Banken in Bremen

Mehr Gebühren, weniger Personal

Viele Geldhäuser bitten ihre Kunden bei Girokonten bereits zur Kasse. Wie eine Studie nun ergeben hat, dürften weitere Banken folgen. Auch in Bremen reagieren die Institute auf die Niedrigzinsphase.
12.06.2017, 19:39
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Beneke und Jörn Bender

Viele Banken haben ihre Gebühren schon erhöht. Ein Ende der Preisspirale ist aber noch längst nicht abzusehen. Denn wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young nun ergeben hat, müssen sich die Kunden weiter auf steigende Kosten einstellen. Fast ein Drittel der befragten Institute gab demnach an, die Gebühren für Privatkunden schon erhöht zu haben oder dies noch zu planen.

Mehr bezahlen müssen die Kunden vor allem für ihre Girokonten. Bei mehr als einem Viertel der Institute hat oder wird sich der Preis noch erhöhen. Auch für Überweisungen, so gab knapp ein Fünftel der Banken an, sollen die Kunden tiefer in die Tasche greifen.

Verdrängungswettbewerb gestartet

„Banken müssen sich alle Gedanken machen: Wie finanziere ich meinen Betrieb?“, sagt Dirk Müller-Tronnier, Bankenexperte bei der Ernst & Young (EY). „Da scheint es nahezuliegen, Gebühren zu erheben für alles Mögliche – und dann ist die Frage: Kann ich mir das leisten?“ Denn der Wettbewerb um Kunden im deutschen Bankenmarkt ist nach wie vor hart. Wer Gebühren erhöhe, riskiere den Verlust von Kunden, sagt Müller-Tronnier. Letztlich erwarte er einen Verdrängungswettbewerb.

Die Auswirkungen eines solchen Verdrängungswettbewerbs sind in Bremen schon seit Längerem zu beobachten: Personal wird abgebaut, einige Banken wie Credit Suisse haben sich ganz vom Standort zurückgezogen. Ein Ende dieser Entwicklung? Nach Angaben von Susanne Hylla, in Bremen bei der Gewerkschaft Verdi für den Bereich Finanzdienstleistungen zuständig, ist nicht absehbar.

Ergebnisse „keine Überraschung“

"Die Ergebnisse der Ernst-&-Young-Umfrage überraschen mich nicht", sagt sie daher. So stünden auch in Bremen in den kommenden Monaten weitere Veränderungen an. Konkret bezieht sie sich damit vor allem auf den zu erwartenden Stellenabbau bei der Commerzbank, dem Bankhaus Neelmeyer und der Bremer Landesbank (BLB). Alle Institute haben in der Vergangenheit bereits angekündigt, dass sie Jobs in der Hansestadt streichen wollen.

Sorgen bereitet Hylla aber nicht nur der Personalabbau, sondern auch, dass viele Auszubildende nach Abschluss ihrer Lehrzeit – wenn überhaupt – nur eine befristete Anschlussanstellung bekommen würden.

Zehn Prozent weniger Jobs

Dass im kommenden Jahr weitere Stellen im Bremer Bankensektor wegfallen, davon geht auch Hans-Dieter Rahden, Geschäftsführer vom Bankenverband Bremen, aus. Er rechnet für seinen Bereich – er spricht für nun noch 17 Privatbanken am Standort – damit, dass im Laufe des Jahres zehn Prozent aller Jobs, also noch einmal mehr als einhundert Arbeitsplätze, gestrichen werden.

Aussagen, die sich mit denen der bundesweiten EY-Studie decken: Mehr als zwei von fünf befragten Instituten gaben demnach an, dass der eigene Personalbestand in den kommenden zwölf Monaten leicht oder deutlich sinken wird. Nur jedes zehnte Institut will zusätzliche Stellen schaffen.

Volksbank baut auf

Die Bremische Volksbank plant nach eigenen Angaben als eine der wenigen Banken, zusätzlich Personal aufzubauen. Dies solle vor allem im Individualkundenbereich geschehen, sagt Ulf Brothuhn, Vorstandsvorsitzender der Bremischen Volksbank. Bereits im vergangenen Sommer hat das Institut seine Gebühren erhöht, Änderungen seien in nächster Zeit nicht geplant.

Bei der Commerzbank ergibt sich ein umgekehrtes Bild: Aktuell läuft innerhalb des Instituts ein konzernweites Stellenabbauprogramm. Am kostenfreien Girokonto will das Institut aber auch in Zukunft festhalten. „Wir wollen mehr Bremer als Kunden gewinnen und das funktioniert nicht mit Gebührenerhöhungen“, sagt Niederlassungsleiter André Lorenzen.

Commerzbank baut ab

Zu den konkreten Entwicklungen am Bankenplatz Bremen und deren Auswirkungen auf die Commerzbank will sich die Großbank nicht äußern. Ein Sprecher: „Richtig ist, dass die Bankenlandschaft gerade stark in Bewegung ist, nicht zuletzt auch im Landesbankensektor. Und alle Veränderungen bieten uns Chancen.“ Wie viele Jobs in Bremen im Zuge des Jobabbauprogramms, in dessen Zusammenhang mehrere Tausend Stellen wegfallen sollen, gestrichen werden, dazu macht er mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen keine Angaben.

Die Sparkasse Bremen hat bereits vor zwei Jahren ein Vorruhestandspaket verabschiedet, auf dessen Basis nun jedes Jahr einige Mitarbeiter in den Vorruhestand gehen. Ihre Stellen werden nicht wieder ersetzt. Ein Stellenabbau darüber hinaus ist nach Angaben des Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Tim Nesemann aber nicht vorgesehen. Im Gegensatz zu anderen Instituten plane die Sparkasse zudem nicht, ihre Gebühren für Privatkunden in diesem Jahr zu erhöhen.

120 Institute befragt

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat ihr Bankenbarometer am Montag vorgestellt. Für die Umfrage hat EY im April bundesweit Vertreter von 120 Banken befragt – Volks- und Raiffeisenbanken genauso wie Sparkassen, Groß- und Privatbanken. Die Institute stehen gemessen an der Bilanzsumme nach EY-Angaben für 70 bis 80 Prozent des deutschen Bankenmarktes.

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