünschen, dass sich das in Zukunft durchsetzt“, sagt Müller-Dormann. „In der Modewelt braucht man eben auch Idealismus.“

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