Hafenentwicklungskonzept

500 Millionen Euro für Hafeninvestitionen

Für Infrastruktur-Investitionen in die bremischen Häfen stellt das Land 500 Millionen Euro für einen Zeitraum von zehn Jahren zur Verfügung. Wo investiert wird, soll mit der Privatwirtschaft erarbeitet werden.
26.05.2021, 16:43
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
500 Millionen Euro für Hafeninvestitionen
Von Peter Hanuschke
500 Millionen Euro für Hafeninvestitionen

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Häfen in Bremerhaven und Bremen zu stärken, sollen in den nächsten zehn Jahren 500 Millionen Euro in Infrastrukturprojekte investiert werden.

DPA/Mohssen Assanimoghaddam

Ein Hafen ist nur so gut wie seine Infrastruktur, heißt es. Bislang gehörte die Infrastruktur in den bremischen Häfen – insbesondere in Bremerhaven – zu den Besseren im Vergleich zu anderen europäischen Standorten. Seit Jahren belegt Bremerhaven bezogen auf die Umschlagsmengen Platz vier in Europa. Dennoch gibt es Handlungsbedarf.

Denn die sogenannten Westhäfen in Rotterdam und Antwerpen – Nummer eins und zwei in Europa – gewinnen seit ein paar Jahren im Containerumschlag Marktanteile hinzu. In der Seestadt stagnieren dagegen die Mengen, was auch auf Hamburg zutrifft, Europas drittgrößter Hafen. Um die bremischen Häfen wettbewerbsfähiger zu machen, soll in den nächsten Jahren investiert werden: nicht nur beispielsweise in neue Kajen oder in den Ausbau von Gleisanlagen, sondern auch in Projekte, die zu einem klimaneutralen Betrieb im Hafen führen und die Digitalisierung und damit auch in manchen Abläufen die Automatisierung vorantreiben. Wo welche Projekte genau unterstützt werden, das soll sich in der Fortschreibung des Hafenentwicklungskonzepts wiederfinden. An diesem Mittwoch war dazu die Auftaktveranstaltung. Das Konzept soll in einem Jahr erarbeitet und von den politischen Gremien auf den Weg gebracht werden.

Der Inhalt des Konzepts soll nicht von der öffentlichen Hand vorgegeben werden. Das betonten auf dem Podium Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD), Robert Howe, Chef der stadtbremischen Hafenmanagementgesellschaft Bremenports, Bremerhavens Bürgermeister Melf Grantz (SPD) und der zugeschaltete Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) mehrfach in der virtuellen Auftaktveranstaltung, die ohne Publikum und damit ohne die Akteure der Häfen- und Logistikwirtschaft stattfand. In den nächsten Monaten sollen genau die aber einbezogen werden: Wo konkret investiert werden soll, das soll in zahlreichen Workshops – dann im persönlichen Austausch – mit allen Beteiligten entlang der Logistikkette und den Verbänden der Hafen- und Transportwirtschaft gemeinsam mit Bremenports erarbeitet werden, erläuterte Howe das weitere Prozedere.

Das Konzept mache nur Sinn, wenn es auch von der Privatwirtschaft mitgetragen werde, machten Grantz und die anderen Akteure deutlich. Eine neue Kaje werde zwar von der öffentlichen Hand finanziert, aber Investitionen in die Suprastruktur, etwa in notwendige neue größere Ladekräne, kämen aus der Privatwirtschaft, so der Bürgermeister der Seestadt.

Bremen werde ein Volumen von 500 Millionen Euro für einen Zeitraum von zehn Jahren zur Verfügung stellen, so Bovenschulte. Die Zukunft Bremens und Bremerhavens sei ohne wettbewerbsfähige Häfen nicht vorstellbar, sagte der Bürgermeister. In den vergangenen 30 Jahren habe man deshalb etwa 1,5 Milliarden Euro in die Häfeninfrastruktur investiert. "Wir müssen diesen konsequenten Entwicklungskurs nun fortsetzen."

