Handelsschifffahrt

Reeder verhalten optimistisch

Trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie konnten die deutschen Reeder die Lieferketten weitgehend aufrechterhalten. Die Wachstumsperspektiven bis 2025 beurteilen sie insgesamt verhalten.
19.11.2020, 17:37
Lesedauer: 3 Min
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Reeder verhalten optimistisch
Von Peter Hanuschke
Reeder verhalten optimistisch

So wie in Bremerhaven konnten die deutschen Reeder die Lieferketten im ersten Corona-Lockdown weitgehend aufrechterhalten.

Eurogate

Etwa 90 Prozent des globalen Güterverkehrs wird über den Seeweg transportiert. Ein Ausfall dieser Lieferketten hätte gravierende Auswirkungen. So etwas hat es bislang noch nicht gegeben. Die Handelsschifffahrt samt den vor- und nachgeschalteten Logistikeinheiten hat im ersten Corona-Lockdown gezeigt, wie krisenfest sie ist. Dennoch hat die Corona-Krise auch vielen Reedereien schwer zugesetzt. Und die Wachstumsperspektiven bis 2025 beurteilen die Reeder insgesamt verhalten, wie aus einer Branchenstudie hervorgeht, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) am Donnerstag veröffentlichte.

So erwartet die Mehrzahl der befragten Entscheider aus 95 Reedereien erhebliche Beeinträchtigungen ihrer Geschäftsprozesse in Folge der Pandemie in diesem Jahr. In den ersten Monaten der Krise seien Kurzarbeitergeld und Corona-Soforthilfen hilfreich gewesen, diese Zeiten zu überstehen. Dennoch mussten laut Studie einige Reedereien aber auch Personal entlassen beziehungsweise erwarten solche Maßnahmen.

„Die Herausforderungen der ersten Pandemie-Welle haben die Reedereien noch gut bewältigt", sagt André Wortmann, Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums bei PwC Deutschland. Jetzt stelle sich die Frage, ob der Erholungstrend in den Fracht- und Charterraten sich weiter fortsetze oder maßgeblich durch Nachholeffekte getrieben gewesen sei. Es gebe nicht den Schifffahrtsmarkt, sondern es viele Schifffahrtsmärkte, die sich gerade in den letzten Monaten sehr unterschiedlich entwickelt hätten, sagt Robert Völkl, Geschäftsführer des Bremer Rhederevereins, auf Nachfrage des WESER-KURIER. "Während die Charterraten für Containerschiffe ein auskömmliches, erfreuliches Niveau erreicht haben, sind die Raten, die in der Tankschiffe zu erzielen sind, desolat." Sie seien schlicht derzeit nicht mehr kostendeckend. "Auch die anderen Märkte folgen ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten."

Auf den ersten Lockdown bezogen, hatten 70 Reedereien in der PwC-Umfrage angegeben, dass sie große Probleme mit dem Crewwechsel hatten. Zudem führte die Mehrzahl der Reedereien regelmäßig Corona-Tests bei ihren Besatzungen durch, einzelne Reedereien mussten ganze Schiffe unter Quarantäne stellen. Der Crewwechsel sei nach wie vor die größte Sorge im operativen Geschäft, sagt Völkl. Noch immer sei der Crewwechsel nur unter größten Schwierigkeiten und mit hohen administrativen Hürden verbunden, weiß er von den Bremer Reedereien.

Beim Blick in die Zukunft gehen die Entscheider laut PwC-Umfrage mehrheitlich davon aus, dass Kurzstreckenverkehre wieder zunehmen werden und so regionale Verkehre an Bedeutung gewinnen. Es sei jedoch umstritten, ob es sich bei der erwarteten Regionalisierung um ein Strohfeuer oder eine nachhaltige Entwicklung handelt. 46 Prozent der Entscheider glauben, dass sich der Trend nach dem Ende der Corona-Krise wieder umkehre.

Die größten Herausforderungen der kommenden zehn Jahre sind in der Umfrage Finanzierungsfragen (85 Prozent) sowie die Umrüstung der Flotten, um Klimaschutz und Umweltauflagen gerecht zu werden (82 Prozent). Das deckt sich mit der Einschätzung von Völkl: Über das operative Geschäft hinaus gedacht, beschäftige die Bremer Reeder vor allem die Frage, wie die internationale Seeschifffahrt in fünf, zehn oder 20 Jahren aussehen werden.

Noch sei völlig unklar, mit welchen Kraftstoffen und mit welcher Technik die Schiffe mittelfristig angetrieben werden sollen, um deutlich klimafreundlicher zu werden. Völkl: „Schiffe, die heute gebaut und in Fahrt gesetzt werden, sollen mit ihrer Technik die nächsten 20 Jahre auf den Weltmeeren unterwegs sein.“ Eine weitere große Herausforderung sei die Finanzierung von Neubauten. Der Zugang sowohl zu Eigen- als auch zu Fremdkapital ist in Deutschland sehr schwierig geworden. Das liegt vor allem daran, dass sich so gut wie alle Banken aus der Schiffsfinanzierung zurückgezogen haben.

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