Kommentar über Wirtschaftsförderung Neuer Kurs in der Bremer Innovationspolitik

Die neue Koalition zeigt den Willen zu einer Kurskorrektur in der Bremer Innovationspolitik. Nun gilt: Kurs halten und Fahrt aufnehmen, schreibt unser Gastautor Hans Heinrich Bass.
01.08.2019, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Hans Heinrich Bass

Nur ständige Veränderung garantiert beständigen wirtschaftlichen Erfolg. Dies gilt heute mehr denn je, denn die Produktlebenszyklen werden immer kürzer und der Wettbewerb immer intensiver. Wenn die Politik mehr Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen und hohe Steuereinnahmen will, muss sie mehr unternehmerische Innovationen anregen. In Bremen ist das bislang nur unzureichend gelungen. Sicher, der Niedergang der alten Industrie belastete das Land. Auch zögern hiesige Unternehmen bei der Weitergabe von Innovationsimpulsen. Aber die politischen Werkzeuge waren auch oft ungeeignet.

Innovationspolitik kann erfolgreich sein, wenn sie die wirtschaftlichen Megatrends richtig einschätzt. Dazu gehört eine wachsende Nachfrage nach Gesundheitsdiensten. Dazu gehört die Verschmelzung von Produkten und Diensten zu komplexen Paketen (compacks). Dazu gehört auch die Verlagerung von Standardproduktion wie Coca Cola in die Peripherie und die Ansiedlung neuer handwerklicher Produktion, von New Makers wie der Brau-Union, in den Zentren.

Die neue Koalition zeigt den Willen zu einer Kurskorrektur in der Bremer Innovationspolitik. Sie ergänzt die zu fördernden Branchen um Gesundheit und Ernährung sowie Dienstleistungen als Schnittstelle und plant urbane Gewerbeflächen für Kleinunternehmen. Nur die Umwandlung des Produkt-Clusters „Auto“ in ein Compack-Cluster „Mobilität“ wird kaum forciert.

Neue Produkte werden oft von neuen Unternehmen an den Markt gebracht. Deren Hauptproblem ist der Zugang zu Kapital. Ein Lösungsansatz ist das Zusammenlegen und gemeinsame Nutzen von Ressourcen: Pooling & Sharing. Die Koalition will dafür neben Handwerkerhöfen auch eine koordinierte Logistik für die „letzte Meile“ erproben. Vorbild kann Lüneburg sein, wo der Einzelhandel sein Onlinegeschäft über eine kommunale Plattform und gemeinsame Auslieferung bündelt. Ein zweiter Ansatz ist die Erschließung zusätzlichen privaten Kapitals für Start-ups. Vorbild kann der öffentlich abgesicherte Innovationsfonds der EU sein.

Innovation ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Der Staat kann durch Bildungsangebote helfen, Veränderungen am Arbeitsplatz in Chancen für die Beschäftigten zu verwandeln. Er kann über gesellschaftliche Dialoge sowie Modellprojekte im Öffentlichen Dienst das Innovationsklima fördern. Er kann mit der Unterstützung sozio-kultureller Innovationen die Voraussetzung für den Fachkräftezustrom schaffen. Zu alledem gibt es im Koalitionsvertrag Ideen. Nun gilt: Kurs halten und Fahrt aufnehmen.

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Zur Person

Unser Gastautor

ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen. Er forscht über Fragen der Weltwirtschaft, der Entwicklungsökonomie sowie der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.

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