Auftragsbücher voll Mehr Beschäftigte auf deutschen Werften

Auf deutschen Werften ist mit 15.600 die Zahl der Beschäftigten zwar um 2,8 Prozent gestiegen im Vergleich von vor zwölf Monaten, aber trotzdem warnt die IG Metall vor erheblichen Jobverlusten in der deutschen Werftindustrie.
15.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mehr Beschäftigte auf deutschen Werften
Von Markus Lorenz

Auf deutschen Werften ist mit 15.600 die Zahl der Beschäftigten zwar um 2,8 Prozent gestiegen im Vergleich von vor zwölf Monaten, aber trotzdem warnt die IG Metall vor erheblichen Jobverlusten in der deutschen Werftindustrie.

Laut der am Montag in Hamburg vorgestellten Schiffbau-Umfrage der Gewerkschaft befürchten Betriebsräte für die kommenden Monate den Wegfall von „mehreren hundert Arbeitsplätzen“. Meinhard Geiken, Chef des IG Metall-Bezirks Küste: „Einige Betriebe wie die Flensburger Schiffbau Gesellschaft, Nobiskrug in Rendsburg und die Nordic Yards in Wismar, Warnemünde und Stralsund benötigen dringend neue Aufträge.“

Kritisch sei die Lage vor allem für Betriebe in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, so Heino Bade, Schiffbauexperte der IG Metall. Teils ausgezeichnet laufe es dagegen im nordwestlichen Niedersachsen, allen voran bei der Meyer-Werft in Papenburg. Aber auch in Bremerhaven, speziell bei der Lloyd-Werft, sei die Auftragslage gut.

8 neue Aufträge weniger als im Vorjahr

Nach den Angaben von 40 Werft-Betriebsräten ist die Zahl der Neubestellungen deutlich gesunken. Studienautor Thorsten Ludwig von der Agentur für Struktur- und Personalentwicklung: „Zwischen September 2014 und August 2015 sind im zivilen Schiffbau nur 25 Neubauaufträge eingegangen, im selben Vorjahreszeitraum waren es 33.“

Die Orders verteilten sich dabei auf nur sieben Schiffbauunternehmen, der Schwerpunkt liege eindeutig im Bau von Passagier- und Kreuzfahrtschiffen. Besonders alarmiert sind die Gewerkschafter wegen der Flaute in der als Zukunftsmarkt ausgemachten Offshore-Industrie. Ludwig: „Erstmals seit fünf Jahren gibt es keinen einzigen Auftrag für Offshore-Komponenten wie Plattformen und Errichterschiffe.“

>>Kommentar zum Thema: Schlechte Planung der Werften<<

Positives vermelden dagegen vor allem die Meyer-Werft, die gerade Aufträge für drei riesige Kreuzfahrer (Aida, Caribbean) verbucht hat, sowie die Lloyd-Werft. Die Bremerhavener kehren ins Kreuzfahrtgeschäft zurückkehrt und werden zwei Schiffe für Crystal Cruises bauen. Auch die auf Flusskreuzfahrer spezialisierte Neptun-Werft in Rostock, die Bremer Jacht-Hersteller Lürssen und Abeking & Rasmussen (Lemwerder) sowie die Hitzler-Werft in Lauenburg konnten die Orderbücher auffüllen.

Bei anderen Betrieben ist der Auftragsbestand dagegen bedenklich abgeschmolzen. So reicht die Arbeit bei der Flensburger Schiffbaugesellschaft und bei Nobiskrug nur noch für ein Jahr, bei Nordic Yards sogar nur noch für zehn Monate.

Werften aus Spanien, Italien und Frankreich könnten Aufträge abjagen

Zwiespältig sei die Situation bei Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) in Kiel, sagte Bade. Während dort das U-Boot-Geschäft floriere, gebe es im Segment der Überwasser-Marineschiffe erhebliche Ungewissheit. Bade kritisierte die politische Weichenstellung bei der geplanten Anschaffung von sechs Mehrzweckkampfschiffen (MKS 180) durch die Bundesmarine, Auftragsvolumen: vier Milliarden Euro. „Völlig unnötig“, so der Gewerkschafter, habe der Bund den Bau europaweit ausgeschrieben

Die privaten deutschen Anbieter hätten dabei einen schweren Stand gegen ausländische Konkurrenz. Bade: „Wir treten ausschließlich gegen staatliche Werften an.“ Er fürchtet, dass die Mitbewerber aus Spanien, Italien und Frankreich mit Hilfe staatlicher Subventionen den deutschen Werften diesen Referenz-Auftrag abjagen könnten. Darunter hätte außer TKMS auch Blohm + Voss in Hamburg zu leiden.

Auch Bezirksleiter Geiken forderte Berlin auf, den drohenden neuerlichen Niedergang der nationalen Schiffbauindustrie zu stoppen. Dazu zähle eine nationale Innovationsinitiative Schiffbau, die Förderung alternativer maritimer Antriebstechnologien, aber auch mehr Klarheit beim Ausbau der Windenergie. Geiken: „Die Deckelung der Offshore-Parks muss weg, und wir brauchen schnell Klarheit über die Bedingungen bei der Ausschreibung von Windparks, damit Investoren wissen, woran sie sind.“ Kommentar Seite 2

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+