Neue Firmenzentrale im Börsenhof Kaefer will lange in Bremen bleiben

Bremen. Kaefer Isoliertechnik ist ein Bremer Familienbetrieb - aber auch ein internationaler Konzern mit 17.000 Mitarbeitern. Am Dienstag bezieht Kaefer seine neue Firmenzentrale im Börsenhof. Vorstandschef Peter Hoedemaker setzt auf weiteres Wachstum und den Standort Bremen.
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Günther Hörbst

Bremen. Kaefer Isoliertechnik ist ein traditioneller Bremer Familienbetrieb - aber auch ein internationaler Konzern mit 17.000 Mitarbeitern. Heute bezieht Kaefer seine neue Firmenzentrale im Börsenhof. Vorstandschef Peter Hoedemaker erklärt, was das neue Gebäude für die Unternehmenskultur bedeutet und wie die Wachstumsstrategie von Kaefer aussieht. Mit ihm sprachen Krischan Förster und Günther Hörbst.

Herr Hoedemaker, wie fühlen Sie sich in Ihrem neuen Zuhause?

Peter Hoedemaker:Es ist ein schönes, großes, repräsentatives Gebäude für die Kaefer-Gruppe. Eines, das nun auch zur Modernität der Gruppe passt. Es hat eine historische Fassade, ist aber sehr modern von innen. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Symbolisiert es die Verbindung von Tradition und Moderne, die auch auf das Unternehmen zutrifft?

Ja, das sieht man auch, wenn man auf das Gebäude zuläuft. Die alte Fassade haben wir wiederhergestellt, auch der alte Eingang ist erhalten geblieben. Der Sandstein des Erdgeschosses wird ergänzt durch den Sandstein der oberen modernen Aufstockung. Ich bin sehr zufrieden. Es ist auch nicht protzig, sondern zurückhaltend.

Im Erdgeschoss fallen die großen Fenster auf...

...das war beabsichtigt. Damit haben wir uns zum Marktplatz hin geöffnet und werden mehr Wahrnehmung in Bremen bekommen. Wir sind ja eine traditionelle Firma. In der alten Zentrale in der Bürgermeister-Smidt-Straße waren wir ein wenig an den Rand gedrückt.

Sie sind sozusagen mit dem neuen Haus in Bremens Mitte gerückt.

Ja, aber nicht nur das. Durch die Transparenz der großen Fenster sind auch unsere Mitarbeiter plötzlich mehr wahrnehmbar. Das Haus ist elegant und zurückhaltend geworden, aber offen.

Wie wirkt sich das denn auf Ihre Mitarbeiter aus? Gehen die nun mit einem anderen Selbstbewusstsein zur Arbeit?

Am Anfang war es nicht so einfach. Einige hatten Angst vor dem Umzug. Was man hat, hat man, was man bekommt, weiß man nicht. Das haben wir verstanden. Deshalb haben wir uns viel Mühe gegeben, den Mitarbeitern diesen Schritt zu vermitteln. Wir haben intern Bedenken ausgeräumt, die Mitarbeiter mit einbezogen. Alle waren von Anfang an über dieses Projekt informiert. Am Tag des Umzugs gab es noch Restängste, die waren am nächsten Tag aber weg. Ich hoffe, dass jetzt alle sehr zufrieden sind.

Wie schwierig war denn der Umzug? So zwischen Tag der Einheit und Freimarkt?

Es war eine große logistische Herausforderung. Wir hatten ein einziges Wochenende zwischen den beiden Veranstaltungen. Nur an diesen Tagen war der Weg zum Marktplatz frei. Das ist der Nachteil dieser zentralen Lage. Aber es hat alles wunderbar geklappt.

Wie viele Lkw-Fuhren waren nötig?

Das kann ich Ihnen nicht genau sagen. Es lief aber ab wie eine Militäroperation: Freitag um 15 Uhr mussten alle Sachen fertig gepackt sein und jeder musste die bisherigen Standorte in der Bürgermeister-Smidt-Straße verlassen haben. Dann kam die Umzugsfirma. Die Lkws fuhren dann im Wechsel hin und her. Am Sonnabendabend war alles fertig. Und am Montag um 9 Uhr konnten unsere Leute in ihren Büros arbeiten.

Hat auch alles funktioniert? Telefon, Computer?

Alle konnten ihren Job machen, ja.

Wie sind Sie überhaupt auf das Gebäude im Börsenhof gestoßen?

Das Haus gelangte nach dem Verkauf durch die Deutsche Verkehrsakademie über Umwege an die Handelskammer Bremen. Die Weser-Wohnbau hat es als Bauherr umgebaut und dann an die Handelskammer verkauft. Wir sind jetzt die Mieter.

Wie langfristig ist der Mietvertrag?

Sehr langfristig, quasi lebenslänglich. Der Umzug in den Börsenhof ist ein klares Signal, dass wir für lange Zeit in Bremen bleiben wollen.

Das war ja nicht immer so. Sie hatten sich sogar schon außerhalb umgesehen.

