Ladung wächst stärker als Erlöse Reeder leiden unter niedrigen Raten

Bremen·Hamburg. Die deutschen Reeder kommen nur schwer aus der Krise. Das Ladungsvolumen im Seeverkehr ist nach 2009 zwar wieder deutlich gestiegen. Doch die Raten haben sich längst noch nicht erholt. Dennoch steigt die Hoffnung auf bessere Zeiten.
30.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Krischan Förster

Bremen·Hamburg. Die deutschen Reeder kommen nur schwer aus der Krise. Das Ladungsvolumen im Seeverkehr ist nach 2009 zwar wieder deutlich gestiegen, in der Containerschifffahrt sogar um 13,5 Prozent in 2010. In diesem Jahr kommen nach einer Prognose des Bremer Instituts ISL vermutlich weitere neun Prozent oben drauf. Doch die Raten haben sich längst noch nicht erholt, sind in diesem Jahr sogar wieder gesunken.

Gerade bei Charterreedern, die Schiffe an die großen Linien vermieten, decken die Einnahmen immer noch nicht die Kosten. Die Hoffnung auf bessere Zeiten aber steigt, hat die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PWC) in ihrer aktuellen Schifffahrtsstudie ermittelt.

Es ist ein einziger Wellenritt. Vom historisch niedrigen Krisenstand 2009 hatten sich die Raten im Laufe des Jahres 2010 verdoppelt, bevor sie im November wieder ordentlich durchsackten und seither nur langsam wieder nach oben klettern. Vor allem große Neubauten fahren auskömmlich über die Meere, verdienen neben den Betriebskosten auch Zins und Tilgung für die Bankkredite. Das schaffen viele kleinere Schiffe allerdings bis heute nicht.

Es könnte eng werden

Experten rechnen damit, dass für einige Reedereien, die noch immer mit Banken um eine finanzielle Sanierung ringen, erst in diesem, dem dritten Jahr die Stunde der Wahrheit kommen könnte. Ohne ausreichendes Eigenkapital, das notfalls nachgezahlt werden müsste, könne es eng werden.

Bislang sind die 30 Mitgliedsreedereien des Bremer Rhedervereins, abgesehen von Beluga, ohne größere Schäden durch die Krise gekommen. "Aber dieses Jahr bleibt schwierig", hatte der Vorsitzer Thorsten Mackenthun erst jüngst prophezeit. Auch die aktuelle PWC-Umfrage weist aus, dass zwar bei neun von zehn Reedereien die Frachter ausgelastet sind.

Doch nur die knappe Hälfte von 100 befragten Unternehmen denkt bereits wieder an Flottenexpansion und Personalaufbau. Alle anderen haben offenbar weiter mit Problemen zu kämpfen. "Die Branche leidet weiter unter den Krisenfolgen", sagt PWC-Schifffahrtsexperte Claus Brandt, Autor der Studie.

Harter Kampf um Marktanteile

Gerade in der Containerschifffahrt hätten sich die beiden weltweit größten Linienreedereien Maersk und MSC einen harten Kampf um Marktanteile geliefert. Beide haben eine Reihe von Groß-Frachtern mit bis zu 14000 TEU in Dienst gestellt, die zum einen mit Ladung gefüllt werden sollten, zum anderen die Transportkosten je Container gedrückt hätten. Ergebnis: Im Fernost-Verkehr halbierten sich die Frachtraten.

"Die Schifffahrt wächst derzeit eher quantitativ, nicht qualitativ", sagt Brandt. Die Weltflotte war allein im vergangenen Jahr gegenüber 2009 um 19 Prozent gewachsen - auch das drückt auf die Raten.

2011 soll endlich wieder ein besseres Jahr werden, die Branche schöpft gerade neuen Mut. Laut PWC-Umfrage will immerhin jeder zweite Reeder neue Schiffe kaufen und neue Mitarbeiter einstellen, vier von zehn Befragten planen den Abschluss von Bauverträgen mit Werften. Zwei Drittel der Befragten rechnen mit einem Anstieg der Charterratenniveaus, bei den Frachtraten sind es noch 55 Prozent. Dabei sind Containerreeder optimistischer als die Eigner von Bulkern (Massengutschiffen) und Tankern, die in der Regel noch ein Minus einfahren.

Problem Piraterie

Ein gravierendes Problem sieht die Branche auch in der Piraterie vor allem vor Afrikas Küsten. Jede dritte Reederei hatte direkt oder indirekt darunter zu leiden. Längere Routen und steigende Versicherungsprämien verteuerten die Transporte. Zudem habe die Gewaltbereitschaft noch zugenommen, die erfolgten Lösegeldzahlungen für gekaperte Schiffe hätten die Situation noch verschärft - glauben immerhin 80 Prozent der Reeder.

Ein schlechtes Zeugnis stellen sie dabei der EU-Schutzmission "Atalanta" aus. Schon im vergangenen Jahr hielten sie nur 40 Prozent der Befragten für eine hilfreichen Beitrag zur Pirateriebekämpfung. In der aktuellen Studie sind es nur noch 17 Prozent. Erschreckend wenig, wie auch Brandt findet. "Die Reeder sind überzeugt, sich nur selbst helfen zu können."

Bereits ein Drittel der Reedereien engagiert private Sicherheitsdienste, die meisten wählen bewaffnete Eskort-Kommandos aus. Offenbar mit Erfolg. "Angriffe auf solche Schiffe sind bislang nicht bekannt geworden", sagt Brandt.

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