Zu wenig Aufträge

Personalabbau bei Airbus DS immer wahrscheinlicher

Dass bei Airbus Defence and Space künftig weniger Mitarbeiter beschäftigt sein werden, zeichnet sich immer mehr ab. Die Konzernleitung hat dazu bereits Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen.
18.12.2019, 17:33
Lesedauer: 3 Min
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Personalabbau bei Airbus DS immer wahrscheinlicher
Von Peter Hanuschke
Personalabbau bei Airbus DS immer wahrscheinlicher

Dirk Hoke von Airbus DS

Koch

Bei Airbus Defence and Space (DS) scheint ein perspektivischer Personalabbau immer wahrscheinlicher: Kostendruck, neue Strukturen, externe Kompetenzen – das, was Oliver Juckenhöfel, Standortleiter von Airbus Defence and Space (DS) in Bremen, dem WESER-KURIER in der vergangenen Woche sagte, ist nun übertragbar auf die gesamte Airbus-Konzernsparte.

Das Management von Airbus DS unter der Leitung von Chief Executive Officer Dirk Hoke hat per Pressemitteilung bekannt gegeben, „dass die Division jetzt den Dialog mit Arbeitnehmervertretern aufgenommen hat, um mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Kostenstruktur sowie der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit und künftigen Positionierung zu besprechen.“

Ob darunter mittelfristig automatisch ein Personalabbau zu verstehen ist, wird in der Mitteilung nicht konkretisiert. Es heißt lediglich: „Obwohl die Geschäftsperspektiven, insbesondere im Kerngeschäft, nach wie vor stabil sind, hat die Division in den vergangenen drei Jahren mit unerwartetem Gegenwind zu kämpfen, der sich in Auftragseingang, Ebit und Gesamtleistung niederschlug und nicht durch die fortlaufenden Verbesserungsmaßnahmen kompensiert werden konnte.“

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Das Ziel, das mit künftigen Strukturänderungen erreicht werden soll, ist dagegen klar formuliert: Sie sollen dafür sorgen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Airbus-Konzerndivision langfristig gewährleistet ist. Das Unternehmen werde diesbezüglich „zeitnah aktualisierte Informationen zu seinen Plänen bereitstellen und den konstruktiven Austausch mit den Arbeitnehmervertretern weiterführen.“ Erste Gespräche mit dem Betriebsrat haben bereits stattgefunden. Bei Airbus DS gibt es insgesamt etwa 34 000 Mitarbeiter.

Am Standort Bremen sind es 1200 Beschäftigte, davon arbeiten etwa 700 für den Militärtransporter A400M – in den Hallen in der Airport-Stadt werden unter anderem die Rümpfe gefertigt – und 500 Mitarbeiter sind im Bereich Raumfahrtspace tätig. In dieser Abteilung wird beispielsweise das Antriebs- und Versorgungsmodul für das US-Raumschiff Orion gebaut. In einem internen Schreiben wendet sich Hoke auch direkt an die Mitarbeiter und erläutert die Situation. Danach hat Airbus DS im dritten Jahr in Folge weniger Auftragseingänge als Auslieferungen verzeichnet.

Die Gründe dafür seien vielfältig: Sie reichten vom leichten Rückgang des Telekommunikationsgeschäfts im Raumfahrtmarkt über verzögerte Bestellungen aus europäischen Heimatländern bis hin zu problematischen Vertragsabwicklungen aufgrund des Ausfuhrverbots nach Saudi-Arabien. „Dieser mangelnde Auftragseingang zehrt unseren Auftragsbestand nach und nach auf.“ Zusätzlich werde das Finanzergebnis durch das A400M-Programm belastet.

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Im A 400 M-Programm wurde die Produktion in diesem Jahr auf acht Maschinen pro Jahr angepasst, nach Produktionsraten von ehemals 15. Durch die Reduzierung soll gesichert sein, dass die Produktion bis 2030 am stabil zu halten. Insgesamt haben sich die A400M-Verluste in den vergangenen Jahren auf über 8,5 Milliarden Euro summiert.

Hoke nimmt in dem Mitarbeiterbrief die „außergewöhnliche Lage“ zum Anlass, darauf hinzuweisen, „dass unsere kurzfristige Perspektive einerseits so kritisch ist wie nie zuvor und einen entscheidenden Turnaround erfordert.“ Auf der anderen Seite seien die langfristigen Aussichten noch nie besser gewesen. Die Geschäftsperspektiven der zentralen Geschäftsfelder wie Kampf- und Tankflugzeuge, Drohnen, Connected Intelligence und auch Space Systems seien äußerst vielversprechend.

In der Vergangenheit habe es bereits zahlreiche Initiativen zur Verbesserung gegeben. Trotz dieser Programme, „müssen wir anerkennen, dass die Verbesserungen nicht ausreichen, um unsere kurzfristige Ergebnissituation zu kompensieren. Dementsprechend wollen wir jetzt robuste Maßnahmen ergreifen und die zugrunde liegende Kostenstruktur verbessern, um sowohl kurz- als auch langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, schreibt Hoke.

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