Es gab einige Irritationen und auch Ärger in der Vergangenheit. Das ist aber jetzt geklärt. Wir sind ein traditionelles Bremer Unternehmen, das mit diesem Gebäude ausdrücken will, dass wir ein gesundes Wachstum anstreben. Dass wir hier direkt am Marktplatz sitzen, ist sowohl für die Außenwirkung wichtig als auch für Mitarbeiter und Kunden, die uns besuchen. Und auch die Wirkung auf mögliche neue Mitarbeiter ist nicht zu unterschätzen. Das kann ausschlaggebend sein, wenn Bewerber, die wir gern gewinnen möchten, hier über den Marktplatz gehen und in unser neues Haus kommen. Da sagt der eine oder andere dann eher: Wow, hier will ich unbedingt arbeiten.

Das Gebäude wurde ja grundlegend saniert. Sie als Isolierexperten haben doch sicher auf höchste Ansprüche gepocht!

Wir haben selbst nichts gemacht. Aber wir haben das natürlich eng begleitet. Die Wände wurden von innen gedämmt, im Keller stehen zwei Blockheizkraftwerke, auf dem Dach haben wir eine Fotovoltaikanlage und Solarzellen für die Warmwasseraufbereitung im oberen Geschoss.

Was passiert eigentlich mit Ihrem bisherigen Gebäude in der Bürgermeister-Smidt-Straße?

Dies ist noch nicht endgültig entschieden. Eine Entscheidung wird wahrscheinlich zur Jahreswende fallen.

Sie haben noch ein wenig Platz im neuen Hauptquartier. Das lässt auf eine Wachstumsstrategie schließen. Wo wollen Sie denn mit Kaefer wachsen?

Besonders in den sogenannten BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China. In Brasilien haben wir erst kürzlich eine Firma gekauft. Wir haben da auch noch mehr vor. In Indien sind wir sehr aktiv. Wir haben dort 1500 Mitarbeiter und sieben Niederlassungen, vor drei Jahren waren es 100 Leute. Russland und China bauen wir vorsichtig auf. Viel passiert auch im Nahen Osten sowie in Ozeanien und Ostasien.

Haben Sie sich bestimmte Ziele vorgenommen? Wie viel Sie wachsen wollen?

Wir hatten in den letzten zwei Jahren rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Dieses Jahr werden wir diese Marke auch erreichen. Nach dem Ende der Krise wollen wir wieder angreifen. Ein Umsatzziel von 1,5 Milliarden Euro sollte bald erreicht werden. In fünf Jahren sollten wir ordentlich darüber hinaus kommen. Aber Wachstum allein ist nicht das Entscheidende.

Was dann?

Es geht um zukunftsfähiges Wachstum, eines das nachhaltig ist und die Firma über viele Jahre sichert.

Gerade haben Sie Aufträge im Wert von 800 Millionen Euro geschlossen. 700 neue Jobs wollen sie dadurch schaffen. Wie viele Mitarbeiter werden es denn mit Ihrer Wachstumsstrategie in fünf Jahren sein? Jetzt sind es 17000.

Das ist sehr schwer zu sagen. Viel hängt von Zufällen ab. Bekommt man einen Auftrag, etwa den für 200 Millionen Euro, den wir gerade in Australien geschlossen haben, bedeutet das 200 neue Jobs vor Ort. Bekommt ihn der Konkurrent, bedeutet es bei uns null neue Jobs. Aber grob geschätzt könnten wir in fünf Jahren 25000 Mitarbeiter weltweit haben.

Was bedeutet das für den Standort Bremen?

Es ist zunächst ein nachhaltiger Faktor für Bremen. Wir haben hier rund 500 Mitarbeiter. Wenn es so läuft, wie geplant, sind diese Jobs erst mal sicher. Zudem hat die Zentrale im Vergleich zu einem Standort eine andere Besetzungsstruktur. Hier brauchen wir vor allem hochqualifizierte Mitarbeiter im Bereich Management und Verwaltung. Die holen wir hierher. Das ist auch für die Stadt natürlich interessant. Es bringt kulturelle Vielfalt nach Bremen, weil wir zunehmend internationales Personal anwerben. Die ersten Erfolge sieht man schon: Bei der Schaffermahlzeit wird nun auch Gouda-Käse angeboten (lacht).

Kaefer hat doch auch eine Forschungsabteilung in Bremen.

Ja, unsere zentrale Einheit, die neue Technologien erforscht, sitzt hier. Hier wird unter anderem auch für das Wüstensolarprojekt Desertec geforscht. Da wird unheimlich viel gebrütet, da passiert unglaublich viel. Denn wir benötigen nicht das Bekannte, dafür benötigen wir grundlegend Neues. Wir sind in Gesprächen mit Syrien, wo Desertec eine Referenz-Solaranlage errichten könnte. Da reden wir über ein Milliardengeschäft. Und die Technologie im Bereich Isolierung dafür wird hoffentlich aus unseren Forschungslabors in Bremen kommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+