BLG und Rhenus wollen neuen Hafen in Bremerhaven bauen Nur zwei Bewerber für Offshore-Terminal

Mit Ablauf der Angebotsfrist sind bei der Bremer Hafengesellschaft offenbar nur zwei Angebote für den geplanten Offshore-Terminal in Bremerhaven eingegangen. Im Rennen sind jetzt die Bremer BLG und das Logistikunternehmen Rhenus.
07.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Krischan Förster

Mit Ablauf der Angebotsfrist gestern Mittag sind bei der Bremer Hafengesellschaft offenbar nur zwei Angebote für den geplanten Offshore-Terminal in Bremerhaven eingegangen. Im Rennen sind jetzt die Bremer BLG gemeinsam mit dem Baukonzern Hochtief und das Logistikunternehmen Rhenus im Verbund mit der Strabag.

Bremerhaven. Überraschungen sind beim vorerst letzten großen Hafenprojekt im Lande Bremen offenbar ausgeblieben. Auf potente Investoren aus dem Ausland hat man gehofft, ein paar Anfragen gab es wohl auch, aber sie haben nicht angebissen. Wohl aber zwei der führenden Hafenunternehmen aus der Region. Als gestern Mittag die Angebotsfrist endete, hatten erwartungsgemäß die Bremer BLG und der Logistiker Rhenus, der in Nordenham und Bremen (Weserport) private Hafenanlagen betreibt, ihre Offerten eingereicht.

Beide, jeweils mit einem starken Baukonzern im Rücken, bewerben sich für den Bau und Betrieb des in Bremerhaven geplanten Offshore-Terminals. Das bestätigten beide Unternehmen auf Nachfrage dieser Zeitung. Die BLG tritt zusammen mit Hochtief an, Rhenus hat die Strabag als Partner.

Ein drittes Konsortium, gebildet vom Braker Hafenbetreiber J. Müller, dem Auricher Bauunternehmen Bunte und dem Hamburger Logistiker Buss – verzichtete dagegen auf ein Angebot. "Das Projekt ist aus unserer Sicht mit zu großen Risiken behaftet", sagte ein Bunte-Sprecher gestern dieser Zeitung.

Das Konsortium sehe die nötige Rentabilität nicht gewährleistet, in Aussicht gestellte Verbesserungen bei der Ausschreibung müssten erst noch politisch abgesegnet werden. "Für einen mittelständischen Bieter wäre das ein Roulettespiel", so der Unternehmenssprecher. Offiziell war zuletzt von bis zu fünf möglichen Bietern die Rede, vermutlich sind nur die zwei genannten übrig geblieben.

Schreiben noch ungeöffnet

Noch wurden die Schreiben nicht geöffnet. Das soll erst morgen passieren, wenn das mit der Prüfung beauftrage Gremium wieder vollzählig beisammen ist. Dann erst will auch die Bremer Wirtschaftsbehörde eine erste Einschätzung abgeben. Noch handelt es sich allerdings um eine vorläufige Auswahl, eine erste Sichtung. Die endgültige Entscheidung soll erst im kommenden Jahr fallen, wenn in einer zweiten Phase die verfeinerten, finalen Angebote abgegeben wurden. Zuschlag und Vertragsabschluss sind für den Sommer geplant, frühestens Ende 2014 könnte der neue Terminal fertig sein.

Der neue Offshore-Terminal gilt als Pilotprojekt. Bislang waren Hafeninvestitionen stets Sache der öffentlichen Hand, wie zuletzt bei der Kaiserschleuse (230 Millionen Euro) und der letzte Abschnitt des Containerterminals (500 Millionen Euro) in Bremerhaven. Die neue Umschlagsanlage für Windkraftanlagen soll rund 200 Millionen Euro kosten und erstmals nahezu komplett von privaten Investoren finanziert werden. Ein Novum – und offenbar ein schwieriges Unterfangen. Auch Rhenus hatte im Vorfeld Zweifel angemeldet, ob sich das Projekt am Ende rechne und rentabel betrieben werden könne.

Die wichtigsten Parameter sind vorgegeben. So hatte sich der Senat nach einem langen Auswahlverfahren und erbitterten Diskussionen auf den Standort im Blexer Bogen festgelegt. Dort soll das 25 Hektar große Terminal mit der 500 Meter langen Kaje direkt an der Weser entstehen.

Die mit der Ausschreibung beauftragte Hafengesellschaft Bremenports hatte während der Informationsrunden für alle potenziellen Interessenten insgesamt 330 Fragen und Wünsche entgegennehmen müssen und die Angebotsfrist noch einmal um zwei Monate verlängert. Die Finanzierung dürfte die größten Sorgen bereiten, wie auch der Bunte-Ausstieg vermuten lässt.

Teure Bankkredite

Für eine Bausumme von 200 Millionen Euro wird Fremdkapital von Banken gebraucht. Das ist inmitten einer anhaltenden Finanzkrise und einer eingeschränkten Kreditvergabe-Praxis schon schwer genug. Zusätzlich wird ein Darlehen für einen neuen Offshore-Terminal offenbar als Risikokapital eingestuft. Und das lassen sich Banken, wenn sie denn überhaupt Geld geben, für gewöhnlich mit deutlich höheren Zinssätzen vergelten. Die Rede ist von acht Prozent, die fälligen Zinszahlungen würden allein 16 Millionen Euro pro Jahr ausmachen. Zum Vergleich: Das Land Bremen bekäme einen Zinssatz von drei Prozent.

Investition und den Betrieb des Hafens sollen aus den Umschlaggebühren refinanziert werden. Bis zu 160 Windkraftanlagen könnten pro Jahr verladen werden. Bremenports geht von einer Rendite von zehn Prozent aus. Fachkreise halten diese Einschätzung wegen zahlreicher Unwägbarkeiten im Offshore-Geschäft für viel zu optimistisch. Ein künftiger Hafenbetreiber könnte daher eine Risikoabsicherung in Form von Landesbürgschaften oder den Ausgleich von Verlusten verlangen.

Bremen aber will, abgesehen von bereits entstandenen Kosten für Planung und Straßenbau, finanziell nicht ins Projekt einsteigen. So hat es der Senat beschlossen. Bliebe als möglicher Ausweg das Offshore-Sonderprogramm des Bundes über fünf Milliarden Euro. Denn das kann auf Drängen der Länder künftig auch für Hafeninvestitionen genutzt werden.

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