Cloud-Diensten sollte man nicht blindlings vertrauen / Bei ausländischen Anbietern gelten meist andere Datenschutzgesetze Meine Wolke gehört mir

Bremen. Cloud-Dienste sind praktisch. E-Mails, Kontakte, Termine, Fotos, Filme und Dokumente – alles lässt sich im Browser oder mit dem Smartphone aufrufen und bearbeiten. Ein Abgleich zwischen den Geräten geschieht wie von Geisterhand übers Netz. Doch die Cloud ist kein umwölkter, anonymer Ort für Daten, sondern die Serverfarm einer Internetfirma. Welche Anbieter vertrauenswürdig sind, sollte man sorgfältig prüfen – und sich im Zweifel unabhängig machen. Denn viele Dienste lassen sich in Eigenregie realisieren.
28.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Dirk Averesch

Bremen. Cloud-Dienste sind praktisch. E-Mails, Kontakte, Termine, Fotos, Filme und Dokumente – alles lässt sich im Browser oder mit dem Smartphone aufrufen und bearbeiten. Ein Abgleich zwischen den Geräten geschieht wie von Geisterhand übers Netz. Doch die Cloud ist kein umwölkter, anonymer Ort für Daten, sondern die Serverfarm einer Internetfirma. Welche Anbieter vertrauenswürdig sind, sollte man sorgfältig prüfen – und sich im Zweifel unabhängig machen. Denn viele Dienste lassen sich in Eigenregie realisieren.

Die angebotenen Dienste sind oft nur deshalb kostenlos, weil Inhalte und Nutzerverhalten für individuelle Werbung ausgewertet werden. "Google scannt die E-Mail-

Inhalte, um Werbung passgenau einblenden zu können", nennt Marit Hansen, Stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein, ein Beispiel. "Dafür muss man ein Bewusstsein haben."

Viele der Cloud-Anbieter sind zudem US-Unternehmen. Sie sind dazu verpflichtet, US-Behörden Datenzugriff zu gewähren – selbst wenn das Rechenzentrum auf deutschem oder europäischem Boden steht und der Nutzer Kunde bei einer rechtlich selbstständigen Tochter des US-Unternehmens ist, erklärt Hansen. Es gebe auch einige

EU-Länder mit weitgehenden Zugriffsermächtigungen. Dazu gehöre Schweden mit einem Abhörgesetz für den gesamten grenzüberschreitenden Datenverkehr – inklusive der Befugnis, anderen Ländern Daten weiterzugeben.

Der Datenschutzverein FoeBuD hat der Cloud deshalb 2011 einen "Big Brother Award" verliehen. "Bei der Wahl zwischen kurzfristigem ökonomischen Vorteil und einem langfristigen abstrakten Wert wie Privatsphäre zieht der abstrakte Wert fast immer den Kürzeren", hieß es in der Laudatio. Es gelte, sich "technisch und juristisch kundig zu machen und nicht immer den bequemsten Weg zu gehen".

Während die Datenübertragung zwischen Nutzer und Cloud meist noch verschlüsselt abläuft, ist dies bei der Speicherung und Verarbeitung auf Anbieterseite oft nicht mehr oder nicht wirksam der Fall. Denn zielgerichtete Werbung oder neue Server-gebundene Dienste wie die Sprachassistenz auf Ios- oder Android-Handys funktionieren nur mit Klartext. Und Anbieter, die verschlüsselt speichern, können Daten wieder entschlüsseln – so auch Apple mit der Icloud, erklärt Hansen.

"Die Frage ist, wem traut man und wie der Rechtsschutz ist", sagt die Datenschützerin. "Wenn man die AGBs durchsieht, steht schon oft ehrlich drin, wonach die Inhalte durchleuchtet werden." Mancher Anbieter behält sich zum Beispiel Kontrollen vor, um Daten wegen Nacktheit, Gotteslästerung oder Obszönität löschen zu können. Man sollte wissen, woher das Unternehmen oder dessen Muttergesellschaft kommt. Deutsche Anbieter genießen wegen des strengen Datenschutzes hierzulande einen Vertrauensvorschuss. Zum Nulltarif gibt es ihre Dienste aber seltener. "Vielleicht muss man auch einmal fünf oder zehn Euro bezahlen", sagt Hansen.

Natürlich sind nicht alle Daten im gleichen Maße sensibel oder schützenswert. Wer werbefinanzierte oder ausländische Anbieter nutzt, sollte seine Daten über verschiedene Dienste streuen. Vor allem bei Onlinespeichern ist die Datenverschlüsselung ratsam, zum Beispiel mit Freeware wie Truecrypt oder BoxCryptor, das als virtuelles PC-Laufwerk eingebunden wird.

Auch beim Mailen liegt die Unabhängigkeit näher als man denkt. Die meisten deutschen Hoster wie Domainfactory, 1&1, Host Europe, Strato oder SynServer bieten ab rund einem Euro im Monat Mailserver mit eigener Internetadresse an. Auch Exchange-Server-Lösungen zum zusätzlichen Verwalten und Synchronisieren von Kontakten und Terminen sind erhältlich.

Viele weitere Cloud-Dienste lassen sich in Eigenregie ersetzen, wenn man bei den Hostern einen virtuellen Server (V-Server) bucht. Kosten: ab fünf Euro im Monat. Seine Daten gar nicht aus der Hand zu geben braucht, wer zu Hause einen alten Rechner, ein altes Notebook oder einen besseren Netzwerkspeicher (NAS) zum Server umfunktioniert und diesen per DynDNS-Dienst ständig erreichbar macht.

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