Projekt „Redwood“ der Bremer Werft

Neue Superjacht bei Lürssen in Arbeit

Nach dem Großbrand bei Lürssen ein hoffnungsvolles Zeichen für die Bremer Werft: Am Standort in Berne ist der Rumpf einer über 140 Meter langen neuen Jacht zu Wasser gelassen worden.
13.12.2018, 22:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Eckardt und Peter Hanuschke
Neue Superjacht bei Lürssen in Arbeit

Der Stahlkasko der neuen Lürssen-Jacht ist in dieser Woche zu Wasser gelassen worden – mit Hilfe eines Schiffshebewerks, das fast 5000 Tonnen tragen kann

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Das Jahr 2018 dürfte bei Lürssen als „annus horribilis“ in die Unternehmenschronik eingehen. Ein Großbrand zerstörte Mitte September eine fast fertige Luxusjacht nahezu komplett und beschädigte das Schwimmdock der Bremer Werft stark. Doch zum Jahresende gibt es doch noch positive Nachrichten: In dieser Woche ist der Stahlkasko einer über 140 Meter langen neuen Superjacht am Standort Berne-Warfleth über das bis zu 4800 Tonnen tragende Schiffshebewerk zu Wasser gelassen worden.

Bei der Jacht mit der Baunummer 13704 soll es sich um das Projekt „Redwood“ handeln, das vom italienischen Design-Studio Nuvolari Lenard entwickelt wurde und 2020 fertig gestellt sein soll. Die weitere Ausrüstung der Jacht soll aufgrund des derzeit nicht zur Verfügung stehenden Schwimmdocks 1 in Bremen-Aumund am Standort in Berne stattfinden. Es ist davon auszugehen, dass das dortige 169 Meter lange Schwimmdock für die anstehenden Ausrüstungsarbeiten vollständig eingerüstet wird.

Näheres über die Jacht und den weiteren Verlauf der Arbeiten ist von Seiten der wie gewohnt verschwiegenen Lürssen-Gruppe nicht zu erfahren. „Wir können aus Diskretion gegenüber unserem Kunden keine Detailinformationen zu diesem Yacht-Projekt bekannt geben“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage des WESER-KURIER.

Schiff wurde nach Hamburg geschleppt

Ebenso hatte das Unternehmen keine Angaben darüber gemacht, was mit der abgebrannten 147 Meter langen Luxusjacht geschehen soll. Das Schiff wurde in der ersten Dezemberwoche zusammen mit dem beschädigtem Schwimmdock nach Hamburg geschleppt. Jacht und Dock liegen seitdem im Werfthafen von Blohm+Voss, seit 2016 ein Tochterunternehmen der Lürssen-Gruppe. Beobachter gehen davon aus, dass die Jacht nur noch abgewrackt werden kann. Ob dies in den kommenden Wochen am Werftstandort in Hamburg geschehen woll, dazu wollte sich die Lürssen ebenfalls nicht äußern.

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Für das aktuelle Jachtprojekt „Redwood“ wurden die einzelnen am niedersächsischen Lürssen-Standort in Lemwerder vorproduzierten etwa 70 Meter langen Bug- und Hecksektionen erst im Oktober nach Berne überführt. Dort wurden dann in der dortigen Schiffbauhalle die einzelnen Sektionen zusammengeführt.

Eigentlich war das Lürssen-Gelände in Berne für die Fertigung, Montage und Reparaturen von Jachten gedacht, aber nicht für die Endausrüstung. Und das Dock war ursprünglich nur für Reparaturen vorgesehen. Im April 2010 wurde von den beiden an der Unterweser ansässigen Werftbetrieben Lürssen und Fassmer von der Hegemann-Guppe die ursprünglich 1913 gegründete Rolandwerft erworben. Hierzu gründeten sie mit einem jeweiligen Anteil von 50 Prozent die Holding Schiff- und Stahlbau Berne (SSB). Sämtliche 120 ehemaligen Mitarbeiter der Rolandwerft, die bis dahin Containerfeeder- und Spezialschiffe bauten, wurden seinerzeit von der SSB übernommen.

Anfang 2012 hatte die Fassmer-Werft ihre Gesellschafteranteile an der Schiff- und Stahlbau Berne (SSB) in Warfleth an die Lürssen-Gruppe abgetreten. Seitdem nutzt Lürssen den Schiffbauplatz allein. Das Werftareal mit seinen etwa 150 Mitarbeitern verfügt über drei beheizbare Schiffbauhallen mit einer Länge von bis zu 110 Metern. Das Schiffshebewerk kann Schiffe bis zu einer Länge von bis zu 140 Meter heben. Am Ausrüstungskai stehen unter anderem zwei 50-Tonnen-Kaikrane und ein 80-Tonnen-Turmdrehkran zur Verfügung.

Lürssen erwarb Schwimmdock 2011

Bei dem Schwimmdock mit einer Tragfähigkeit von 7500 Tonnen handelt es sich um das ehemalige Marine-Schwimmdock 3 aus Wilhelmshaven, das 1960 bei der HDW-Werft in Hamburg gebaut wurde. Lürssen erwarb das Schwimmdock 2011 über die Verwertungsgesellschaft VEBEG zu einem nicht genannten Preis. Das 169 Meter lange und 30 Meter breite Schwimmdock wurde seinerzeit vor der Inbetriebnahme von der Lürssen-Werft umfangreich überholt. In den vergangenen Jahren wurde dieses Dock in erster Linie für Garantie- und Wartungsarbeiten an Jachten genutzt.

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Und noch ein Vorfall dürfte die Stimmung bei Lürssen erheblich getrübt haben in diesem Jahr. Neben dem Jachtbau ist das zweite große Standbein der Marineschiffbau. Und beim bislang größten Rüstungsauftrag der deutschen Marine wurde Lürssen aus dem Rennen geworfen: Es geht dabei um den Bau von vier Mehrzweckkampfschiffen des Typs MKS 180 im Gesamtwert von etwa vier Milliarden Euro. Lürssen hatte sich zusammen mit Thyssen-Krupp-Marine-Systems an der Ausschreibung beteiligt, das Konsortium wurde aber im März vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr überraschend aus dem Bieterverfahren aussortiert, ohne dass dies offiziell begründet wurde. Eventuell kann Lürssen aber trotzdem noch von diesem Auftrag profitieren; und zwar dann, wenn sich das Tochterunternehmen Blohm+Voss durchsetzt, das zusammen mit dem niederländischen Werftenkonzern Damen noch bei dem Bieterverfahren mitmischt.

Profitiert hat die familiengeführte Lürssen-Gruppe, zu der auch noch Standorte in Wilhelmshaven, Rendsburg und Wolgast gehören und die insgesamt etwa 2700 Mitarbeiter hat, aber doch noch von einem Marineauftrag: Lürssen gehört federführend einem norddeutschen Werftenkonsortium an, das in den nächsten Jahren fünf Korvetten (K 130) für die Marine fertigen wird. Das Auftragsvolumen beträgt knapp zwei Milliarden Euro.

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