Arbeitsmarktbericht für Bremen

Kurzarbeit auf Vor-Corona-Niveau

Über den September zeigt sich der Chef der Bremer Arbeitsagentur, Joachim Ossmann, sehr erfreut. Sowohl die Zahlen bei den Arbeitslosen als auch die bei der Kurzarbeit gehen nahezu auf Vorkrisenniveau zurück.
30.09.2021, 14:50
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Kurzarbeit auf Vor-Corona-Niveau
Von Florian Schwiegershausen

Die Kurzarbeit spielt in der Region nahezu keine Rolle mehr. Dieses Fazit hat am Donnerstag der Chef der Arbeitsagentur, Joachim Ossmann, bei der Präsentation der aktuellen Statistiken gezogen. Im Bezirk der Arbeitsagentur, zu dem Bremen, Bremerhaven und der Landkreis Osterholz gehören, gab es im September 22 Unternehmen, die Kurzarbeit angezeigt hatten. Vor einem Jahr waren dies noch 65 Betriebe.

Schaut man auf die Stadt Bremen, zeigt sich ein ähnliches Bild: In der Hansestadt zeigten für September 14 Betriebe Kurzarbeit an – gegenüber 34 Unternehmen im August und 65 Betrieben im Vorjahresmonat. Ob die Unternehmen ihre Beschäftigten wirklich in Kurzarbeit schicken, lässt sich in der Statistik erst mit einem halben Jahr Verzögerung ablesen. Wie viele Beschäftigte im Bremer Mercedes-Werk also im April, Mai und Juni wegen der fehlenden Halbleiter in Kurzarbeit waren, taucht in der Statistik erst zum Ende des Jahres auf.

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Nun liegen die Zahlen für den vergangenen März vor: Damals waren in Bremen 21.038 Beschäftigte in Kurzarbeit und in Bremerhaven 5871. Ein Blick auf den ersten Pandemiemonat, also April 2020, zeigt: Damals waren in der Hansestadt 61.516 Personen in Kurzarbeit, und in der Seestadt waren es 10.648 Menschen.

Wenn nun für immer weniger Betriebe Kurzarbeit ein Thema ist, beginnt für die Arbeitsagentur die Nachbearbeitung: Stichprobenartig werden in Betrieben die Kurzarbeitslisten vom letzten Jahr kontrolliert. Zwecks Suche nach Sozialbetrug hat die Arbeitsagentur extra 20 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Ossmann sagte abschließend: "Bisher haben wir nur in sehr geringem Rahmen Fälle von Sozialbetrug feststellen können."

Bremen unter zehn Prozent

"Es ist ein sehr erfreulicher Tag für mich", sagte Agenturchef Ossmann auch mit dem Blick auf die Arbeitslosenzahlen. Die gingen mit dem Ende der Schulferien deutlich zurück. Seit März 2020 liegt in der Stadt Bremen die Arbeitslosenquote mit 9,8 Prozent zum ersten Mal wieder unter der Marke von zehn Prozent. Damit waren in Bremen im September 29.999 Personen ohne Arbeit. Dass man mit dieser Zahl unter die 30.000 gekommen ist, ist laut Ossmann reiner Zufall. In Bremerhaven sank die Arbeitslosenquote verglichen mit August um 0,4 Punkte auf 12,8 Prozent. In der Seestadt waren 7684 Personen als arbeitslos gemeldet. "Wir haben das Vorkrisenniveau nahezu erreicht oder sogar unterschritten", leitete der Agenturchef von den aktuellen Statistikzahlen ab.

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Ein ähnliches Bild zeigt sich in Niedersachsen. Hier sank die Arbeitslosenquote im September verglichen mit dem Vormonat um 0,3 Punkte auf 5,2 Prozent. Eine ähnliche Quote gab es in dem Bundesland zuletzt im März 2020. Da lag sie bei 5,1 Prozent. Hier waren 229.605 Menschen ohne Arbeit. Gegenüber dem Monat August ist das ein Minus von 33.652 Personen. Der Landkreis Osterholz, der Teil des Bezirks der Bremer Arbeitsagentur ist, liegt die Quote bei drei Prozent, was man mit Vollbeschäftigung gleichsetzt.

Weniger Jugendarbeitslosigkeit

Für den Bremer Agenturbezirk sieht Joachim Ossmann neben der positiven Arbeitsmarktentwicklung eine weitere Ursache für die derzeitige Situation: "Dies geht zu einem großen Anteil auf den Beginn von schulischer und betrieblicher Ausbildung zurück. Entsprechend hoch ist auch der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit mit einem Minus von 12,7 Prozent ausgefallen. Außerdem gab es nach den Sommerferien wieder mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen." Diese Personen werden nicht als arbeitslos gezählt.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften habe im September zugenommen. Hier konnte die Arbeitsagentur verglichen mit dem Vorjahresmonat 1830 zusätzliche Stellen verzeichnen. Laut Ossmann sind es vor allem Betriebe aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Handel und dem Dienstleistungsbereich, die zusätzliche Mitarbeiter suchen. Ein weiteres Zeichen, dass die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern in der Stadt Bremen wieder steigt: Die Zahl der Stellen, die länger als drei Monate unbesetzt sind, nimmt stetig zu. Lag sie im Juni noch bei 2342 offenen Arbeitsstellen, liegt sie jetzt im September inzwischen bei 2900.

Es gibt noch Ausbildungsplätze

Auch wenn das Ausbildungsjahr zum ersten September begonnen hat, sei hier immer noch Bewegung drin. "Man kann auch jetzt immer noch eine Ausbildung beginnen", ermunterte Ossmann diejenigen, die vielleicht doch noch auf den letzten Drücker einen Platz suchen. In der Stadt Bremen gibt es 550 unbesetzte Ausbildungsplätze, in Bremerhaven sind es 150 und im Landkreis Osterholz etwa 100. Interessenten können sich unter der Rufnummer 08 00 4 55 55 00 mit der Jugendberufsagentur in Verbindung setzen. Nach wie vor sind Bäcker und Fleischer auf der Suche nach Azubis, ebenso suchen die Logistikbranche, das Handwerk sowie der Einzelhandel und Versicherungen. "Es geht auch darum, die jungen Menschen davon zu überzeugen, besser eine Ausbildung zu machen, als jobben zu gehen", sagte der Agenturchef.

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