Seehafenbetriebe Seehafenbetriebe fordern faire Rahmenbedingungen

Die deutschen Seehäfen erwarten von der neuen Bundesregierung den Ausbau des Schienennetzes für den Güterverkehr. Notwendig sei auch eine bessere Taktung, so der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe.
17.11.2021, 16:39
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Seehafenbetriebe fordern faire Rahmenbedingungen
Von Peter Hanuschke

Die deutschen Seehafenbetriebe sind laut dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) gut aufgestellt und zählen nach wie vor zu den Jobmotoren in Deutschland. Allerdings müssten zeitnah die richtigen Weichen gestellt werden, damit das auch in Zukunft so bleibt. "Der Wettbewerb mit den anderen europäischen Häfen ist hart umkämpft", sagte ZDS-Präsident Frank Dreeke an diesem Mittwoch im Rahmen der Verbands-Jahrespressekonferenz. "Deshalb benötigen wir faire Rahmenbedingungen, die von der Politik abgestimmt werden."

So muss nach Ansicht des ZDS beispielsweise die deutsche Vorgehensweise bei der Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer weiter optimiert und das Verrechnungsmodell, wie es in fast allen anderen EU-Staaten eingesetzt wird, eingeführt werden. Derzeit ist es so, dass die Frist zur Zahlung im vergangenen Jahr auf rund 70 Tage verlängert wurde. Aber wenn Importeure ihre Ware etwa über Rotterdam oder Antwerpen umschlagen, können sie die Einfuhrumsatzsteuer im Rahmen ihrer Umsatzsteuervoranmeldungen umgehend verrechnen.

Zu den Rahmenbedingungen gehöre auch eine sinnvolle Standortpolitik – etwa der Ausbau des Schienennetzes und eine höhere Taktung im Güterverkehr, so Dreeke, der im Berufsalltag Vorstandsvorsitzender der Bremer BLG Logistics Group ist. Deutschland sei zwar führend beim Transport vom und zum Hafen im Güterverkehr auf der Schiene, aber im Sinne des Umweltschutzes müsse ein weiterer Ausbau erfolgen. Es nütze nichts, wenn das nur in den Häfen stattfinde. „Wenn mehr Verkehr auf die Schiene soll, dann brauchen wir auch mehr Schiene.“

Von der nächsten Bundesregierung hat der ZDS klare Erwartungen: Zukunftsgerechte Verkehrswege und eine angemessene digitale Infrastruktur seien die Grundlage dafür, im internationalen Wettbewerb bestehen und neue Geschäftsfelder erschließen zu können. "Man muss in diesen Bereichen schneller vorankommen, um die Prozesse der Digitalisierung und Automatisierung im engen Dialog mit unseren Sozialpartnern zeitnah umsetzen zu können", so Dreeke.

„Wir schauen zwar optimistisch nach vorne, haben aber die vor uns liegenden Herausforderungen fest im Blick", so der ZDS-Präsident. Energiewende, Digitalisierung, schärferer Wettbewerb und Verwerfungen im globalen Handel seien für die Seehafenbetriebe direkt spürbar. Der ZDS erwartet von der Politik deshalb weiterhin hohe Investitionen in die Verkehrs- und die Kommunikationsinfrastruktur, die Sicherstellung von fairen Wettbewerbsbedingungen und eine adäquate Förderkulisse zur Unterstützung der Energiewende in den Häfen. Der Bund müsse auch mehr als die bisherigen knapp 19 Milliarden Euro in zukunftsgerechte Schienen, Straßen und Wasserstraßen investieren. Gerade im Coronajahr habe sich gezeigt, dass die Seehäfen als systemrelevant einzuordnen seien.

Die Seehäfen sicherten die Rolle Deutschlands als Logistikweltmeister und Exportland. "In der hafenabhängigen Wirtschaft sichern sie bundesweit über 521.000 Arbeitsplätze", so Dreeke. Die Abläufe in den deutschen Seehäfen funktionierten weiterhin gut – trotz der Probleme bei den Lieferketten.

Zur Sache

„Im laufenden Jahr haben wir eine Aufholbewegung im Welthandel und im Seegüterumschlag gesehen", heißt es vonseiten des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Offizielle Zahlen zum Umschlag in deutschen Seehäfen vom Statistischen Bundesamt zeigen, dass der Gesamtumschlag im ersten Halbjahr 2021 um 5,1 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Corona-Krisenjahr 2020 anstieg.  Von Januar bis Juni 2021 wurden 142,6 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. "Wir liegen aber immer noch unter dem Vorkrisenniveau in 2019, wo der Gesamtumschlag im ersten Halbjahr bei 148 Millionen Tonnen lag", betonte der ZDS-Vorsitzende Frank Dreeke. Der ZDS ist der Bundesverband der rund 150 am Seegüterumschlag in den Häfen beteiligten Betriebe in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. 

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+