Ganz ausgeschlossen waren die Privatwirtschaft und Verbände bei der Auftaktveranstaltung aber doch nicht – zumindest gab es ein paar aufgezeichnete Beiträge, die zwischendurch eingespielt wurden. Die Häfen seien heute konkurrenzfähig, sagte darin unter anderem Frank Dreeke, Vorstandsvorsitzender der BLG Logistics Group. Dennoch sei es mit Blick auf die europäischen Mitbewerber wichtig, dass Bremerhaven in Zukunft in die Lage versetzt werde, die ganz großen Containerschiffe zu bewirtschaften. Dafür sei es notwendig, die Kajen in Bremerhaven zu ertüchtigen, um die großen Containerbrücken einsetzen zu können. Notwendig sei auch die Weservertiefung. Diese Vorhaben unterstütze auch die Gewerkschaft, so Markus Westermann von Verdi. Wichtig sei aber auch, dass es weiterhin nur tarifgebundene Arbeitsplätze gebe. Denn diese Mitarbeiter seien diejenigen, die sich mit dem Hafen identifizierten.

Unterstützung für eine Weservertiefung gab es vom Umweltverband BUND Bremen zwar nicht, aber Geschäftsführer Martin Rode sieht durchaus positive Entwicklungen – etwa darin, die Hafenanlagen klimaneutral betreiben zu wollen. Das müsse auch Ziel für den Betrieb insgesamt sein, beispielsweise für Schiffsantriebe.

Für Dieter Kanning, Vorsitzender der Initiative Stadtbremische Häfen (ISH), war es wichtig, hervorzuheben, dass die Häfen in Bremen funktionierten und man sie benötige. Die ISH erwarte auch künftig Investitionen in die Infrastruktur der bremischen Häfen. 

Die größte Herausforderung sei das Bestehen im Wettbewerb mit den Westhäfen und den neuen stärker werdenden Ostseehäfen, sagte Christoph Bruns, Sprecher des Präsidiums der Bremischen Hafen- und Logistikvertretung (BHV), in seinem Videobeitrag. Gleiches gelte für eine bessere Zusammenarbeit der norddeutschen Häfen in der Zukunft. Zudem sollten, so Bruns, jegliche Vorhaben innerhalb des Hafenentwicklungskonzepts mit den Akteuren und Verbänden der Hafen- und Logistikwirtschaft abgestimmt werden. 

Genau das sei in dem nun beginnenden Prozess das Ziel, sagte im Anschluss Howe, der auch die konkreten Vorschläge des Verkehrsunternehmens EVB begrüßte – etwa den Ausbau der Schienenanlagen im Hafen. "Wenn man wachsen will, braucht man auch die entsprechende Infrastruktur", so Sebastian Doderer, Leiter des Geschäftsbereichs Logistik bei der EVB. Man benötige beispielsweise auch dringend Lokabstellplätze für elektrische Lokomotiven, so wie es in vielen anderen Häfen bereits umgesetzt worden sei. Derzeit müssten die Loks immer nach Lehe gebracht werden, das sei nicht mehr zeitgemäß.

Dass der Gütertransport auf der Schiene gerade auch hinsichtlich der Klimafreundlichkeit noch weiter ausgebaut werden muss, das sieht auch Howe so. Auch wenn man darin schon jetzt weltweit führend sei: Jeder zweite Container werde auf der Schiene von und nach Bremerhaven transportiert.

Zur Sache

OTB ist noch dabei

Jahrelang wurde geplant, aber ob der Offshore Terminal Bremerhaven überhaupt irgendwann einmal gebaut werden kann, damit beschäftigen sich seit einigen Jahren verschiedene Gerichte. Der OTB spiele in der kurzfristigen Investitionsplanung keine Rolle, sagte Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum Hafenentwicklungskonzept. Man werde die Ergebnisse der Gerichtsverfahren abwarten und dann eine neue Bewertung vornehmen. Der OTB befinde sich zwar in einem gerichtsanhängigem Verfahren, aber man werde in diesem oder spätestens im nächsten Jahr den nächsten Verfahrensschritt angehen, so Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe. Er sei nach wie vor davon überzeugt, dass man einen solchen Schwerlasthafen in Bremerhaven benötige.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+